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Grundsteinlegung für Landeskirchenarchiv


05. Juli 2019

Die Planer machen jetzt den Bauleuten Platz

DRESDEN – Im Gewerbegebiet in Dresden-Coschütz/Gittersee (Stuttgarter Straße 16) wurde am 4. Juli der Grundstein für den Neubau des Landeskirchlichen Archivs gelegt. Das Grundstück wurde vor zwei Jahren von der Landeshauptstadt Dresden erworben. Nach einem interdisziplinären Realisierungswettbewerb konnte mit den Architekten und den Fachplanern die erste Leistungsphase begonnen und abgeschlossen werden, was im Herbst letzten Jahres zur Einreichung des Bauantrags führte.

Der zugrunde liegende Entwurf des Gebäudes stammt von dem Architekturbüro O+M Architekten aus Dresden, das seitdem das Vorhaben intensiv betreut. Die Einweihung des Landeskirchlichen Archivs ist für Frühjahr 2021 geplant.
Das Landeskirchliche Archiv wird auf der Grundlage eines Beschlusses der Landessynode vom 13. November 2016 für die Unterbringung von zehn laufende Kilometer Archivgut errichtet.

Es ist insbesondere für die Archivbestände des bisherigen Landeskirchenarchivs im Landeskirchenamt, von Ephoralarchiven sowie von Kirchgemeinden gedacht, die keine geeigneten Bedingungen für eine fachgerechte Unterbringung vor Ort aufweisen können. Neben der Aufbewahrung soll eine bessere Benutzbarkeit der Bestände gewährleistet werden.

Der Präsident des Landeskirchenamtes, Dr. Johannes Kimme, begrüßte die Festgäste zur Grundsteinlegung und dankte allen Planern, Bauleuten, aber auch den im Landeskirchenamt mit dem Bau des Landeskirchenarchivs beauftragten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die bisherige Arbeit. Er zeigte sich beeindruckt von der Zeitleiste und dem Statusbericht über die Ausschreibung, die Wahl des 1. Preisträgers und die kurze Zeit vom Bauantrag zur Baubewilligung Ende Januar dieses Jahres, bis hin zum „ambitionierten Plan“, mit allen Bauabschnitten bis Frühjahr 2021 fertig zu sein.

Ihn habe das Projekt eines zentralen Kirchenarchivs seit mehr als neun Jahren begleitet. Die anfängliche Skepsis gegenüber diesem Bau sei angesichts der Strukturreform mehr und mehr gewichen, als klar wurde, dass so manches Kirchgemeinde-Archiv von den Räumlichkeiten, aber auch der Ressourcen wegen, nicht ordentlich untergebracht und betreut werden könne. „Die Bereitschaft wurde stärker, Gemeindearchive als Depositum abzugeben. Bereits gemachte Erfahrungen aus den Nachbarkirchen bestätigten die Sinnhaftigkeit des Vorhabens. Er wünschte, dass der Bau unfallfrei, optimistisch und kostengünstig weitergehe.

Für die Leiterin des Landeskirchenarchiv, Kristin Schubert, ist die Grundsteinlegung ein wichtiger Meilenstein für eine Baumaßnahme. Hier entstehe ein Ort der fachgerechten Unterbringung dank des Architektenbüros ‚O+M Architekten‘ aus Dresden. Das Archiv sei eine „Schatzkiste“, aber auch ein „Fundament“ für die Bewahrung der Geschichte. Sie sei immer hinsichtlich ihrer Erfahrungen in die Planung einbezogen worden, gerade wegen der besonderen Ansprüche an Traglasten, Standfestigkeit, Sicherheit und Klima.

Die bei einer Grundsteinlegung zu füllende Zeitkapsel werde auch hier zeittypische Dinge und Dokumente enthalten, sagte sie und sie zeigte beispielsweise den Beschluss der Landessynode vom 13. November 2016, die Zusammenstellung aller derzeitigen Bestände in Listenform und auf Stick sowie Fotos vom bisherigen Archivstandort und eine Filmrolle des ältesten sächsischen Kirchenbuchs von St. Marien in Zwickau (1522-1581). Neben Tageszeitungen und Münzen war auch die druckfrische Wochenzeitung DER SONNTAG mit dem Ausgabedatum vom 7. Juli 2019 mit dabei bzw. anschließend unter Beton.

Architekt Carsten Otto stand vor anderthalb Jahren zum ersten Mal auf dem zukünftigen Standort des Archivs und das Team diskutierte vor dem Architektenwettbewerb den scheinbaren Widerspruch zwischen Kirche, Kulturgut und Langlebigkeit auf der einen Seite und einem Gewerbegebiet andererseits, das eher von Beliebigkeit, Schnelligkeit, Verkehr und Lärm geprägt sei. Bei näherer Betrachtung sei aber die Lage des Grundstücks am Übergang zum Landschaftsraum bestimmend gewesen. Von der Straße zurückgesetzt, wurde eine räumliche Distanz als Zone der Entschleunigung und des Ankommens konzipiert. Das Anliegen der Bewahrung von Kulturgütern und die Erhaltung für die „Ewigkeit“ sollte bestimmend sein.

„Dem Thema des Schützens und Bewahrens folgend, haben wir das Gebäude daher eher als schweren, massiven steinartigen Baukörper konzipiert, der Beständigkeit und Dauerhaftigkeit ausstrahlt und gewährleistet“, sagte der Architekt. So gebe es nur wenige Öffnungen in der Ziegelfassade mit der tief eingeschnittenen Öffnung des Haupteingangs. Die öffentlich zugänglichen Räume wie Foyer, Vortragssaal und Lesesaal zeigten sich trotzdem hell, freundlich, wertig und zurückhaltend. Der landschaftsseitig orientierte Lesesaal öffne sich mit attraktiven Blickmöglichkeiten. „Mit der heute gefeierten Grundsteinlegung ist jetzt der Moment gekommen, dass wir Planer einen Schritt zurücktreten und den Bauleuten Platz machen müssen. Das geplante wird nun Realität“, so Architekt Otto abschließend.

Landeskirchenarchiv

(v.l.n.r.) Kristin Schubert, Präsident Dr. Kimme, Architekt Carsten Otto, Baureferentin Katrin Tauber
Bläserchor (oben) sorgte für abwechslungsreiche musikalische Begleitung
Kristin Schubert erläutert Gegenwartszeugnisse
Präsident Dr. Kimme (l.) und Architekt Otto

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