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Deutsch-polnischer Militärpfarrerkonvent zu Gast


26. September 2018

Gegenseitige Treffen im Wechsel in Polen und Deutschland

DRESDEN – Das diesjährige Treffen der evangelischen Militärgeistlichen aus den neuen Bundesländern mit den evangelischen Militärpfarrern aus Polen fand in Dresden statt. Am 25. September kam der gemeinsame Konvent nach einem Besuch im Militärhistorischen Museum in Dresden zu einem Gespräch mit Landesbischof Dr. Carsten Rentzing im Landeskirchenamt zusammen. Unter den deutschen Militärgeistlichen richtete der Stellvertretende Militärdekan Johannes Wolf aus Berlin Grüße vom Dekan aus, der wegen einer Auslandsreise noch nicht eingetroffen war. Ebenfalls nahm Oberlandeskirchenrätin Magrit Klatte am Gespräch teil, die im Landeskirchenamt als Personaldezernentin für Pfarrerinnen und Pfarrer auch Mitglied im Beirat beim Militärbischof (Berlin) ist.

Landesbischof Dr. Rentzing begrüßte die 23 Soldatenseelsorger, darunter zwei Frauen, und würdigte den Dienst in der Militärseelsorge der Bundeswehr. Er erinnerte daran, dass anfangs dieser Dienst nicht unumstritten gewesen sei. Das habe mit der deutschen Geschichte und der Stellung des Militärs in der DDR-Gesellschaft zu tun. Aus friedensethischer Sicht gab es Bedenken, die sich aber angesichts der Struktur des Dienstes gelegt hätten. Jedenfalls sei die Anerkennung unter den Soldaten und deren Familien für die seelsorgerliche Begleitung spürbar hoch, so Dr. Rentzings Eindruck.

Für Militärpfarrer Klaus Kaiser aus Frankenberg sei der Dienst unter den Soldaten übersichtlicher und konzentrierter als in der Gemeinde, aber man könne auf Erfahrungen zurückgreifen. Der verpflichtende Lebenskundeunterricht (LEKU) dürfe aber kein Religionsunterricht sein, um gegenüber der Mehrzahl von Konfessionslosen neutral auftreten zu können. Hier, wie aber auch beim Angebot von Rüstzeiten mit thematischen Exkursionen sei die Resonanz positiv. Hier gehe es um große Fragen des Lebens und kleine Fragen des Alltags, so Pfarrer Kaiser.

Die Seelsorge mit Schwerpunkt Beratung würde auch die 80 Prozent Konfessionslosen erreichen und von ihnen in Anspruch genommen, insbesondere im Auslandseinsatz. Wichtig sei, dass der Pfarrer in der Bundeswehr kein Dienstrang habe und damit nicht über dem Soldaten stehe und andererseits auch nicht unter dem General. Zu den Aufgaben von Militärpfarrer Kaiser, der im Übrigen für mehrere Standorte zuständig ist,  gehöre das Angebot von Gottesdiensten, die in Frankenberg ökumenisch gefeiert werden. Für ihn sei „Kirche in der Militärseelsorge ein Sonderfall von Kirche in der Arbeitswelt“, resümierte er.

Für Militärbischof Miroslaw Wola aus Warschau seien die Aufgabenbereiche der zehn evangelischen Militärgeistlichen mit denen der deutschen Kollegen sehr ähnlich. Allerdings würden die Pfarrer weiterhin den Gemeindedienst wahrnehmen, aber andererseits, wie in den meisten anderen Staaten, Teil der militärischen Hierarchie sein. Sie seien Berufsoffiziere. Aufgrund der besonderen Diasporasituation der Evangelischen, käme der ökumenischen Zusammenarbeit mit den katholischen und orthodoxen Kollegen eine besondere Bedeutung zu. Die besten Kontakte zum Ausland gebe es nach Deutschland, so zu den Kollegen in Berlin und Kiel.

In der anschließenden Gesprächsrunde wurden Erfahrungen aus der Einbindung der Militärseelsorger in die jeweilige Organisation erläutert. Während in Polen das System und die Stellung der Militärgeistlichen weitgehend aus der Zwischenkriegszeit übernommen wurde, hoben die deutschen Kollegen die Unabhängigkeit ihrer Position ohne Rang und Uniform hervor. So könne man ungezwungener auf die militärische Führung zugehen und es schaffe mehr Vertrauen auf Soldatenseite. Von Auslandseinsätzen wurde von Beispielen einer guten internationalen und ökumenischen Zusammenarbeit unter den Seelsorgern berichtetet. Am 26. September soll beim diesjährigen Treffen der ‚Traditionserlass‘ der Bundeswehr den thematischen Schwerpunkt bilden.

Die gemeinsamen Konvente finden immer Wechsel in Deutschland und Polen statt. Zum Bereich des Evangelischen Militärdekanats Berlin gehören die Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen und die Bundeshauptstadt Berlin. Das Dekanat pflegt die Partnerschaft mit der polnischen Evangelischen Militärseelsorge und betreut die deutschen Soldaten in den polnischen Standorten Szczecin (Stettin) und Bydgosch (Bromberg). Der Betreuungsbereich des Dekanats umfasst derzeit 16 Dienststellen der Evangelischen Militärseelsorge.

Evangelisches Militärdekanat Berlin

Gesprächsrunde mit dem Landesbischof im Landeskirchenamt
Gesprächsrunde im Landeskirchenamt in Dresden
Gesprächsrunde im Landeskirchenamt

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