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Gottesdienst zur Verabschiedung


06. Juli 2019

Landesbischof: Wirken des Präsidenten ein Ausdruck von Haltung

DRESDEN – Nach der letzten Kirchenleitungssitzung vor den Sommerferien begann in der Dresdner Dreikönigskirche am gestrigen Abend des  5. Juli der feierliche Gottesdienst zur Verabschiedung des Präsidenten des Ev.-Luth. Landeskirchenamt Sachsens, Dr. Johannes Kimme. Er tritt nach fast zehnjähriger Amtszeit Anfang August 2019 seinen Ruhestand an. Pfarrerin Frauke Fähndrich (Dreikönigskirche) begrüßte die Besucher und Gäste aus nah und fern, Amts- oder Mandatsträger in Kirche, Gesellschaft und Politik sowie die Wegbegleiterinnen, Freunde und Mitglieder der Familie Kimme. Auch der sächsische Landtagspräsident Dr. Matthias Rößler konnte begrüßt werden.

Landesbischof Dr. Rentzing predigte über das Psalmwort „Ich rede von deinen Zeugnissen vor Königen und schäme mich nicht.“ (Ps 119,46). Er erinnerte daran, dass genau an diesem Tag vor den Ferien die Schülerinnen und Schüler ihre Zeugnisse erhalten haben. „Bestimmte Zensuren können wir nicht wegdiskutieren. Wegducken und leugnen bringe nichts“, sagte er. Letztlich sei es eine Frage der Grundhaltung. Eine Haltung, die das ganze menschliche Leben vom Willen Gottes her bestimmen sollte. Daher gelte es Zeugnis abzulegen für diesen Gott.

Das Psalmwort sei auch der Tagesspruch für den 25. Juni gewesen, der Tag, an dem die Augsburger Konfession 1530 dargelegt wurde. Den 119. Psalm habe Martin Luther als das goldene ABC genannt, weil er so kunstvoll gestaltet sei. Der Verfasser habe sich große Mühe gegeben, weil ihm dies wichtig gewesen sei.
Zeugnis für Gott ablegen, zeige auch wichtige Eigenschaften, die den christlichen Glauben prägten: das Ringen um Frieden, Gerechtigkeit, Wahrheit, Nächstenliebe. Für Dr. Rentzing gehöre damals wie heute Mut dazu, für dieses Zeugnis einzustehen.

Für ihn sei auch das neuneinhalbjährige Wirken von Präsident Dr. Kimme ein Ausdruck von Haltung. „Er nahm kein Blatt vor den Mund“, sagte Dr. Rentzing, und würdigte die viereinhalb Jahre der vertrauensvollen Zusammenarbeit.  Er bat Gott um seinen Segen für den weiteren Lebensweg von Dr. Kimme und seiner Familie.

Im Gottesdienst erfolgte die Entpflichtung des Präsidenten durch Landesbischof Dr. Carsten Rentzing: „Im Namen der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens danke ich Ihnen dafür, dass Sie ihre Gaben und Kräfte im Evangelisch-Lutherischen Landeskirchenamt Sachsens eingesetzt haben. Vieles davon steht uns lebendig vor Augen, manches liegt im Verborgenen“, sagte der Landesbischof und sprach ihn frei von allen, mit dem Präsidentenamt verbundenen Aufgaben und Pflichten.
Oberlandeskirchenrat Klaus Schurig verlas die Urkunde.

Danach wurde das Segensgebet gesprochen und Mitglieder und Dr. Kimme wurden die segnenden Hände aufgelegt. Am anschließenden Fürbittgebet beteiligte sich auch Dr. Rößler.
Musikalisch begleitete den Gottesdienst Prof. Martin Strohhäcker, Hochschule für Kirchenmusik Dresden, an der Orgel, und ein Gesangsensemble mit Gertrud Günther und Birte Kulawik (Sopran), Franziska Kimme (Alt), Michael Schaffrath (Tenor) und Marcus Steven (Bass).

Die Grußrunde eröffnete der sächsischen Synodalpräsident Otto Guse. Er erinnerte an die Wahl im Herbst 2009 und würdigte Dr. Kimme als ausgezeichneten Juristen. Auf charmante Weise machte er seine Hochachtung für die Arbeit im Landeskirchenamt deutlich, in der er zwangsläufig auch unangenehme Entscheidungen zu treffen hatte. Diese Rolle sei aber wichtig und notwendig gewesen.

Landtagspräsident Dr. Matthias Rößler beschrieb noch einmal die Stationen des beruflichen Werdegangs und stellte den Wechsel vom Staatsdienst in den kirchlichen Dienst als Ausdruck der gelebten Kooperation zwischen Kirche und Staat heraus. Mit dem Eintritt Dr. Kimmes in den Ruhestand ende sowohl für die Landeskirche als auch für den Freistaat ein Stück Zeitgeschichte.
Der Präsident des Kirchenamtes der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Dr. Hans Ulrich Anke, übermittelte herzliche Grüße aus der Gemeinschaft der Landeskirchen. Er stellte fest, dass auch Kirchenjuristen zur Schönheit der verfassten Kirche beitrügen, indem sie für ein geordnetes Leben in der Kirche Sorge tragen würden. Dr. Kimme würdigte er als einen Kollegen, dem die Verlässlichkeit des kirchlichen und staatlichen Handelns immer ein großes Anliegen war.

Im Anschluss wurden die zum Sommerempfang der Kirchenleitung geladenen Gäste per Bustransfer zum Landeskirchenamt in die Dresdner Südvorstadt gefahren.
Hier dankte Dr. Kimme allen, die die Verabschiedung vorbereitet und begleitet hatten. Er sei immer gerne in Haus gekommen, sagte er im Atrium des Landeskirchenamtes. So schätzte er das Klima im Amt, wo die Mitarbeiterschaft „von der Wiege bis zur Bahre im Blick ist“. Aber alles habe seine Zeit, und jetzt freue er sich auf eine längeren Urlaub. Geplant sei auch für später eine Tour mit einem Wohnmobil quer durch Europa. Zum Schluss wünschte Dr. Kimme dem Nachfolger alles Gute.

Als Nachfolger von Dr. Kimme wurde auf einer Sondertagung der Landessynode am 26. Januar 2019 der Braunschweiger Kirchenjurist, Oberlandeskirchenrat Hans-Peter Vollbach, gewählt, der das Amt Anfang September antreten wird.

Der Präsident hat den Vorsitz im zehnköpfigen Kollegium des Landeskirchenamtes, die Dienstaufsicht über dessen Mitglieder und die Mitarbeiter des Landeskirchenamtes, der Regionalkirchenämter und über die mit Sonderaufgaben Beauftragten.

Er ist Kraft Amt Mitglied der Kirchenleitung und Chef der sächsischen Kirchenverwaltung und vertritt die Landeskirche rechtlich nach außen. Der Präsident wird für eine Amtsdauer von zwölf Jahren gewählt. Er vertritt mit dem Landesbischof die Landeskirche in der Kirchenkonferenz der EKD.

Der jetzt aus dem Amt scheidende Präsident Dr. Kimme wurde 2009 durch die Landessynode mit Zwei-Drittel-Mehrheit als Nachfolger von Präsident Hans-Dieter Hofmann gewählt. Davor war er Vizepräsident der Landesdirektion Leipzig (ehemals Regierungspräsidium).

Am 17. Dezember 1953 als Kind des Leipziger Pfarrers und Direktors des dortigen Evangelisch-Lutherischen Missionswerks, August Kimme, geboren, wurde Johannes Kimme nach seiner Facharbeiterlehre für Datenverarbeitung Programmierer im Leipziger VEB Energiekombinat West, bevor er 1975 in die Bundesrepublik übersiedelte.

Nach Erlangung der Hochschulreife in Mainz studierte er Rechtswissenschaften an der dortigen Johannes-Gutenberg Universität (1977-1982) mit der Spezialisierung auf Völker- und Europarecht. Nach der Ersten juristischen Staatsprüfung  schloss sich das dreijährige Referendariat in Mainz und Bonn an, das er mit der zweiten Staatsprüfung 1986 abschloss. Anschließend arbeitete Kimme als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Mainz (1984-1988).

1987 promovierte er über die repräsentative Demokratie. Danach begann er als Richter am Verwaltungsgericht Wiesbaden. Dr. Kimme  wirkte im Jahre 1990 in Bonn an der Erstellung des Einigungsvertrags mit, bevor er im Dezember 1990 seinen Dienst in Sachsen als Präsident des Landesamtes zur Regelung offener Vermögensfragen begann und bis 2008 ausübte.

Segensgebet des Landesbischofs
Predigt des Landesbischofs vor der Festgemeinde
Entpflichtung des Präsidenten
Gesangsensemble im Chorraum (Foto: EVLKS)
Heinrich Schütz: "Verleih uns Frieden"
Liturgen am Ende des Gottesdienstes
Sommerempfang im Großen Saal
Nach der Wahl im November 2009 (v.l.n.r.) Präsident Hans-Dieter Hofmann, Landesbischof Jochen Bohl, Synodalpräsident Otto Guse, Dr. Johannes Kimme)
(oben l.) Besuch im Gottesdienst Dom Meißen, Landessynode, Eröffnung Tansania Ausstellung im LKA; (unten) Betriebsausflug 2019)

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