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Erinnerung an den Oktober 1989 in Sachsen


02. Oktober 2019

Gott sei Dank und Auftrag für ein demokratisches Miteinander

DRESDEN – Spätestens mit dem Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober kommen die zentralen Erinnerungs- und Gedenkfeiern zu 30 Jahre Friedliche Revolution in Sachsen in den Blick. Unter den Titeln „Freiheit `89“, „Revolution – Demokratie“ oder „Aufbruch89“ gibt es zahlreiche mediale Rückblicke, Ausstellungen, Projektionen, festliche Begegnungen, Gottesdienste und Treffen anlässlich der geschichtsträchtigen Ereignisse, die nicht nur den Osten Deutschlands nachhaltig verändert haben und ihre Spuren hinterließen.

Tag der Deutschen Einheit

Der Tag der Deutschen Einheit, 3. Oktober, ist Anlass, um in Gottesdiensten und Konzerten diesen Gedenk- und Feiertag zu begehen, aber auch an die bewegten Zeiten vor 30 Jahren zu erinnern. So findet in Zwickau in der Eingangshalle des Hauptbahnhofs um 10:00 Uhr eine ökumenische Veranstaltung mit Gebeten, Lesungen und Gesprächen unter dem Titel "Zug zur Freiheit" (30 Jahre friedliche Revolution – Aufbrüche damals und heute) statt.  Um 17:00 Uhr erklingt in der Pauluskirche ein Konzert mit dem bekannten Buchautor und Liedermacher Clemens Bittlinger aus Rimbach/Odenwald.

Ebenfalls um 17:00 Uhr gibt es im Dom St. Marien in Wurzen mit dem Leipziger Symphonieorchester zum Tag der Deutschen Einheit ein Konzert mit Werken von Carl Maria von Weber, Joseph Rheinberger, Bedrich Smetana und Edvard Grieg.
Im ostsächsischen Löbau lädt die St.-Nikolai-Kirchgemeinde zum „Dankfest 30 Jahre Friedliche Revolution“ auf den Altmark mit Musik zum Zuhören und Mitsingen ein, das um 19:00 Uhr in Dona nobis pacem und einer Lichterkette übergeht.  

Retrospektive der Ereignisse vor 30 Jahren

Die Bahnfahrt und damit die Ausreise (ab 30. September 1989) der damaligen Prager Botschaftsflüchtlinge quer durch Sachsen mag eine Fehlentscheidung der DDR-Staatsführung gewesen sein, denn entlang der Zugstrecke verlagerte sich massiv der Protest in die Öffentlichkeit. In Ost-Berlin kam es am Rande des Republikgeburtstags am 7. Oktober am Palast der Republik zu Auseinandersetzungen mit der Volkspolizei.

Für den dann friedlichen Verlauf der Ereignisse im Herbst 1989 spielten in Sachsen Christinnen und Christen sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Landeskirche eine herausragende Rolle. Menschen, die für Freiheit und Demokratie eintraten, engagierten sich bereits seit längerem unter dem „Dach der Kirche“. Vielerorts kam in unüberhörbarer Weise aus den Kirchen der Ruf nach Freiheit und friedlicher Veränderung.

An vielen Orten Sachsens gedenken in diesen Tagen Kirchgemeinden mit Friedensgebeten, Ausstellungen und besonderen Veranstaltungen der Friedlichen Revolution vor 30 Jahren. Kirchen waren Orte des Gebetes, des Schutzes und des freien Wortes und Ausgangspunkte für die gesellschaftspolitischen Veränderungen, die alle Regionen der damaligen DDR erfassten.

Aus mutigen Protesten entstand ein konstruktiver Dialog an den Runden Tischen, die zu einer engagierten Mitbeteiligung auch vieler Christen am Veränderungsprozess führte.
Das MDR Fernsehen geht am 6. Oktober ab 22.20 Uhr in zwei Dokumentationen auf Spurensuche in den Revolutionsherbst sowie um 22:50 Uhr in die Vorgeschichte mit „Friedliche Revolutionäre - Widerstand in der DDR“


Plauen am 7. Oktober 1989 und das Gedenken

Im Rückblick auf die erste große friedliche Demonstration, bei der der damalige Plauener Superintendent Thomas Küttler in einer dramatischen Situation zur Deeskalation beitrug und einen Zugang zum Gespräch eröffnete, erinnert die Vogtlandstadt in mehreren Veranstaltungen. So geht am 5. Oktober um 17:00 Uhr Dr. Thomas Roscher in einer Autorenlesung unter dem Titel „Liturgie – ein offenes Haus?“ in der Plauener Markuskirche auf die Plauener Friedengebete von 1989 und 1990 mit Zeitzeugen ein.

Die Vogtlandphilharmonie Greiz/Reichenbach führt am 6. Oktober um 18:00 Uhr in der St. Johanniskirche im Festkonzert die Sinfonie Nr. 9 d-Moll op. 125 von Ludwig van Beethoven in einer Starbesetzung auf.

Gedenkveranstaltung am Wende-Denkmal

Mit dem Glockengeläut der Lutherkirche und der Begrüßung durch den Oberbürgermeister der Stadt Plauen, Ralf Oberdorfer, wird am 7. Oktober um 18:00 Uhr die Gedenkveranstaltung am Wende-Denkmal eröffnet. Der Oberbürgermeister übergibt das Wort an Landesbischof Dr. Carsten Rentzing aus Dresden, der die damaligen Ereignisse aus Sicht der Kirche schildert. Im Anschluss spricht Wolfgang Sachs als Zeitzeuge, aber auch als Vorsitzender des Initiatorenkreises Wende-Denkmal über die Entstehung des Denkmals. Weiter geht es zum Südportal der Lutherkirche. Traditionell können dort Kerzen entzündet werden. Dank

der Unterstützung des Freistaates Sachsen kann dieses Jahr ein einmaliges Projekt verwirklicht werden: An die Rathausfassade wird eine animierte 3D-Laser-Grafikshow projiziert, die die Ereignisse in Plauen 1989 wiedergibt. Ein Friedensgebet in der Lutherkirche bildet den Abschluss der Gedenkveranstaltung.


Dresden am 8. Oktober 1989 und das Gedenken

Am Dresdner Gedenktag an die Friedliche Revolution, Dienstag, 8. Oktober, findet um 17:00 Uhr in der Kreuzkirche Dresden das alljährliche Friedensgebet und anschließend die Ehrung mit der Plakette „Schwerter zu Pflugscharen“ statt. Das Friedensgebet wird dabei erstmalig von Schülerinnen und Schülern der 10. und 12. Klasse am Ev. Kreuzgymnasium Dresden gestaltet. Bei der anschließenden Ehrung am Denk- und Mahnmal „Steine des Anstoßes“  gegen 18:00 Uhr wird Oberbürgermeister Dirk Hilbert ein Grußwort sprechen.

Ausgezeichnet werden zum ersten Mal drei Preisträger. Denn: Die Friedliche Revolution fußt in vielen Aspekten auch auf die Ökumenische Versammlung mit ihren drei Vollversammlungen in Dresden und Magdeburg in den Jahren 1988/89. Deren drei Schlagworte „Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung“ versuchen die diesjährigen Preisträger ins Heute zu transferieren. Für Gerechtigkeit erhält deshalb die Ehrung ‚Mission Lifeline‘, für Frieden das Friedensseminar Königswalde und für die Bewahrung der Schöpfung die Christliche Schule Dresden.

Das Denk- und Mahnmal „Schwerter zu Pflugscharen – Steine des Anstoßes für eine Bewegung, die das Land veränderte“ wurde am 8. Oktober 2010 eingeweiht. Die jeweils sieben Tonnen schweren Quader bildeten seit 1897 das Fundament des ehemaligen Baldachins über dem Hochzeitsportal der Kreuzkirche. Sie erinnern an den 8. Oktober 1989: An diesem Tag gelang es erstmals, einen friedlichen Dialog zwischen den oppositionellen Demonstranten und den Vertretern des DDR-Systems anzufangen.

Aus den Demonstranten auf der Prager Straße gingen am 8. Oktober 1989 23 Vertreter hervor, um ein Gespräch mit dem Oberbürgermeister Wolfgang Berghofer aufzunehmen. Mit dieser Bildung der "Gruppe der 20" gelang der Durchbruch für die Friedliche Revolution.

Der Dresdner Stadtrat hat den 8. Oktober als „örtlichen Gedenktag zur Erinnerung an die Friedliche Revolution des Jahres 1989“ bestimmt.

 Leipzig am 9. Oktober 1989 und das Lichtfest

Die Umrundung des Leipziger Rings durch etwa 70.000 friedliche Demonstranten am 9. Oktober gilt als Höhe- und Wendepunkt der friedlichen Revolution in der DDR-Geschichte. Mit der Losung "Wir sind das Volk" setzten sie sich dem Alleinvertretungsanspruch der SED entgegen, so dass sich das Regime nicht mehr halten konnte. Ein Wunder der Geschichte: Ein totalitärer, scheinbar allmächtiger Staat wird mit friedlichen Mitteln überwunden.

Höhepunkt des diesjährigen Gedenkens in Leipzig wird das Lichtfest Leipzig unter dem Motto „Herbst ’89 – Aufbruch zur Demokratie“ am 9. Oktober ab 19:00 Uhr mit Beginn Augustusplatz und dann entlang des gesamten Leipziger Innenstadtrings sein. Auf dem Augustusplatz spielen am 9. Oktober natürlich die Kerzen eine zentrale Rolle: Die Besucherinnen und Besucher werden mit über 25.000 Lichtern gemeinsam den Schriftzug „Leipzig 89“ zum Leuchten bringen.
Am 4. Oktober wird einer der spektakulären Lichträume am historischen Ort die Nikolaikirche unter dem Titel „Wir sind das Volk!“ – „Offen für alle“ sein. Die Eröffnung ist um 19:00 Uhr und dieser ‚Lichtraum 1‘ ist ab dann bis zum Lichtfest durchgehend sichtbar. Je nach Tageszeit werden sich wechselnde Lichtstimmungen im Innenraum der Kirche ergeben.

Der Kirchenbezirk Leipzig lädt Schülerinnen und Schüler der 4. bis 6. Klassen am 9. Oktober um 9:30 Uhr zum Friedensgebet in die Nikolaikirche ein. Die Veranstaltung unter dem Motto „Hände reichen. Keine Gewalt“ steht in der Tradition der seit 1982 stattfindenden Friedensgebete. Zentraler Gegenstand wird das Lied „Hände“ von Carolin No sein, das vom Schulchor des Goethe-Gymnasiums der Stadt Leipzig präsentiert wird. Der Gesang wird mit Gebärden – dargestellt von Kindern und Jugendlichen der Kirchgemeinde St. Nikolai – untermalt. Die Schülerinnen und Schüler sollen einerseits einen Teil lebendige Stadtgeschichte kennenlernen und sich zum anderen mit aktuellen Situationen und eigenen Erfahrungen von Ungerechtigkeit, Gewalt, drohender Eskalation von Konflikten und Krieg und ihrer tiefen Sehnsucht nach Frieden auseinandersetzen.

Festakt der Stadt Leipzig und des Freistaates Sachsen

Zentrale Feierlichkeit ist der gemeinsame Festakt der Sächsischen Landesregierung und der Stadt Leipzig am 9. Oktober im Gewandhaus zu Leipzig. Die Gedenkstunde würdigt die Friedliche Revolution als Ergebnis freiheitlich-demokratischen Handelns von Bürgerinnen und Bürgern in ganz Sachsen. Höhepunkt des Festaktes wird die Rede zur Demokratie von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sein. Die ehemalige DDR-Bürgerrechtlerin Freya Klier wird ebenfalls als Festrednerin erwartet. Neben hochrangigen Repräsentanten des gesellschaftlichen Lebens, darunter zahlreiche internationale Gäste, sind Zeitzeugen, Bürgerrechtler und Vertreter demokratischer Basisinitiativen zum Festakt eingeladen. Musikalisch umrahmt wird die Veranstaltung vom Gewandhausorchester unter der Leitung von Gewandhauskapellmeister Andris Nelsons. Der Festakt wird live im öffentlich-rechtlichen Rundfunk übertragen.

Friedensgebet in der Nikolaikirche

Mit einem besonderen Friedensgebet erinnert die Nikolaigemeinde jährlich am 9. Oktober an die Ereignisse von 1989, als die Nikolaikirche für viele Menschen ein wichtiges Symbol für die Hoffnung auf Veränderung wurde. Das diesjährige Friedensgebet am 9. Oktober um 17:00 Uhr trägt die Überschrift "Den Klang der Hoffnung spüren". Erstmals wird das neue Geläut der Nikolaikirche erklingen. Die Predigt hält Martin Henker, Superintendent des Ev.-Luth. Kirchenbezirks Leipzig.


Regionale Veranstaltungen zum „Aufbruch89“

Die Ereignisse in Sachsen waren ein Signal, das von hier aus in andere Regionen und Städte der damaligen DDR weiter getragen wurde. Im Oktober und November 1989 kam es in zahlreichen sächsischen Städten zu Demonstrationen (Montagsdemonstrationen) und zu Versammlungen in den Kirchen. Die bisherige Staatsmacht musste sich plötzlich verantworten und die demokratischen Kräfte sammelten sich an den Runden Tischen und sorgten für einen friedlichen Umbruch in eine neue Zeit.
Dieser Aufbruch war nahezu flächendeckend erlebbar und viele Orte erinnern heute an die Ereignisse im Oktober und November 1989. Beispiel dafür ist in Bautzen am 9. Oktober um 18:00 Uhr ein Ökumenischer Gottesdienst in der Maria-und Martha-Kirche. Am 5. November folgt zur gleichen Zeit ein Themenabend im Kirchgemeindehaus St. Petri am Stadtwall sowie weitere Veranstaltungen im Landkreis unter dem Motto „Aufbruch89“.

In Chemnitz gibt es am 17. November um 15:00 Uhr im Schloßbergmuseum Gespräch und Austausch mit Zeitzeugen über den Beitrag kirchlicher Gruppen zur friedlichen Revolution im Herbst 1989.             

Leipziger Augustusplatz mit Beginn des Lichtfests
Erinnerung an 30 Jahre Friedliche Revolution in Zwickau
Harald Bretschneider, Bernd Oettinghaus (Hrsg.): Das Wunder der Freiheit und Einheit. Mit Zeitzeugen auf dem Weg der Friedlichen Revolution. SCM Hänssler, Überarb. Neufl. 2019
Erinnerung an 7. Oktober 1989 in Plauen
Gedenken in Dresden an den Steinen des Anstoßes
Vertreter der früheren „Gruppe der 20“ in der Dresdner Prager Straße bei der Einweihung der Gedenktafeln (2009)
Bürgerversammlung in der Kirche im ostsächsischen Eibau Herbst '89
Der 7. Oktober war ein besonderer Republiksgeburtstag in Plauen
"Der Klang der Freiheit": Die acht Glocken in der Leipziger Nikolaikirche werden am 9. Oktober zum 30. Jahrestag der Friedlichen Revolution 1989 gemeinsam läuten.

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