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Gemeinsame Erklärung zum Ende des Zweiten Weltkrieges vor 75 Jahren


07. Mai 2020

»Richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.« (Lukasevangelium 1,79)

Am 8. Mai erinnern wir uns an das Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa. Unser Kontinent wurde von der furchtbaren Geißel des Nationalsozialismus befreit. Über 50 Millionen Menschen fanden in diesem von Deutschland ausgegangenen Krieg den Tod.

Seit nunmehr 75 Jahren herrscht in fast allen Teilen Europas Frieden. Das ist zuallererst ein Grund zur Dankbarkeit unserem Gott, aber auch den vielen Menschen gegenüber, die im Kleinen und Großen dazu etwas beigetragen haben. Unsere Nachbarn sind mit ausgestreckten Händen auf uns zugegangen, wie das 1945 undenkbar gewesen wäre.

Die lange Zeit lässt es selbstverständlich scheinen, im Frieden zu leben. Zeitzeugen des Zweiten Weltkrieges und des Holocausts gibt es immer weniger. Letzte Kriegsspuren im Bild unserer Städte und Dörfer verschwinden. Aber die Verantwortung für die Erinnerung bleibt. Dazu dienen Gedenkstätten und Museen, Literatur und bildende Kunst sowie vielfältige kirchliche Initiativen. Sie haben einen Auftrag in der schulischen und außerschulischen Bildung und darüber hinaus. Zugleich werden neue Formen der Vergegenwärtigung vergangenen Leides gebraucht. Die Geschichte zeigt, dass Frieden beständige Erinnerungsarbeit bedeutet.

Der Weg des Friedens führt zu den Ursachen von Kriegen. Sie kommen nicht von ungefähr. Sie sind das Ergebnis von Prozessen, die sehr viel eher beginnen. Verletzende Worte und Benachteiligung von Personengruppen sind erste Anzeichen für den Verlust von Nächstenliebe. Die Fokussierung auf den eigenen Vorteil und Härte gegenüber der Not anderer bahnen den Weg für die Konflikte der Zukunft. Hass, Menschenverachtung, Selbstbezug und unaufgearbeitete Konflikte führen dann zu Gewalt und Krieg.

Im Miteinander aber wächst Frieden. Solidarität und Verantwortung sind elementare Haltungen. Gegenseitiger Respekt und Verständnis ermöglichen Zukunft und Hoffnung. Das gilt für Menschen in Familien und der Nachbarschaft genauso wie für die Gemeinschaft der Bundesländer, der Länder Europas und der Welt. Die gegenwärtige Coronakrise zeigt auch, was auf dem Weg des Friedens möglich ist, wenn Solidarität und nicht nur eigene Ansprüche im Mittelpunkt stehen. Patienten aus besonders betroffenen Ländern werden in Deutschland behandelt. Aus Rücksicht auf besonders Gefährdete werden eigene Wünsche zurückgestellt. Nachbarschaftshilfe ist in den Blick gekommen. So kann auch Europa als Friedensprojekt gestärkt werden. In diesen Tagen wird uns besonders bewusst, dass Europa nicht nur um wirtschaftlicher Vorteile willen verbunden wurde. Ziel war und ist auch die Überwindung des Nationalismus als Quelle für Konflikte und Kriege.

Der Weg des Friedens führt zu den Menschen in anderen Teilen der Welt. Die Bilder und Berichte von den Kriegen in der näheren und weiteren Ferne erreichen uns fast täglich. Unzählige Menschen verlieren noch immer in militärischen Auseinandersetzungen Angehörige und Lebensgrundlagen und werden in die Flucht getrieben. Dazu kommt die wirtschaftliche Not in vielen Ländern, die auch ihre Ursache in den Klimaveränderungen und der ungerechten Verteilung des Wohlstandes auf unserer Welt haben. Zivile Friedens- und Freiwilligendienste, Hilfsprogramme und diplomatische Prävention ermöglichen gewaltfreie Konfliktbearbeitung im Sinne der Leitlinien der Bundesregierung »Krisen verhindern, Konflikte bewältigen, Frieden fördern«.

Der 8. Mai erinnert uns an das Leid des Krieges, ruft zur Dankbarkeit für die 75 Jahre Frieden in unserem Land auf und fordert unseren Einsatz für einen gerechten Frieden in der Welt. Das empfinden wir auch als ein Gebot Gottes. Für uns Christen gehören Handeln und Beten zusammen. Deshalb bitten wir Gott: »Richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.«

Landesbischof Tobias Bilz und Bischof Heinrich Timmerevers 

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