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13. Februar und Ökumenischer Friedensgottesdienst


14. Februar 2019

Suche Frieden und jage ihm nach

DRESDEN - Der 13. Februar war, ist und bleibt für Dresden ein wichtiges Datum, an dem es gleichermaßen gilt, zu erinnern, gegenwärtig zu sein und vorwärts zu schauen. Am 13. Februar nahmen die Gäste aus Coventry und aus Breslau an den verschiedenen Veranstaltungen zum Gedenken teil. Friedensarbeit und Versöhnung stehen auch im Zentrum der Rede des Lord Mayor John Blundell aus Coventry vor dem Dresdner Stadtrat am 14. Februar.

Für ein Gedenken an die Opfer des 13. Februar 1945 gibt es in Dresden viele Orte. So gedachten beispielsweise am Nachmittag Dresdner Schüler gemeinsam mit dem Ersten Bürgermeister Detlef Sittel auf dem Johannisfriedhof den Opfern der Bombardierung.

Der Auftakt der Menschenkette fand um 17:00 Uhr an der Goldenen Pforte auf dem Rathausplatz statt. Über 90 Sängerinnen und Sänger des Universitätschores Dresden sangen zu Beginn ein Requiem. Oberbürgermeister Dirk Hilbert und der Rektor der Technischen Universität Dresden, Prof. Müller-Steinhagen, sprachen vor zahlreichen Zuhörern. Danach formierte sich die Menschenkette, in die sich auch Landesbischof Dr. Carsten Rentzing einreihte. Tausende Menschen standen zusammen.

Anlässlich des 130. Geburtstages des Komponisten Rudolf Mauersberger – und zum mahnenden Gedenken an den Beginn des 2. Weltkrieges vor 80 Jahren erklang am frühen Abend in der Kreuzkirche das „Dresdner Requiem“ von Rudolf Mauersberger durch den Kreuzchor. Um 19:00 Uhr fand eine Friedensandacht mit Pfarrer Tobias Funke in der Trinitatiskirchruine statt.

Nach dem Konzert öffnete sich die Kreuzkirche zum Ökumenischen Friedensgottesdienst. Es predigte Bischof Dr. Christopher Coxworth aus Coventry und bezog sich auf den Psalm 34 und damit auf das darin enthaltende Wort der Jahreslosung „Suche Frieden und jage ihm nach“.
Er verwies auf den damaligen Konflikt zwischen den biblischen Personen von Saul und David. Eine Auseinandersetzung, die Tod, Zerstörung und Tragödien zur Folge hatte. Angesichts der Gefahr und der Angst fragte David, wo das Leben zu finden sei. Bischof Coxworth nahm sich der Frage an und übertrug sie auf heutige Krisenherde.

David jedenfalls habe nach Enttäuschungen die Erkenntnis gewonnen, sich Gott und dem Leben zuzuwenden. Damit begebe man sich auf den Weg zum Leben, zum Leben in Frieden. Der Bischof zog daraus praktische und konkrete Hinweise, mit Worten nicht Trug zu reden, nicht Böses, sondern Gutes tun sowie Haltung einzunehmen, den Frieden zu suchen. Leben nach Gottes Willen, könne nicht ohne Frieden gelingen, weder in Nationen, Familien oder den Herzen.

Dr. Coxworth ging auf die Spaltung in seinem Land in der Brexit-Frage ein. Vor dem Hintergrund des Gesagten und Davids Weisheit über Worte, Handlungen und Haltungen sei zu prüfen, nicht nur die Eigensicht nach Wohlstand oder weniger Wohlstand im Vereinigten Königreich zu diskutieren, sondern auch die Folgen für den „europäischen Nächsten“ zu sehen. „Wahrer und beständiger Frieden entsteht, wenn wir uns für das Wohl anderer Menschen einsetzen“, sagte er.

Der Bischof würdigte angesichts der Vergangenheit und des Gebetes für die Zukunft das Zusammenkommen von Christen verschiedener Nationen und Kirchen. Wir seien ein Volk. „Lasst uns die Ersten, die wieder zusammenfügen, was entzweit wurde, richten, was zerrissen wurde, heilen, was verwundet wurde, die Brücken des Vertrauens der Völker und der Nationen wieder aufbauen“, so Coxworth.
Er dankte für die offizielle Partnerschaft der Städte in den letzten sechzig Jahren.

Weitere Mitwirkende im Gottesdienst waren u.a. Landesbischof Dr. Carsten Rentzing, Bischof Waldemar Pytel aus Wroclaw, Dompfarrer Dekan Norbert Büchner, Kathedrale Dresden, Superintendent Christian Behr für die Dresdner Kirchenbezirke, Christiane Mehlhorn, Ev.-meth. Kirche und Elisabeth Naendorf vom Ökumenischen Informationszentrum.
Für die musikalische Begleitung sorgte der Knabenchor des Nationalen Musikforums Wroclaw. Im Anschluss an den Gottesdienst stimmten die Glocken der Dresdner Kirchen zum Gedenkgeläut an den Beginn der Bombennacht an.

In der Dresdner Kreuzkirche wurde tags zuvor die Ausstellung „Condition humaine“ – Coventry/Dresden Arts Exchange eröffnet. Zum Jubiläum widmen sich die Künstler John Yeadon und Lisa Gunn aus Coventry gemeinsam mit Monika Marten und Kerstin Franke-Gneuß aus Dresden dem menschlichen Dasein in Krieg und Leid, in Versöhnung und Frieden. Die vier Künstler setzen sich mit einer Grundfrage auseinander: Wie lebt der Mensch? Es sind bildliche Erzählungen von Kampf, Katastrophen, Mut, neu Aufstehen und Kraft für den Neubeginn − starke Metaphern auch für das Schicksal der Städte Dresden und Coventry. Denn ihr Schicksal im 2. Weltkrieg und ihr Wunsch nach Frieden und Versöhnung waren der Grundstein für die erste Städtepartnerschaft, die Dresden einging.

Landesbischof Dr. Rentzing (m.) (Foto: EVLKS)
Landesbischof Dr. Rentzing (m.) und Bischof Waldemar Pytel links neben ihm
Vor dem Rathaus
Oberbürgermeister Dirk Hilbert spricht vor dem Rathaus
In der Dresdner Kreuzkirche
Ökumenischer Friedensgottesdienst in der Kreuzkirche
Bischof Dr. Coxworth predigt in der Kreuzkirche
Bischof Dr. Christopher Coxworth (Church of England)
Ausstellung Condition humaine in der Kreuzkirche: links: Coventry City, rechts: Dresden City von Monika Marten

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