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Leben und Glauben

Eröffnung der Lutherdekade

16. Oktober 2008

Lutherdekade für Sachsen in Zwickau eröffnet

Sie dient der Vorbereitung auf das Reformationsjubiläum 2017

Logo Lutherdekade

Am Sonntag, 12. Oktober 2008, wurde für die sächsische Landeskirche die Lutherdekade mit einem Festgottesdienst im Zwickauer Dom St. Marien eröffnet. In dem Abendmahlsgottesdienst, an dem auch die Mitglieder der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) sowie ökumenische Gäste aus Europa, Amerika und Afrika teilnehmen, predigte Landesbischof Jochen Bohl. Nach Wittenberg war Zwickau die erste europäische Stadt, in der die Reformation eingeführt wurde, und wo Dr. Martin Luther am 30. April 1522 zweimal predigte. Einen Tag darauf hielt er eine Predigt vom Balkon des Rathauses vor über 14.000 Menschen, die aus dem Gebirge nach Zwickau kamen.

Die Lutherdekade dient der Vorbereitung auf das Reformationsjubiläum 2017.

Neben zahlreichen Einzelveranstaltungen sind für die nächsten Jahre in Sachsen besondere Ereignisse und Themenschwerpunkte während der Lutherdekade geplant. So wird es im nächsten Jahr Veranstaltungen zur Erinnerung an die Ökumenischen Versammlung 1988/89 und die Erinnerung an die Ereignisse der „Protestantischen Revolution“ als Beispiel christlichen Engagements in der Gesellschaft geben.

2010 stehen in Verbindung mit dem 450. Todestag Philipp Melanchthons Fragen der Bedeutung der Reformation für die Bildung und heutiger Erfordernisse von Bildung und Erziehung im Mittelpunkt.

2011 wird der Deutsche Evangelische Kirchentag in Dresden eine wichtige Station für das Lutherjubiläum 2017 sein. Das 175-jährige Gründungsjubiläum der Evangelisch-lutherischen Mission Leipzig wird die weltweite Ausstrahlung des Luthertums in Vergangenheit und Gegenwart zum Thema machen.
Im Zusammenhang mit der 8oo-Jahrfeier der Thomaskirche (2012) und des Thomanerchores in Leipzig wird die Kirchenmusik im Zentrum stehen.

 

Predigt des Landesbischofs im Dom in Zwickau eröffnete Lutherdekade

Die Erschütterungen der gegenwärtigen Finanzkrise werden nach Einschätzung des sächsischen Landesbischofs Jochen Bohl keine Weltregion unberührt lassen, vor allem aber Auswirkungen auf die armen Länder Afrikas und Asiens haben. In seiner Predigt im Dom St. Marien anlässlich der Generalsynode der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) sagte er am 12. Oktober, die Menschen in jeden Ländern „werden unter der lasterhaften Gier der Superreichen leiden müssen“. Es sei „empörend, dass die Zeche ihrer Exzesse von vielen kleinen Leuten bezahlt“ werden wird. Gerade im Zeitalter der Globalisierung seien die Unterschiede in den Lebenswirklichkeiten der Menschen gewachsen. Der Illusion, dass unser Ergehen von dem anderer unberührt bleiben könnte und die Not der Mitmenschen in der Ferne nichts mit unserem Leben zu tun hätte, könnten und dürften wir uns nicht länger hingeben, hob Bohl hervor, der auch Stellvertreter des Leitenden Bischofs der VELKD ist.

 

Landesbischof Jochen Bohl
Landesbischof Jochen Bohl

Die Globalisierung habe in einem gewissen Sinn mit der Ausbreitung des christlichen Glaubens begonnen. Schon die ersten Christinnen und Christen lebten in einer Zeit, in der unterschiedliche soziale Zusammensetzungen Differenzen bewirkten, von denen die Einheit bedroht wurde. Offensichtlich gebe es in einer globalisierten Welt keine Selbstverständlichkeit, beieinander zu bleiben. „Nie zuvor gab es so viele Möglichkeiten, in freier Selbstbestimmung das Leben zu gestalten, ohne auf die anderen Rücksicht nehmen zu müssen“, so der sächsische Landesbischof. Nie sei es so leicht gewesen, sich zu trennen und zu anderen Erfahrungen aufzubrechen. „Es ist eine Zeit starker Individuen und schwacher Gemeinschaften.“ Vor diesem Hintergrund gelte es, an das Bild des Apostels Paulus zu erinnern, der die christliche Gemeinde als einen Leib mit vielen Gliedern beschrieb. Paulus fordere nicht die Uniformität, denn die Kirche könne nicht aus Gleichgeschalteten bestehen.

Festgottesdienst

Vielmehr gehöre die Vielfalt der Gaben zum Wesen der Gemeinde. Gott habe Freude an jedem Menschen, an der unverwechselbaren Individualität eines jeden Einzelnen. Darum gehörten Menschen unterschiedlichen Alters, verschiedener Lebenserfahrungen, Berufe, Gaben, Fähigkeiten und auch unterschiedlicher Frömmigkeiten in ihr zusammen. Die Kirche sei keine Organisation, sondern ein Organismus, voller Dynamik und Verschiedenheit.
Zum Festgottesdienst, an dem auch viele Zwickauer Gemeindeglieder gekommen waren, erklang durch den Zwickauer Domchor und Musiker des Philharmonischen Orchesters Plauen/Zwickau unter Leitung von Kirchenmusikdirektor Henk Galenkamp die Kantate „Allein zu dir, Herr Jesu Christ“.
Die Kollekte, die im Abendmahlsgottesdienst gesammelt wurde, ist für die Evangelisch-Lutherische Jeypore Kirche im indischen Orissa bestimmt. Die ungefähr 30.000 Christen dieser Region sehen sich massiven Verfolgungen ausgesetzt. Zahlreiche Kirchen und christliche Einrichtungen wie Schulen und Krankenhäuser wurden angegriffen und verwüstet. Mindestens 20 Todesopfer sind zu beklagen.

Podium der VELKD-Synode
Podium der VELKD-Synode

Der Gottesdienst im Dom war gleichzeitig der Hauptgottesdienst während der Tagung der Generalsynode der VELKD, die vom 11. bis 14. Oktober unter dem Thema "Lutherisch sein im 21. Jahrhundert" stand. Im Mittelpunkt der Beratungen der 62 Mitglieder umfassenden Generalsynode, darunter sieben gewählte und berufene Mitglieder aus der sächsischen Landeskirche, standen die Berichte des Leitenden Bischofs der VELKD, Landesbischof Dr. Johannes Friedrich (München), und des Catholica-Beauftragten, Landesbischof Prof. Dr. Friedrich Weber (Wolfenbüttel). Die Generalsynode hat zum letzten Mal in der laufenden Legislatur stattgefunden.

Die Mitglieder der Synode und ihre Gäste bekamen am Rande der Tagung die Gelegenheit, sich mit den besonderen Sehenswürdigkeiten Zwickaus bekannt zu machen. Dazu gehörte eine Sonderausstellung „Schätze des Stadtarchivs Zwickau aus acht Jahrhunderten“ im Museum „Priesterhäuser Zwickau“. Zu sehen sind u. a. Briefe Martin Luthers, Philipp Melanchthons, Nikolaus Hausmanns, des Zwickauer Pfarrers und Freundes Luthers sowie weitere Reformationsschriften. In der Zwickauer Ratsschulbibliothek, eine der bedeutendsten Bibliotheken der Reformationszeit in Sachsen, zeigt in einer Sonderausstellung das älteste Zwickauer Gesangbuch von 1525.

 

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