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„100 Jahre Frauenwahlrecht“


17. Januar 2019

Es geht darum, den Anteil von Frauen in Leitungsverantwortung zu erhöhen

DRESDEN – 1919 wurden die ersten Dresdnerinnen in die Parlamente auf Reichs-, Länder- und kommunaler Ebene gewählt. Darüber gibt eine Sonderausstellung „Frauen wählen in Dresden – 100 Jahre Frauenwahlrecht“ Auskunft, die vom 19. Januar bis 17. Februar 2019 anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des Frauenwahlrechts in der Treppenhausgalerie des Landhauses zu sehen sein wird. Neben den ersten Dresdner Politikerinnen zeigt die Ausstellung eine Auswahl an frauenbezogener Wahlwerbung aus den Beständen des Stadtmuseums Dresden. In einer Festveranstaltung am Freitag, 18. Januar, wird im Plenarsaal des Sächsischen Landtages u.a. die erste Rede von Helene Wagner vom 4. März 1919 wiedergegeben. Sie war eine der ersten drei Frauen in der Sächsischen Volkskammer, dem späteren Sächsischen Landtag.

Auch für die Kirchen im damaligen Deutschen Reich hatte die Einführung des Frauenwahlrechts Konsequenzen. Die Einführung des aktiven und passiven Wahlrechts für Frauen – häufig gegen starke Widerstände - zu den Gemeindeleitungen und Synoden begann ebenfalls erst nach dem Ende der Monarchie mit der Trennung von Staat und Kirche. Ab 1919 gaben sich die allermeisten Landeskirchen eigene Kirchenverfassungen, die das Frauenwahlrecht vorsahen. Heute gilt es als Merkmal der evangelischen Kirche, dass in ihr die Geschlechter gleichberechtigt sind, aber es war ein langer Weg mit unterschiedlichen Entwicklungen. Darüber verschafft der 2. Ergänzungsband zum „Atlas zur Gleichstellung von Frauen und Männern in der evangelischen Kirche in Deutschland“ einen ersten Überblick über die Einführung des Frauenwahlrechts in den evangelischen Landeskirchen sowie weiterer Entwicklungen, insbesondere in den Synoden. https://www.gender-ekd.de/download/FrauenwahlrechtinderKirche.pdf

In Sachsen wurde das aktive wie passive Wahlrecht für Frauen in die Synoden nach Inkrafttreten der Kirchenverfassung am 29. Mai 1922 möglich. 1923 wurden die Leipziger Oberlehrerin Magdalene Focke und Klara Kühl, Vorsitzende der evangelischen Arbeiterinnenvereine in Deutschland, als erste Frauen in die Landessynode berufen. Zwischen 1996 und 2008 leitete Gudrun Lindner als Präsidentin die Synode. Der derzeitige Frauenanteil in der Landessynode liegt bei 35 Prozent.
Am Sonnabend, 19. Januar, heißt es „Damenwahl – auch in der Kirche?“ auf einem Seminar im Dresdner Haus der Kirche (Dreikönigskirche) für Frauen in kirchlichen Gremien aus Anlass der Einführung des Frauenwahlrechts vor 100 Jahren. Frauen sollen ermutigt werden für kirchliche Ämter zu kandidieren. Der Nutzen guter Netzwerke und die Reflektion der Kommunikationsstile stehen ebenfalls auf dem Programm, wie auch das Anliegen, wie der Anteil von Frauen in Leitungsverantwortung erhöht werden kann. Immerhin wurde auf der Frühjahrstagung der Landessynode 2018 beschlossen, die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern in Leitungsämtern voranzutreiben.

Medien-Tipp: MDR-Hörfunk aus "Religion und Gesellschaft": Die sächsische Landeskirche setzt auf Frauen"

Fachtag am 19. Januar für für Frauen in kirchlichen Gremien

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