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Forum sächsischer Jugendpolitik


19. März 2019

Jugendliche mit starken Argumenten bei Podiumsdiskussion

DRESDEN - Über 30 interessierte und kommunikative Jugendliche folgten am vergangenen Freitag (15.03.2019) der Einladung zum Forum sächsischer Jugendpolitik der Evangelischen Jugend in Sachsen, welches unter dem Motto „Wer die Wahl hat…“ stand. Im Sächsischen Landtag stellten sich die Landtagsabgeordneten Sabine Friedel (SPD), Kathleen Kuhfuss (Grüne) und Sebastian Fischer (CDU) der Diskussion. Zwei Stühle in der Diskussionsrunde blieben frei für Jugendliche, die sich aktiv am Gespräch beteiligen wollten.

Ein Teil der Schülerinnen und Schüler hatte sich am Nachmittag vom Regenwetter nicht abhalten lassen und an den Klima-Demos „FridaysforFuture“ teilgenommen. Auch Landesjugendpfarrer Georg Zimmermann, der die Begrüßung übernahm, kam  direkt aus der Dresdner Kreuzkirche, die Ziel der Demonstration war. Mit Blick auf die bevorstehende Podiumsdiskussion regte er zum Perspektivwechsel an und ermutigte dazu, dies mit Güte zu tun. Dabei verwies er auf die Tageslosung aus Epheser 5, 8-9. Wer Güte in sich habe, könne dem Gesprächspartner mit anderen Augen und Ohren gegenübertreten.

Im folgenden Impulsvortrag analysierte Agnes Scharnetzky (Kinder- und Jugendring Sachsen), ob die Politik und die Themen der Jugendlichen wirklich zwei unterschiedliche Welten darstellten. Sie stellte fest, dass bei wirklich großen Fragen wie denen nach Frieden und dem Umgang mit der Umwelt plötzlich ein gemeinsames Interesse bestehe. Solche Fragen könnten im Dialog als Anknüpfungspunkte dienen. „Parteien stehen für Vielfalt von Ideen und Konzeptionen. Das sei auch gut so, denn sonst regiere eine Einheitspartei und somit gebe es eine Diktatur“, schloss Scharnetzky.

Der im Landesjugendpfarramt für gesellschaftspolitische Jugendbildung zuständige Jan Witza moderierte an diesem Abend die Diskussionsrunde. Bereits seine erste Frage, wie Barrieren abgebaut und Gespräche befördert werden könnten, mündete in einer heißen Debatte über die Schülerdemonstrationen „FridaysforFuture“.

Während Sebastian Fischer beklagte, dass Einladungen in den Sächsischen Landtag bei Lehrern häufig auf taube Ohren stießen, empfahl Sabine Friedel die Kommunikation mit Jugendlichen auf unterschiedlichste Weise anzustoßen und jede Chance des Kontaktes zu nutzen. Kathleen Kuhfuss verwies auf die junge, wache Generation, die sich gerade aktiv politisch engagiere und somit selbst das Gespräch suche.

Die SPD-Politikerin Friedel äußerte, dass „FridaysforFuture“ aktuell bewirke, dass Themen wichtig werden, die vorher weggeschoben wurden. Wirkung habe das aktuelle Engagement insoweit gezeigt, dass für Ende Mai zwei Klimakonferenzen mit Schülern in Dresden und Leipzig einberufen worden seien.

Die Frage, warum nicht in der Schulzeit demonstriert werden soll, begründet der CDU-Politiker damit, dass es Regeln gebe, die es einzuhalten gelte. Die Koalitionspartnerin Friedel erläuterte, dass die Schulpflicht nicht abgeschafft werden könne, weil sie eine Regel sei, die der Aufrechterhaltung des Zusammenlebens diene. Jedoch gäbe es kaum eine Regel ohne Ausnahme. Die Aussage „Bitte nach der Schule“ erscheine ihr zu dem weltfremd. Kuhfuss wies an dieser Stelle auf den Lerneffekt hin, der mit der Organisation solcher Demonstrationen einherginge: die Anmeldung des Marsches bei der Stadt, das Anfertigen von Plakaten, die inhaltliche Auseinandersetzung sowie die Erfahrung selbst, bei einer Demonstration dabei zu sein.

Die drei Politiker waren sich grundsätzlich einig darin, dass es für die Rahmenbedingungen der Klima-Demos eine langfristige Lösung geben müsse. Verständnis für die aktuelle Gestaltung der Proteste äußerten vor allem die beiden Frauen, welche die jetzige Form als passend und notwendig empfanden, damit das Anliegen gehört werde.

Eine Jugendliche, die in der Runde Platz genommen hatte, zeigte sich empört darüber „wieviel Unvernunft uns jungen Leuten zugeschrieben wird“. Sie selbst habe beim heutigen FridaysforFuture nur junge Leute erlebt, die mit Leidenschaft bei der Sache waren.

Eine andere Schülerin, welche Unterstützung und Motivation von ihren Lehrern erfahren habe, überraschte mit der Aussage, die Lehrkräfte ihrer freien Schule hätten sich sogar entschuldigt, weil sie als Schüler selbst nicht auf die Straße gegangen seien.

Eine 21-jährige Auszubildende, die bereits mit 18 Jahren als Wahlhelferin freiwillig tätig war, berichtete, dass ihr aktuell immer wieder zu Ohren käme: „Warum sollen wir wählen gehen, wenn wir für das Demonstrieren belächelt werden?“.

Obwohl die Klima-Demos stark in den Vordergrund der Diskussion rückten, äußerten sich die Politiker auch zum aktuell verhandelten Polizeigesetz, der Möglichkeit eines Bildungsurlaub, der bereits in allen anderen 15 Bundesländern, aber nicht in Sachsen geregelt sei, sowie zu Neuregelungen des sächsischen Nahverkehrs.

Während der anschließenden „Wahlparty“ zeigte sich Georg Zimmermann begeistert: „Mir hat es sehr gefallen, wie sich die Jugendlichen eingebracht haben. Sie sind es offenbar gewohnt zu argumentieren und halten ihre Meinung deshalb nicht zurück. Die Auseinandersetzung zum „FridaysforFuture“ hat die Diskussion sehr bestimmt. Das fand ich gut, weil es bei allen oben auflag. Und ja, Politik ist kompliziert und es gibt unterschiedliche Rechtsgüter die man abwägen muss, aber es hilft nicht, immer nur klar auf die Regeln zu pochen.“

Das jährlich angelegte Forum sächsischer Jugendpolitik fand bereits zum vierten Mal statt. Anwesend waren Jugendliche zwischen 15 und 26 Jahren, der überwiegende Teil mit konfessionellem Hintergrund. Für den 30. März 2019 ist ein Tag der Begegnung unter dem Titel „Glaube – Werte – Politik“ geplant. Im Landtagsgebäude können Jugendliche und junge Erwachsene dann mit christlichen Abgeordneten unterschiedlicher Parteien in Kontakt treten.

Landesjugendpfarrer Georg Zimmermann während der Begrüßung
Diskussion im Fishbowl
Jugendliche während der "FridaysforFuture"-Demonstrationen

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