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Begegnungstag für Aussiedler


15. September 2019

„Christus vereint über alle Sprachen und Kulturen hinweg“

CHEMNITZ - Die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens hat am gestrigen Sonnabend, 14. September, zum Begegnungstag für Aussiedler nach Chemnitz eingeladen. Die „Stadt der Moderne“, wie Chemnitz seit einiger Zeit betitelt wird, unterstützte als Kooperationspartner den Begegnungstag.
Der Begegnungstag, der seit 1996 jährlich jeweils an unterschiedlichen Orten auf dem Gebiet der sächsischen Landeskirche stattfindet, bot auch in diesem Jahr ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm, zu dem rund 700 Teilnehmende gekommen waren.

Gottesdienst in der Chemnitzer Petrikirche

Begonnen hat dieser Begegnungstag in der St. Petrikirche am Theaterplatz mit einem Gottesdienst. Landesbischof Dr. Carsten Rentzing hob in seiner Predigt die Bedeutung des Friedens als Grundwert christlichen Glaubens hervor. Allerdings bei der Betrachtung der Konflikte dieser Zeit habe er den Eindruck, dies sei ein Fremdwort geworden, trotz der Erfahrungen und der Schlüsse aus dem Zweiten Weltkrieg. „Ist Friede für uns ein Fremdwort?“, fragte er.

Für ihn sei Friede auch ein Sehnsuchtsort, gerade in Zeiten der Unruhe beispielsweise vor Prüfungen oder ärztlicher Untersuchungen. Manchmal folge auf zu großer Unruhe Friedlosigkeit. Auch im zwischenmenschlichen Bereich könne Streit und Neid das Leben verdunkeln, worüber wir litten. Dr. Rentzing plädierte dafür, sich wie ein Jäger ein Ziel zu setzen, den Frieden zu suchen und ihm nachzujagen.

Er wies auch darauf hin, dass aus christlicher Sicht der Friede ein Gottesgeschenk sei. „Mit Christus im Herzen, brauchen wir uns nicht mehr in Unruhe zu versetzen“, ermunterte er die Gemeinde, dies Geschenk anzunehmen.
Christus vereine über alle Sprachen und Kulturen hinweg. „Die Welt braucht Frieden! Lass dich nicht vom Unfrieden überwältigen“, appellierte er am Ende seiner Predigt.

Im Anschluss richtete der Chemnitzer Bürgermeister und Stadtkämmerer Sven Schulze sein Grußwort an die Besucher und hieß sie in der Stadt willkommen. Er ging auf die aktuelle gesellschaftspolitische Lage ein, in der sich viele Menschen im Zwiespalt zu Institutionen und der Politik befänden. Von einer kritischen Haltung alleine bestehe aber noch keine Gefahr, denn eine Demokratie lebe von unterschiedlichen Ansichten. Hier müsse man aber im Gespräch bleiben.

Der heutige Tag bestehe aus vielen Möglichkeiten des Kennenlernens und des Zuhörens untereinander, aber auch die Stadt kennen zu lernen, über die im letzten Jahr nicht immer positiv berichtet worden sei. Auch Chemnitz suche Frieden, sagte er, und versprach, dass diese Stadt auch Schönes zu bieten habe und wünschte den Teilnehmenden Gelegenheit, viele interessante Eindrücke selbst in den Blick nehmen zu können.

Der Ökumene-Beauftragte der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, Oberkirchenrat Friedemann Oehme aus Dresden, der maßgeblich an der Vorbereitung beteiligt war, betonte, dass die Stadt Chemnitz den Begegnungstag gut aufgenommen habe. Er überbrachte Grüße von der Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig. Auch er hieß die Gäste willkommen erläuterte den weiteren Tagesablauf.

Vor dem Chemnitzer Rathaus und in der Jakobikirche

Die Teilnehmenden gingen nach dem Gottesdienst vom Theaterplatz ins Zentrum zum Rathaus, wo auf dem Markt mittags ein buntes Bühnenprogramm mit Tanz, Gesang und Folklore begann. Unweit davon informierte und unterhielt ein Markt der Möglichkeiten mit Ständen von Aussiedlervereinen, diakonischen Einrichtungen, mit Buchständen und Kreativangeboten Gäste und Einheimische.

In der Stadt- und Marktkirche St. Jakobi begann um 13:00 Uhr die Festveranstaltung, die das Leitwort „Suche Frieden“ aufgriff. Auf diesem Begegnungstag traf die Kultur der Russlanddeutschen nicht nur auf eine wieder aufstrebende Industriestadt, die früher „das sächsische Manchester“ genannt wurde, sondern mit dem riesigen Marx-Kopf an der Brückenstraße auch auf Artefakte aus einer Ära, die wiederum eine Verbindung zu Sowjetzeiten herstellt.  

Gesellschaftliche Auseinandersetzungen, Konfrontation von Ideologien und Stimmungslagen prägen bis heute das Miteinander, auch in Deutschland. Da gehen die Meinungen häufig genug unversöhnlich auseinander. Das Motto „Suche Frieden“, abgeleitet von der Jahreslosung, hält ein Stück dagegen, denn der  Einsatz für den Frieden gehört zum Selbstverständnis von Christinnen und Christen und verbindet alle Menschen, woher sie auch kommen und mit welcher Religion oder Weltanschauung sie auch leben.

Bühnenprogramm auf dem Marktplatz

Zum gemeinsamen Abschluss des Tages trafen sich die Teilnehmenden am Nachmittag an der Bühne auf dem Markt.
Der Begegnungstag ermöglichte aufgrund seiner öffentlichen Präsenz in der Stadt sowohl den persönlichen Austausch unter den Spätaussiedlern als auch den Kontakt mit den Einheimischen. 

OKR Friedemann Oehme und Bürgermeister Sven Schulze

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