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Früherer Rundfunkbeauftragter Bernd Richter gestorben


04. Februar 2021

Seine humorvolle Art öffnete ihm Türen und Herzen der Menschen

DRESDEN – Der vielen Radiohörern in Mitteldeutschland bekannte frühere Rundfunk- und Senderbeauftragte beim Mitteldeutschen Rundfunk (MDR), Pfarrer Bernd Richter, ist am 1. Februar 2021 im Alter von 78 Jahren in Dresden gestorben.

Zehn Jahre lang, von 1997 bis 2007, war er als Rundfunkbeauftragter der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens für kirchliche Sendungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk zuständig. Dazu gehörten das morgendliche „Wort zum Tag“ und die Übertragung von Hörfunkgottesdiensten aus den Gemeinden der Landeskirche. Als Senderbeauftragter vertrat er alle evangelischen Landeskirchen, die im Sendegebiet des Mitteldeutschen Rundfunks liegen.

Er hielt den Kontakt zu den Landesfunkhäusern in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen und gestaltete mit den Gemeinden die Fernsehgottesdienste, die der MDR produzierte. Als Pfarrer der sächsischen Landeskirche war er für alles zuständig, was von und über evangelische Kirchen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk und Fernsehen gesendet und berichtet wurde. Auch noch nach seiner Pensionierung im Sommer 2007 beantwortete er in speziellen MDR-Radiosendungen Hörerfragen.

Der damalige Dezernent für Medien, Oberlandeskirchenrat i.R. Horst Slesazeck, würdigt Richter als einen begeisternden Theologen: „Wenn ich an Pfarrer Richter denke, fällt mir zuerst seine lebendige, direkte Art ein, seine Begabung, auf andere zuzugehen und sein Interesse zu erfahren, was Menschen bewegt. Er wollte viele Menschen erreichen und sie von dem Glauben begeistern, der ihn selber trug.“ Dazu sei ihm eine verständliche, den Menschen nahe Sprache immer wichtig gewesen, betont Slesazeck.

Neben seinem Verkündigungsdienst habe sich Pfarrer Richter als Brückenbauer zwischen Kirche und Rundfunk verstanden: „Arbeitsabläufe, Entscheidungsstrukturen, Problemlagen und Selbstverständnis - er konnte uns Kirchenmenschen die Medienwelt und die ihr eigenen Gesetze gut nahebringen und erschließen.“, erinnert sich Slesazeck. Umgekehrt habe Richter auch die kirchlichen Strukturen gegenüber der Medienwelt gut erklären können. „Das hat dem gegenseitigen Verständnis und der Zusammenarbeit gut getan.“, so Slesazeck. 

Bernd Richter stammte aus Dresden und absolvierte nach seiner Schulzeit eine Werkzeugmacherlehre bei den Kamera- und Kinowerken Dresden. Nach kurzer Tätigkeit als Werkzeugmacher im Betrieb VEB Pentacon entschied sich Richter 1961 für ein Theologiestudium am Theologischen Seminar in Leipzig.

Nachdem er seinen Vorbereitungsdienst in Dohna und das Zweite Theologische Examen erfolgreich absolviert hatte, wurde er 1970 in der Marienkirche Dohna ordiniert. Bernd Richter wechselte 1972 in eine Pfarrstelle an die Pirnaer St. Marienkirchgemeinde und war dort zugleich acht Jahre lang Jugendpfarrer des Kirchenbezirks Pirna. 1982 übernahm Richter das inzwischen selbstständig gewordene Pfarramt im Neubaugebiet Pirna-Sonnenstein, wo er bis zu seiner Berufung zum Rundfunkbeauftragten 1997 das dortige neue Kirchgemeindezentrum und eine neue Gemeinde aufbaute.

„Unvergessen sind Pfarrer Richters humorvolle Art und seine ansteckende Fröhlichkeit. Sie öffneten ihm Türen und Herzen der Menschen. Auf kaum nachzuahmende Weise brachte er so den christlichen Glauben ins Gespräch, zunächst im Zuzugsgebiet seiner Neubaugemeinde und später dann im Rundfunk.“, erinnert sich der aktuelle Dezernent für Medien im Landeskirchenamt, Oberlandeskirchenrat Karl Ludwig Ihmels, an die besondere Ausstrahlung von Pfarrer Richter, der in Pirna-Sonnenstein u.a. auch ein Kirchenkabarett gründete.

Bereits zu DDR-Zeiten vertrat Richter die sächsische Landeskirche im Medienbeirat des Bundes der Evangelischen Kirchen und war einige Jahre Vorsitzender des Medienbeirates. Bis 2004 war Richter Vorstandsmitglied des Evangelischen Presseverbandes Ost.
Die Trauerfeier für Pfarrer Bernd Richter findet in der kommenden Woche im engsten Familienkreis statt.

Zum Hintergrund:

Der Rundfunkbeauftragte der sächsischen Landeskirche hält die Kontakte zu den öffentlich-rechtlichen Sendern, insbesondere zum Mitteldeutschen Rundfunk (MDR), und ist verantwortlich für die Verkündigungssendungen im MDR („Worte zum Tag“ bei MDR1 Radio Sachsen; Rundfunkgottesdienste MDR KULTUR).

Der Senderbeauftragte der Evangelischen Landeskirchen vertritt alle evangelischen Landeskirchen, die im Sendebereich des Mitteldeutschen Rundfunks liegen. Er fungiert als Ansprechpartner der Kirchen beim MDR in den verschiedenen Landesfunkhäusern. Er informiert über aktuelle kirchliche Themen, schlägt Formate zur Berichterstattung vor und ist Interviewpartner für gesellschaftliche Fragen. Bei Gottesdiensten oder anderen Verkündigungsformaten, die vom MDR für das Fernsehen bzw. online produziert werden, hat er die kirchliche Leitung bei Vorbereitung und Ausstrahlung.

Pfarrer Bernd Richter im Aufnahmestudio des MDR

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