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Erinnerung an Pogromnacht am 9. November


08. November 2022

DRESDEN – Der 9. November gedenken sächsische Kirchgemeinden an die Reichspogromnacht. Mit dem Brennen und Schänden der Synagogen und der jüdischen Friedhöfe am 9. November 1938 und der Belagerung von jüdischen Geschäften und Wohnungen begann nach der Ausgrenzung die systematische Drangsalierung und Verfolgung der jüdischen Bevölkerung. Dieser dunkle Tag mahnt und es machen sich Menschen im Gedenken auf den Weg, um den Spuren jüdischen Lebens zu folgen, oder sich in Andachten und Friedensgebeten zu sammeln. 

In der Leipziger Nikolaikirche wird im Friedensgebet ab 17:00 Uhr der Geschehnisse vom November 1938 mahnend gedacht. Sopranistin Sieglinde Schneider wird vier Lieder der jüdischen Komponistin, Malerin und Schriftstellerin Josefine von Winter (gestorben 1943 in Theresienstadt) vortragen. Am Klavier begleitet Wulff-Dieter Irmscher. Einleitende Worte spricht Christa Manz-Dewald.
Um 18:00 Uhr findet die zentrale Gedenkveranstaltung der Stadt Leipzig an der ehemaligen Großen Gemeindesynagoge in der Gottschedstraße statt. Die große Synagoge der Jüdischen Gemeinde an der Ecke Gottsched-/Zentralstraße, die am 10. September 1855 eingeweiht worden war, wurde in der Progromnacht 1938 in Brand gesteckt.
Mit einer Andacht am Stolperstein für Karl Willy Angermann, in der Mölkauer Straße 34, möchte das Ev.-Luth. Alesius-Kirchspiel ein Zeichen des Friedens, der Versöhnung und des Miteinanders setzen. Die Andacht dort beginnt 18:30 Uhr.
In der Thomaskirche beginnt 19:00 Uhr ein ökumenischer Gedenkgottesdienst. Die Ansprache hält Dr. Timotheus Arndt, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Leipzig, Forschungsstelle Judentum. Die musikalische Gestaltung liegt beim Leipziger Synagogalchor unter Leitung von Philipp Goldmann, Tenor Falk Hoffmann und Johannes Lang an der Orgel.
Über den ganzen Tag verteilt gibt es – nicht nur in Leipzig – Mahnwachen an Stolpersteinen.

So findet beispielsweise im Wurzener Dom St. Marien ab 19:00 Uhr ein Friedensgebet zum Stolpersteinputzen mit Pfarrer Wieckowski statt.
Unter dem Titel „Lichter im Dunkeln“ steht ein Vortrag zu den Brüdern Sternreich, zu dem am Mittwoch 18:00 Uhr in der Pegauer St. Laurentiuskirche eingeladen wird. Für einen der Brüder und seine Familie wurden im letzten Jahr Stolpersteine verlegt. Im Anschluss an den Vortrag soll ihnen vor den ehemaligen Wohnhäusern sowie an Frau Flade, eine weitere Einwohnerin Pegaus, erinnert werden. Sie alle fielen dem nationalsozialistischen Terror zum Opfer.

Die Stadt Dresden lädt gemeinsam mit der jüdischen Gemeinde für Mittwoch zum Gedenken an die Zerstörung der alten Semper-Synagoge 938 sowie die Verfolgung und Ermordung jüdischer Bürger ein. Die Gedenkstele Brühlscher Garten / Hasenberg ist 15:30 Uhr Ausgangspunkt für den anschließenden Gedenkweg durch das Stadtzentrum zum Alten Leipziger Bahnhof, von wo aus 1942 und 1943 Juden deportiert worden.
Unter dem Titel „Ohne Worte – aber nicht stumm“ erklingt am 9. November um 20:00 Uhr in der Unterkirche der Dresdner Frauenkirche ein Konzert zum Gedenken an die Reichspogromnacht.  Daniel Hope hat gemeinsam mit seinen Freunden Werke des viel zu wenig gespielten Paul Ben-Haim ausgewählt, die neben Mendelssohns traumschönen Klaviertrio und dem versöhnenden Klavierquintett Mozarts zu hören sein werden. An Hope´s Seite sind der bekannte Klarinettist Ib Hausmann, die in Leipzig lebende Tatjana Masurenko an der Bratsche sowie das Amatis Piano Trio.

Zum Ökumenisches Friedensgebet lädt die Chemnitzer Kirchgemeinde St.-Petri ab 18:00 Uhr herzlich und dringend ein. Denn „Gut, wenn wir viele sind, die Gott um Frieden in den Ohren liegen!“
Zur gleichen Zeit findet in der Dietrich-Bonhoeffer-Kirche (Chemnitz-Markersdorf) ein Friedensgebet statt.

Bereits seit Ende September kann die Ausstellung „Die den Holocaust überlebten“ der Künstlerin Helene Isolde Rossner in der St. Jakobikirche Chemnitz angesehen werden, die am 11. November ihr Ende findet.
Mit den “Sächsischen Israelfreunden” nahm Helene Isolde Rossner zweimal an einem Arbeits- und Hilfsprojekt bei Holocaustüberlebenden in Israel teil. Sie hatte das Vorrecht, einige Holocaustüberlebende kennen lernen und malen zu dürfen. In der Ausstellung finden sich Portraits (Originalaquarelle), Holzschnitte und farbige Rohrfedertuschezeichnungen.

Stolpersteine in Dresden
Bild: Erinnerung an ein jüdisches Geschäft, das 1938 geschändet wurde (Foto: Rainer Oettel)
Gedenkort an ein ehemaliges jüdisches Geschäft

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