Alle Nachrichten

Nachricht

Bereich

Fasten als Pause vom Alltagseinerlei


05. März 2019

Eine Zeit der stärkeren persönlichen Wahrnehmung und Veränderung

Mit Aschermittwoch beginnt für uns Christen wieder die Fastenzeit, welche nach 40 Tagen zum Osterfest endet und an die ebenfalls 40 Tage erinnert, die Jesu fastend und betend in der Wüste verbrachte. Dabei unterscheidet sich das Fasten mit dem Zweck des Abnehmens und der Körperbetonung von dem Verzicht auf alles, was den Menschen von Gott trennt. Der christliche Ansatz bezieht beispielsweise alltägliche, liebgewonnene Angewohnheiten oder Routinen mit ein, die unser Leben und uns oft bestimmen. Durch das Bewusstmachen und den Verzicht soll Raum gegeben werden für neue Erfahrungen und geistliche Besinnung.

Sabine Schmerschneider (54), Pädagogische Leiterin der Evangelischen Erwachsenenbildung Sachsen, gestaltet den Fastenkurs „Fasten und Meditation“ im Haus der Stille (Grumbach) und berichtete im Interview über ihre Erfahrung mit dem Verzicht. Dabei  und verriet sie auch, was sie sich in den nächsten 40 Tagen ab- bzw. angewöhnen möchte.

Welche Erfahrungen haben Sie allgemein mit dem Fasten gemacht? Verzichten Sie schon mal ganz auf Nahrung?

Ich halte viel von einem jährlichen „Fasten für Gesunde“ nach Buchinger/Lützner. Dies ist eine fünf- bis sechstägige Kur, bei der Wasser, Säfte, Tee und eine Gemüsebrühe am Mittag verzehrt werden. Dabei stehen sowohl Bewegung als auch Auszeiten mit Schlaf oder einem guten Buch im Fokus. Ich verbinde mit dem Fasten die Einladung, den eigenen Körper neu zu spüren und trotz des Nahrungsverzichts Kraft zu haben.

Wie wird sich die Fastenzeit für Sie in diesem Jahr gestalten? Verzichten Sie auf einzelne Lebensmittel oder Angewohnheiten?

Beides. Ich möchte versuchen, mir mehr Achtsamkeit anzugewöhnen. Ich erledige oft mehrere Dinge parallel. Das tut mir nicht gut. Außerdem möchte ich auf Schokolade verzichten, weil das etwas ist, was mir sehr schwerfällt.

Was halten Sie von Fastenpausen an Sonntagen?

Ob es der Sonntag oder ein anderer Wochentag ist, entscheidet sich nach der eigenen Lebenssituation. Leben Kinder im Haushalt? Fahre ich mit dem Auto zur Arbeit? Entscheidend ist, sich hin und wieder Zeit fürs Fasten zu nehmen. Der Nachtschlaf ist ja auch eine Fastenzeit und am folgenden Tag kann ich gut einen Obst- oder Reistag machen. Fastenpausen also unbedingt ja, ehe ich sie ganz weglasse.

Mit welcher Motivation kommen denn ihre Teilnehmenden in die Fastenkurse?

Viele wünschen sich eine Pause – vom Essen, vom Alltagseinerlei oder vom Stress. Auch wenn es Angebote neben der Arbeit gibt, ist es das Beste sich für das Fasten frei zu nehmen. Die Teilnehmenden nutzen die Zeit gern um sich über das eigene Leben klarer zu werden – sogar manchmal um Entscheidungen zu fällen. Das klare Bewusstsein ist eine häufige Erfahrung beim Fasten. Man kann den eigenen Körper neu wahrnehmen. Beispielsweise braucht man weniger Schlaf und verspürt wider Erwarten keinen Hunger. Das sind Erfahrungen, denen sich Fastende gern immer wieder aussetzen.

Wie erleben Sie die Menschen dann im Laufe des Kurses?

Sie brauchen Ruhe und genießen die Zeiten für sich allein. Die Bewegungseinheiten funktionieren jedoch in der Gruppe besser, also am Morgen gemeinsam Gymnastik zu machen und im Wald unterwegs zu sein. Als Fastenleiterin ist es ein Erlebnis zu sehen, wie Menschen sich verändern: ihre Haltung wird aufrechter, ihr Blick klarer und heiterer.

Empfehlen Sie das Fasten jedem oder gibt es aus ihrer Sicht Leute, denen Sie es besonders empfehlen würden?

Es ist für alle Personen möglich, die sich gesund und stabil fühlen wollen. Besonders kann ich es denjenigen ans Herz legen, die eine Auszeit brauchen oder ein paar Kilos abnehmen möchten. Das ist für viele aber nur der Nebeneffekt. Das ganzheitliche Erleben des eigenen Geistes und Körpers überwiegt.

Menschen mit gesundheitlichen Problemen sollten sich vorab ärztlich beraten lassen, ob das Fasten sinnvoll ist. Das gilt u.a. bei Kreislauf- oder Stoffwechselerkrankungen.

Wie kann das Fasten, aus Ihrer Sicht, auch für Nichtchristen eine Rolle spielen?

Zu fasten heißt, sich auf eine besondere und heilige Zeit einzulassen. Die Tatsache, dass der eigene Körper einen mit Energie und Wohlbefinden versorgt, ohne dabei Hunger zu verspüren, ist ein großes Erlebnis. Der oder die Fastende erfährt Ehrfurcht und Achtung dem eigenen Körper gegenüber. Damit ist es möglich, sich als Teil der Schöpfung zu erleben. Auch Menschen, die nicht an Gott glauben, haben die Sehnsucht nach einem Eingebunden-sein in ein „großes Ganzes“. Dieser Sehnsucht können sie mit einer Zeit des „Verzichtens“ nahekommen. 

Das Interview führte Romy Stein

Mehr zur Passionszeit

 

 

 

Fastenzeit (Foto: Pixabay)
Sabine Schmerschneider, Mitarbeiterin von der Ev. Erwachsenenbildung Sachsen

Teilen Sie diese Seite