Alle Nachrichten

Nachricht

Bereich

Evangelische Schulgründung geht an den Start


20. August 2019

Freie Schule mit staatlich geprüften Ausbildungsabschlüssen

MORITZBURG – Mit der Eröffnung der Evangelischen Schule für Sozialwesen „Hans Georg Anniés“ zu Schuljahresbeginn am 19. August in Moritzburg ging eine neue evangelische Ausbildungsstätte in Sachsen an den Start. 24 Schülerinnen und Schüler in der zweijährigen Ausbildung zu Sozialassistentinnen oder Sozialassistenten sind in einer Klasse zusammengefasst.

Aufbauend darauf wird es an dieser Schule auch möglich sein, die Ausbildung zur Erzieherin oder zum Erzieher zu erweitern. Ebenfalls mit der Ausweitung der Ausbildungsgänge sollen die Gebäude der bisherigen Produktionsschule (Am Knabenberg 9-13) renoviert, um- und ausgebaut werden. Im Augenblick werden Räume des unweit gelegenen Evangelischen Bildungszentrums der Evangelischen Hochschule genutzt.

Zum Gottesdienst und zur Feierstunde am Eröffnungstag hat das Evangelisch-lutherische Diakonenhaus Moritzburg e.V. eingeladen, da es Träger dieser freien Schule ist. So begrüßte dessen Vorsteher, Prof. Dr. Thomas Knittel, in der Moritzburger Kirche Schüler, deren Eltern, Lehrer, Förderer des Projekts, Freunde und Gemeindeglieder. Auch der sächsische Landtagspräsident, Dr. Matthias Rößler, als Unterstützer des Projekts war gekommen.

Für Oberlandeskirchenrat Burkart Pilz, Dezernent im Landeskirchenamt, sei es „wirklich ein festlicher Tag“, da etwas ganz Neues beginne. Nach manchen Sorgen und Anstrengungen sei es nun geschafft. In dessen Predigt machte er auch deutlich, dass die biblische Botschaft nicht nur Stress, Lenkung und Mühsal vorgebe, sondern das eigenständige Wachsen betone: „Der Same keimt und er weiß es selbst nicht“. Hier werde von einem übergroßen Vertrauen geschrieben, das früher nicht selbstverständlicher gewesen sei als heute.

Pilz plädierte dafür, auch im Hinblick auf die Schule darauf zu vertrauen, was kommt, und nicht ängstlich vor dem zu sein, was nicht gelingen könne. Er verwies auf so viele gelungene Schulgründungen, die angewachsen seien, und wünsche sich auch hier einen besonderen und geschützten Raum, in dem sich Schüler ernst genommen fühlten mit all ihren Gaben. Schule sei für ihn mehr als Vermittlung von Wissen. Dazu gehöre auch die emotionale Seite des Lernens mit Haltung, Humor, Aufmerksamkeit und Nachdenklichkeit. „Ohne Abitur kann man leben, ohne Hoffnung nicht“, so Pilz. Evangelische Schule sei „Hoffnungsschule“.

Schulleiterin Konstanze Kawan zitierte in ihrer Ansprache an die Schülerinnen und Schüler das Kindergedicht „In meinem kleinen Apfel“ und zeigte einen Apfel in dessen „Stübchen“ die Kerne wohnten. Die Schulbewerber hätten über ihre Vorstellungen und Wünsche gesprochen. Der Baum des Wissens brauche aber Wurzeln, damit der Stamm wachsen könne. Diese Grundlage sei Glaube, Wertschätzung und gegenseitige Achtung. Sie machte den Schülern Mut, bei Unstimmigkeiten und Sorgen die Lehrbeauftragten daran teilhaben zu lassen und sich anzuvertrauen. Als sichtbares Zeichen der Hoffnung erhielten die Schüler je einen Apfel.

Nach dem Gottesdienst wurden in einem Rundgang die künftigen Lernorte der Schule besucht, darunter die Turnhalle, das Bachhaus, die Produktionsschule, das Seniorenzentrum, das Evangelische Aus- und Weiterbildungszentrum.
In der anschließenden Grußstunde im Hauptgebäude der Hochschule und des TPI erläuterte Prof. Knittel den gut dreijährigen Prozess bis zur Konzeption und der Genehmigung des neuen Schulstandortes.

Den Plänen zur Gründung der Schule gingen Einschätzungen voraus, die sich auf das Konzeptpapier der sächsischen Landeskirche „Wo christlicher Glaube wächst“ von 2015 bezogen hätten. Darin werde mit einem steigenden Bedarf an evangelischen und religionspädagogisch kompetenten Erzieherinnen und Erziehern gerechnet, der durch die bestehenden Ausbildungskapazitäten in Kirche und Diakonie nicht gedeckt sei.

Einschätzungen und Bedarfe seien durch Gespräche mit Diakonischen Werken und Einrichtungen der Region bestätigt worden. Weiterhin habe es Abstimmungen mit der Fachschule für Sozialwesen in Bad Lausick, mit staatlichen Stellen und mit den Bildungsträgern in Moritzburg selbst gegeben sowie Hilfestellung so vieler Unterstützer, darunter auch der Moritzburger Bürgermeister Jörg Hänisch, der auch die Festgemeinde grüßte.

Landtagspräsident Rößler sei sich sicher, dass die Schule die Konzeption mit Leben füllen werde. Er hoffe auf die notwendigen Mittel zum Beginn des Aufbaus der Schulgebäude. Als Vertreter der Diakonie Sachsen grüßte Oberkirchenrat Dietrich Bauer die Anwesenden und er freue sich auf junge Menschen, die nach der Ausbildung in diakonischen Einrichtungen neue Ideen einbrächten, aber auch christliche Werte. Somit seien sie wichtig für die Diakonie, sagte er, und wünschte Gottes Segen für die Ausbildungsverlauf.

Geplant wird mit einer Gesamtschülerzahl von ca. 125 Schülerinnen und Schülern. Ein besonderes Profilmerkmal der geplanten Schule soll in der Ausbildung religionspädagogischer Kenntnisse und Kompetenzen bestehen, welche gerade in einer pluralen Gesellschaft zunehmend wichtiger werden.

Als Träger von Bildungseinrichtungen verfügt das Diakonenhaus über eine beinahe 150-jährige Tradition. Es betreibt gegenwärtig die Evangelische Hochschule Moritzburg mit Bachelor- und Masterstudiengängen in Religionspädagogik und Kindheitspädagogik. Zugleich ist das Diakonenhaus das geistliche und organisatorische Zentrum der Gemeinschaft Moritzburger Diakone und Diakoninnen.

Zu ihr gehören rund 550 Personen, die in sozialen und pädagogischen Berufen in Kirche und Diakonie deutschlandweit tätig sind. Die Schulgründung steht somit im Gesamtkontext des diakonisch-religionspädagogischen Bildungsstandorts Moritzburg und wird diesen um einen wichtigen Baustein ergänzen.

Die Schule trägt den Namen „Hans Georg Anniès“. Anniès (1930-2006) wirkte als Grafiker und Bildhauer in Moritzburg, unter anderem am Diakonenhaus in Moritzburg, wo er selbst seine Ausbildung zum Diakon erfuhr. Mit der Namensgebung soll einerseits ein Bezug zur Tradition des Diakonenhauses und seiner Ausbildungsgeschichte hergestellt werden, andererseits bietet das künstlerische Wirken von Hans Georg Anniès vielfältige Impulse für die Konzeption der Schule.

Evangelische Schule für Sozialwesen Moritzburg

Äpfel warden an die Schüler verteilt
OLKR Burkart Pilz predigt im Gottesdienst
Die Schulleiterin Kawan spricht zu den Schülern
Zukünftige Schulgebäude vor der Sanierung
Grußwort von Dr. Matthias Rößler
Klassenfoto vor der Kirche in Moritzburg
Prof. Knittel erläutert die Geschichte des Schulprojekts

Teilen Sie diese Seite