Alle Nachrichten

Nachricht

Bereich

„Der Unfrieden beunruhigt uns“


17. Februar 2020

Positionen für Respekt, Anstand und gegenseitiger Achtung  

DRESDEN – In der Dresdner Kreuzkirche kamen am 17. Februar rund 500 Besucher zum Ökumenischen Friedensgebet zusammen. Eine aufregende Woche mit Menschenkette, Friedensgottesdienst und Demonstrationen gegen antidemokratische Aufmärsche lägen hinter uns, sagte Michael Zimmermann, Friedensbeauftragter der sächsischen Landeskirche. Der Unfrieden sei beunruhigend und Christen seien gefordert Position zu beziehen. Bei Gott hätte die Klage Raum, Antisemitismus, Verächtlichmachung der Demokratie sowie Kriege wie in Libyen und Afghanistan zur Sprache zu bringen. Aber, wie könne es zu einer „Wende von der Klage zur Hoffnung kommen“, fragte Zimmermann. 

Er wünsche sich eine Zukunft, in der Menschen nicht nur an den eigenen Vorteil dächten und handelten, sondern sorgsam mit den Ressourcen umgingen. Dafür brauche es Menschen mit Rückgrat, die nach den Geboten Wegweiser seien.
Den Worten des Friedensbeauftragten schlossen sich Fürbitten an. In das Gebet wurden Politiker einbezogen sowie die von Kriegen erschütterten Weltregionen. Stellvertretend für Verfolgung, Verschleppung und Flucht, wurde das Volk der Jesiden benannt. Die Andachtsgemeinde antwortete mit „Schaffe Licht in dunkler Nacht. Erbarme dich Herr.“ Am Ausgang nahmen die Teilnehmenden Kerzen entgegen und gingen damit zur Frauenkirche am Neumarkt. 

Beten, Hören und Singen  

In der Dresdner Frauenkirche füllten sich zum Friedensgebet um 18:00 Uhr die Sitzreihen mit über 600 Besuchern. Nach der Begrüßung von Frauenkirchenpfarrerin Angelika Behnke hielt Schauspieler Ahmad Mesgarha vom Staatsschauspiel Dresden ein Plädoyer für eine friedlichere Welt, da sonst alles verloren gehen könne.
Für Frauenkirchenpfarrer Sebastian Feydt sei in diesen Zeiten „unser Rückgrat gefordert“. Die Demokratie brauche Rückgrat gegen ihre Verunglimpfung. Der Umgang solle von Respekt, Anstand und Achtung geprägt sein, denn häufig werde die Demokratie schamlos und unverfroren angegriffen. „Wir sind in die Verantwortung gerufen, gerade hier unter Kuppel der Frauenkirche“, sagte Pfarrer Feydt. Er nahm damit Bezug auf das Vorhaben der Nazis, aus dieser Kirche eine Deutsche Kirche zu machen.  

Versuche, die Zeugnisse der Geschichte zu relativieren und zu verfälschen, müsse deutlich Widersprochen werden. Es gehe weiterhin um wahrhaftes Erinnern und um Wertschätzung. „Hass darf nicht mit Hass begegnet werden“, so der Frauenkirchenpfarrer. Vielmehr freundlich und herzlich zu leben und Barmherzigkeit einzuüben sowie das Recht hoch zu halten. Demokratie brauche Rückgrat - brauche aus unserer Sicht auch das Gebet.

Im Anschluss waren die Teilnehmenden eingeladen, Kerzen als stille Botschafter des Friedens zu entzünden und mit ihnen in der Hand auf den Neumarkt zu treten.  
Hier war die Versammlung der „Pegida“-Bewegung im vollen Gange, die auf einen Auftritt des Thüringer AfD-Chefs Björn Höcke wartete. Dem stellte sich ein breiter Protest von Demonstranten unter dem Motto "Demokratie braucht Rückgrat" entgegen.  

Banner an der Frauenkirche mahnt zu Friedfertigkeit   

Als weiteren Aufruf zu einem respektvollen Miteinander zitiert an der Dresdner Frauenkirche wieder ein großes Banner aus der Bergpredigt. Über dem Eingang C stehen auf Deutsch und Englisch die Worte Jesu „Selig sind, die Frieden stiften“ (Matthäus 5,9). „Die Frauenkirche ist eine steingewordene Ermutigung dafür, was Menschen unterschiedlicher Generationen, Herkunft und Glaubensüberzeugungen zum Wohle aller schaffen können“, erklärt Frauenkirchenpfarrerin Angelika Behnke. „Die Kirche wurde wiedererrichtet, um im Wissen um unsere Vergangenheit der Botschaft von Frieden und Versöhnung Ausdruck zu geben.

Die Ersten verlassen die Kreuzkirche Richtung Frauenkirche

Teilen Sie diese Seite