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Einführung des Präsidenten


12. Oktober 2019

Vielfalt und Unterschiede achten und berücksichtigen

DRESDEN – In einem Gottesdienst wurde am gestrigen Freitagabend, 11. Oktober, in der Dresdner Dreikönigskirche Hans-Peter Vollbach (48) feierlich in das Amt des Präsidenten des Evangelisch-Lutherischen Landeskirchenamtes eingeführt. Zu Gottesdienst und anschließendem Empfang hatte die Kirchenleitung eingeladen.

Zu Beginn des Gottesdienstes begrüßte Pfarrerin Frauke Fähndrich (Kirchspiel Dresden-Neustadt) die Gottesdienstbesucher und betonte über diesen Anlass hinaus die enge Verbundenheit mit den jüdischen Schwestern und Brüder im Gedenken an alle Opfer des Anschlags auf die Synagoge in Halle. Sie verwies darauf, dass zeitgleich eine Delegation von Mitgliedern der Kirchenleitung und die beiden Dresdner Superintendenten stellvertretend für die Festgemeinde am Schabbatgebet teilnehmen würden. „Sie bringen damit unsere Solidarität mit der jüdischen Gemeinde in besonderer Weise zum Ausdruck“, sagte Pfarrerin Fähndrich.

Nach Votum und Lied wurde durch Oberlandeskirchenrat Klaus Schurig die Urkunde und von Oberlandeskirchenrätin i.R. Hannelore Leuthold der Lebenslauf verlesen.

Oberlandeskirchenrat Dr. Thilo Daniel betonte in seiner Einführungsansprache die Richtigkeit der Aussage im heutigen Lehrtext der Herrnhuter Losungen: „Unsere Befähigung kommt von Gott“. Gott sei die Quelle der Kraft und er habe die Menschen nach seinem Bilde gemacht. Das mache sich am Charisma, an der Begabung fest, wozu wir fähig seien und was wir können. Es liege auch Würde in der Begabung, denn Gott gebe die Fähigkeit, aber auch das Amt. „Jede Begabung ist Gottes Berufung für uns“, sagte er und verwies hinsichtlich des passenden Lehrtextes auf die Einführung von Präsident Vollbach an diesem Tag.

Mit Staunen stelle er fest, was es für eine Lust sein könne, Jurist zu sein, sagte er schmunzelnd über die Erfahrung mit Vollbachs positives Auftreten im Amt. Er könne der Unterstützung der Mitarbeitenden gewiss sein. Man könne nicht einfach sagen, Vollbach käme wieder zurück, da er sich aufgrund von Erfahrungen verändert habe, nicht zuletzt durch den Zuzug mit der Familie. Dr. Daniel freue sich auf dessen „helfende Hand“. Am Schluss wiederholte er die generelle Grundaussage, „dass wir alles von Gott haben“.

Anschließend folgte die Einführung von Hans-Peter Vollbach im Altarbereich der Dreikönigskirche mit den Segenswünschen für dessen Amt.
Musikalisch gestaltet wurde der Gottesdienst vom Posaunisten Micha Seifert und Prof. Martin Strohhäcker, Hochschule für Kirchenmusik Dresden, an der Orgel.

Am Ausgang wurde eine Kollekte je zur Hälfte für das Ev.-Luth. Kirchspiel Dresden-Neustadt und für die neugegründete Evangelische Schule für Sozialwesen ,,HansGeorg Anniés" in Moritzburg gesammelt. Die Evangelische Schule für Sozialwesen in Moritzburg bildet seit diesem Schuljahr 25 junge Frauen und Männer zu staatlich anerkannten Sozialassistentinnen uns Sozialassistenten aus.  

Empfang und Grußworte

Beim anschließenden Empfang im Großen Saal begrüßte Oberlandeskirchenrat Schurig die Gäste. „Wir freuen uns mit ganzem Herzen auf den neuen Präsidenten“, sagte er und richtete die Grüße der Mitarbeitenden im Landeskirchenamt aus.
Seitens des Freistaates übermittelte der Sächsische Staatsminister der Finanzen Dr. Matthias Haß das Grußwort und sprach zu Beginn das Bild der Zerrissenheit der Gesellschaft an. In einer schwierigen gesellschaftlichen Lage brauche man die aktive Rolle der Kirchen in der Überwindung der Gräben. Präsident Vollbach übernehme das Ruder in aufgewühlter See.

In den Verfassungen, die das Verhältnis von Staat und Kirche regelten, liege das Fundament, dass sich Kirchen frei entfalten können. Sie seien ein befriedendes Moment. Die positive Zusammenarbeit und die Aufgabe der Kirchen erschöpften sich nicht in der sozialen Rolle, sondern in der Sinnstiftung und dem Ethos des Zusammenhalts der Gesellschaft. Der Staat lebe nicht von Dingen, die er selbst nicht geschaffen habe. Nächstenliebe, Empathie und ein vernünftiger Ton könne nicht „befohlen“ werden, sagte der Minister. Deshalb seien die Aufgaben gemeinsam zu meistern und ein aktives Mitgestalten werde gebraucht.  

Dr. Stephanie Springer, Mitglied des Rates der EKD und Präsidentin des Landeskirchenamtes der Ev.-Luth. Landeskirche Hannovers, verband die Grüße mit der Freude der Leitenden Juristen über den Anfang von Hans-Peter Vollbach in dessen neuer Tätigkeit. Es sei ein Glück ihn zu haben, denn er verfüge über viel Talent, weiß die Juristin aus Hannover aus persönlicher Erfahrung. So verbinde er die klassischen Eigenschaften eines Juristen mit dem richtigen Blick auf das Machbare.

Sie bescheinigt Vollbach eine klare kirchliche Profilierung, da er die Verwaltung auch an der Seite der Verkündigung sehe. Auf EKD-Ebene stehe er für einen Ausgleich regionaler Besonderheiten, aber auch für gute Kooperationen.
Dessen Rückkehr könne „wertvoll“ sein, denn bisher brachte er bereits seine „Ostperspektive“ mit ein und war „Brückenbauer“. Zum Abschluss wünschte Frau Dr. Springer ihrem Kollegen den Spruch „We are the best team!“, hier für Sachsen und in der EKD.

Seitens des Amtsbereiches der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) im Kirchenamt der EKD überbrachte Oberkirchenrätin Elke Sievers Grüße nach Dresden. Sie sei überzeugt, dass er die besondere säkulare Situation in Ostdeutschland konstruktiv angehen werde. Sie hoffe, fröhlich und gemeinsam. Die VELKD diene den Gliedkirchen, aber sie brauche Signale von dort. In dem Sinne solle der Dialog mit der sächsischen Landeskirche fortgeführt werden.
Sie schätze Vollbachs lebensbejahende Heiterkeit und überreichte als Geschenk den in diesem Jahr durch die VELKD herausgegebenen „Evangelischen Lebensbegleiter“. Frau Sievers wünschte ihm und der Landeskirche alles Gute.

Präsident Vollbach bedankte sich für die Grußworte. Er bestätigte und bekräftige seine Absicht, bei verschiedenen Positionen „konstruktive Lösungen“ zu finden. Die Partnerschaft zwischen Hannover und Dresden gebe es seit Jahrzehnten. „Muss es nicht uns Christen gelingen beieinander zu bleiben und anstehende Aufgaben zu bearbeiten?“, fragte er. Eine Verbundenheit gelinge dort, wo Vielfalt und Unterschiede geachtet und berücksichtigt würden. Er habe vor, unterschiedlichste Orte und Situationen in der Landeskirche aufzusuchen und das Gespräch zu suchen. 

Wahl, Auftrag und Amt des Präsidenten

Auf einer Sondertagung der Evangelisch-Lutherischen Landessynode Sachsens am 26. Januar wurde der damalige Braunschweiger Oberlandeskirchenrat als Nachfolger von Dr. Johannes Kimme gewählt. Präsident Dr. Kimme trat nach fast zehnjähriger Amtszeit Anfang August 2019 seinen Ruhestand an.

Der Präsident hat den Vorsitz im zehnköpfigen Kollegium des Landeskirchenamtes, die Dienstaufsicht über dessen Mitglieder und die Mitarbeiter des Landeskirchenamtes, der Regionalkirchenämter und über die mit Sonderaufgaben Beauftragten.

Er ist Kraft Amt Mitglied der Kirchenleitung und Chef der sächsischen Kirchenverwaltung und vertritt die Landeskirche rechtlich nach außen. Der Präsident wird für eine Amtsdauer von zwölf Jahren gewählt. Er vertritt mit dem Landesbischof die Landeskirche in der Kirchenkonferenz der EKD.

Persönlicher Hintergrund und Werdegang

Von 2004 bis 2006 war Hans-Peter Vollbach bereits als Referent für Dienst-, Besoldungs- und Versorgungsrecht im sächsischen Landeskirchenamt tätig, dessen Leitung er nun als Präsident übernahm. 2006 wechselte er aus Dresden in das Landeskirchenamt nach Braunschweig und übernahm die Leitung der dortigen Rechtsabteilung. Dort war er Oberlandeskirchenrat und Mitglied des Landeskirchenamtes der Ev.-luth. Landeskirche in Braunschweig, wo er auch das Landeskirchenamt in der dortigen Kirchenregierung vertrat.

Am 26. April 1971 in Schlema bei Aue geboren, wuchs Vollbach nach dem Pfarramtswechsel seines Vaters im Pfarrhaus in Leipzig-Plagwitz auf. 

Nachdem er zunächst ein Musikstudium an der Hochschule für Musik in Leipzig (1987-1991) als Diplomorchestermusiker (Violoncello) abgeschlossen und ein Jahr als Cellist am Landestheater Altenburg gewirkt hatte, besuchte Hans-Peter Vollbach auf dem zweiten Bildungsweg die gymnasiale Oberstufe am Leipziger R.-Schumann-Gymnasium und studierte anschließend Rechtswissenschaften in Leipzig und Jena.

Nach dem 1. Juristischen Staatsexamen (2000) absolvierte er ein Rechtsreferendariat in Erfurt und arbeitete nach dem 2. Examen (2002) in einer Weimarer Rechtsanwaltskanzlei. 2003 wechselte er nach Gardelegen zur Provinzial-Sächsischen Genossenschaft des Johanniterordens, wo er als Justitiar und Assistent des Geschäftsführers mit der Erstellung betriebswirtschaftlicher Standortanalysen befasst war.

Hans-Peter Vollbach ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Ausgang aus dem Einführungsgottesdienst (Foto: EVLKS)
Einführungsrede von OLKR Dr. Thilo Daniel
OLKR Klaus Schurig moderiert die Grußstunde beim Empfang
Dr. Stephanie Springer
(r.) OKRn Elke Sievers
Hans-Peter Vollbach (2.v..l.)

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