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Gedenken Reichspogromnacht


06. November 2019

Zeichen und Impulse für die aktuelle Friedens- und Versöhnungsarbeit

DRESDEN – Der 9. November ist in mehrfacher Hinsicht ein denkwürdiger Tag für die Deutschen. In ihm spiegeln sich Höhen und Tiefen wider und er steht exemplarisch für Trauer, Schuld und Freude gleichermaßen. Mit dem Brennen und Schänden der Synagogen und der jüdischen Friedhöfe am 9. November 1939 und der Belagerung von jüdischen Geschäften und Wohnungen begann nach der Ausgrenzung die systematische Drangsalierung und Verfolgung der jüdischen Bevölkerung. Dieser dunkle Tag mahnt und es machen sich Menschen im Gedenken auf den Weg, um den Spuren jüdischen Lebens zu folgen, oder sich in Andachten und Friedensgebeten zu sammeln. 

Am Samstagnachmittag des 9. November begeben sich in Dresden ökumenische Gäste der VELKD-Generalsynode auf den 3 km langen „Friedenspilgerweg“, der zentrale Ereignisse im historischen Gedächtnis Dresdens (Friedliche Revolution, Zerstörung Dresdens, Novemberpogrome) durch Gedenkimpulse mit aktueller Friedens- und Versöhnungsarbeit verbindet. 

In einer Gedenkandacht zum 9. November in Ebersbach/OL. wird um 18:00 Uhr an „denkwürdige Momente in der deutschen Geschichte“ erinnert, so auch an die Pogromnacht 1938. Die Kirchgemeinde Geringswalde bei Leisnig lädt ebenfalls um 18:15 Uhr zu einer Gedenk- und Dankandacht in die Martin-Luther-Kirche ein, die auch die Erinnerung an das November-Pogrom wachhält. Auch in Grimma gibt es zunächst in der Frauenkirche (17:00 Uhr) und dann auf dem Marktplatz (18:00 Uhr) ein Gedenken. 

Zu einem Film mit anschließendem Gespräch wird um 18:00 Uhr in Chemnitz in das Jüdische Gemeindezentrum (Stollberger Str. 28) u.a. durch das Evangelische Forum Chemnitz eingeladen. Bei dem Film "Ein Kaddisch nach einem Lebenden" verarbeitet der Regisseur Karl Fruchtmann (geb. 1916) über zwei Filmfiguren auch eigene Erfahrungen als Überlebender mehrerer Konzentrationslager. Um 19:30 Uhr erklingt in der Frauenkirche in Meißen Klezmer Musik mit dem Ensemble Shoshana.  

Häufig werden die Rückschau und das Gedenken in die Sonntagsgottesdienste einbezogen, zumal am 10. November die Ökumenische FriedensDekade beginnt.
Nach dem Auftakt-Gottesdienst der EKD-Synode in der Dresdner Kreuzkirche zum Thema „Frieden muss noch werden“, der am Sonntag im Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF) live übertragen wird, beginnt um 11:00 Uhr der „Weg der Erinnerung“. Mit dem Fahrrad geht es von der Gedenktafel an der Kreuzkirche auf die Suche nach Spuren jüdischen Lebens in Dresden, welche in diesem Jahr unter dem Thema „Die Vertreibung aus den Kirchen“ steht und verschiedene kirchliche Orte in den Blick nehmen wird. 

Am Sonntagabend um 18:00 Uhr gibt es in der Leipziger Thomaskirche einen Gottesdienst zum Gedenken an den 9. November 1938 mit einer Ansprache der Rabbinerin Antje Yael Deusel (Bamberg). Die musikalische Begleitung übernehmen Ullrich Böhme an der Orgel und der Synagogalchor unter Leitung von Ludwig Böhm. Gemeinsam mit Anja Pöche (Sopran) sowie Ulrich Vogel (Orgelbegleitung) werden sie u.a. die Uraufführung des eigens für den Chor komponierten Stückes über den 92. Psalm „Adonai!Kyrie!Lord!Herr!“ von Aristides Strongylis präsentieren. 
Das Friedensgebet in der Leipziger Nikolaikirche am Montag, 11. November, greift um 17:00 Uhr mit Schülern der Humboldtschule das Gedenken auf. Sie tragen Eindrücke ihrer Fahrt nach Auschwitz vor. Gestaltet ist das Friedensgebet von der Jüdisch-Christlichen Arbeitsgemeinschaft.

In der Dresdner Frauen erklingt am 9. November um 20:00 Uhr in der Unterkirche ein Literaturkonzert über das Leben und den Tod. Ein tief emotionaler Abend verbindet Rezitation und Musik und lässt ein Rilke-Melodram mit der Musik von Viktor Ullmann verschmelzen. Sprecher Christian Brückner verleiht den widerstrebenden Gedanken von jugendlichem Lebenshunger und Todesfürchten Ausdruck; Daniel Heide am Klavier gibt der Komposition Ullmanns Raum. Sie entstand im KZ Theresienstadt; kurz vor Ullmanns Tod in Auschwitz.

Auch in Grimma werden am 9. November die "Stolpersteine" geputzt
Weg der Erinnerung startete auch am Sonntag nach dem Gottesdienst von der Kreuzkirche
Weg der Erinnerung macht am Sonntag Station am Landeskirchenamt in der Lukasstraße

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