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Als Gottes Gärtner sollen wir die Erde bewahren statt zerstören


23. Mai 2019

Schülerinnen und Schüler des Kreuzgymnasiums waren heute zu Gast in der Bischofskanzlei in Dresden. Die 15-18Jährigen folgten einer Einladung von Landesbischof Dr. Carsten Rentzing, der mit ihnen über ihr Engagement für Klimaschutz ins Gespräch kommen wollte.

Bereits die eingangs gestellte Frage nach der Rolle der Kirche im Klimaschutz entfachte eine spannende Debatte. Dr. Carsten Rentzing verwies auf den klaren biblischen Auftrag zur Bewahrung der Schöpfung, der für die Kirche als Ganzes und für jeden einzelnen Christen gelte. Damit habe der Mensch eine Verantwortung, die Lebensbedingungen für Menschen, Tiere und Pflanzen zu erhalten, er sei sozusagen „Gottes Gärtner“. Die geschenkten Gaben und Fähigkeiten solle er zum Erhalt der Erde, nicht zu ihrer Zerstörung einsetzen, so der Landesbischof.

Was die Kirche nun konkret tue, erläuterte er anhand verschiedener Beispiele: Es gäbe Regelungen für die nachhaltige und ethische Bewirtschaftung von kircheneigenem Land und Wald (u.a. ein Verbot für Massentierhaltung auf kirchlichem Land), eine Förderung von Dienstreisen mit dem Zug, Möglichkeiten zur klimagerechten Sanierung von kirchlichen Gebäuden, eine Richtlinie für ökologische und faire Beschaffung und viele Umweltinitiativen, die in Kirchgemeinden vor Ort aktiv seien. Auch das Zahlen einer Klimakollekte als Kompensation für den CO2-Ausstoß  großer Tagungen werde in den Kirchen bereits an einigen Stellen praktiziert und auch in der sächsischen Landeskirche diskutiert.

Die Schüler gaben zu bedenken, dass die Zeit dränge und die Politik handeln müsse. Daraufhin entgegnete der Landesbischof, dass die Herausforderung des Klimaschutzes nicht die alleinige Aufgabe von Politikern sei, sondern auch in der Verantwortung jedes einzelnen liege. „Für den hohen Lebensstandard in unserer westlichen Welt zahlt die Erde einen hohen Preis. Wir müssen uns deshalb damit auseinandersetzen, welche unserer Verhaltensweisen zur Schädigung des Klimas beitragen und zu welchem Verzicht wir bereit sind. Das wollen aber viele Menschen nicht hören“, so der Landesbischof.

Die Schüler erläuterten mit großer Fachkenntnis die Prognosen zur Erderwärmung und fragten den Landesbischof, ob ihm diese Erkenntnisse nicht auch Angst machten. Darauf antwortete Dr. Rentzing: „Seit es Menschen gibt, müssen sie sich an unterschiedliche Bedingungen anpassen und bisher konnten sie damit immer umgehen und haben Lösungen gefunden. Meine Hoffnung ist, dass es uns auch jetzt gelingt, mit all unserem Wissen und unseren Erkenntnissen Lösungen zu finden.“ Aus Angst heraus solle man jedenfalls nicht handeln, sondern mit Klugheit, Geduld und Nachdruck. Wenn dies jeder und jede an seinem Platz tun würden, wäre der Welt schon sehr geholfen. Er räumt aber auch ein, dass der Politik eine große Verantwortung zukomme, um Regelungen zum Klimaschutz zu schaffen. Dies sei in einer unglaublich komplexen Welt jedoch nicht einfach, weil Auswirkungen auf viele andere Bereiche zu berücksichtigen seien. „Ich habe hohen Respekt vor Politikern, die sich mit diesen globalen und komplexen Fragen beschäftigen müssen und möchte mit ihnen nicht tauschen“, so Dr. Rentzing.

Auf die Frage, wie er denn das Interesse der älteren Kirchenmitglieder an dem Thema erlebe, gab der Landesbischof zu bedenken, dass viele ältere Menschen im ländlichen Raum ein sehr nachhaltiges Leben geführt hätten: Urlaub in der Region, Gemüse und Fleisch vom eigenen Hof, sparsam im Energieverbrauch. Davon könnten junge Menschen heute durchaus lernen. Die Digitalisierung mit einem enormen Energieverbrauch, die weltweite Mobilität und Warentransport, der große Plastikkonsum – all dies seien Entwicklungen der letzten Jahrzehnte, die nun dringend einer Lösung bedürften.

Gegen Ende des Gespräches wurde es sogar philosophisch: Der 16-jährige Emanuel fragte: „Wie weit hat sich der Mensch von der Natur entfernt?“ Dies konnte aus Zeitgründen nur angerissen werden. Allerdings brachten die Schüler auch eigene Ideen ein. So erläuterte der 17-jährige Titus die Aktion „Mein Baum – mein Dresden“ - ein Projekt, welches für jeden Einwohner einen Baum pflanzen möchte. Er fragte, ob dies nicht durch die Kirche unterstützt werden könnte. Um im Gespräch zu bleiben und einige angerissene Ideen vielleicht gemeinsam weiterzuverfolgen, sollen die Ideen im Kreuzgymnasium weitergedacht und gesammelt an das Landeskirchenamt übergeben werden.

Zum Abschluss würdigte der Landesbischof das Engagement der FridaysforFuture-Bewegung, welches den Klimaschutz wieder als dringliches Thema in die Köpfe der Politiker und der Gesellschaft gebracht habe. Es sei ein wichtiges Zeichen, dass so viele Schüler und Schülerinnen sich dafür aktiv einsetzten. Das Aneignen der Welt und das Lernen über gesellschaftliche Zusammenhänge geschehe damit auf eine besondere Weise.

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