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Inklusion: Zertifizierte Praxisbausteine


11. März 2021

Ziel der Qualifizierung ist die Integration in den ersten Arbeitsmarkt

LEIPZIG - Menschen mit Behinderungen, die eine Berufsausbildung nicht absolvieren können, erhalten bislang keinen anerkannten Ausbildungsabschluss und sind im Deutschen Qualifikationsrahmen nicht berücksichtigt. Von 2014 an entwickelte die Diakonie Sachsen deshalb das modulare Ausbildungsangebot PRAXISBAUSTEIN. Dabei lag die Projektleitung in den Jahren von 2014 bis 2016 in Leipzig bei der Diakonie am Thonberg.

Für elf Berufsfelder wurden 84 Praxisbausteine erarbeitet und von der Handwerkskammer / Industrie und Handelskammer geprüft und anerkannt. Weitere Praxisbausteine für die Gala-Berufe werden durch das Sächsische Landesamt für Umwelt / Landwirtschaft / Geologie noch geprüft. Die Umsetzung von PRAXISBAUSTEIN erfolgt jetzt in Zusammenarbeit der Liga der freien Wohlfahrtspflege und der LAG WfbM Sachsen.

Aktuell führen 33 der 61 Werkstätten für behinderte Menschen in Sachsen die berufliche Bildung im Rahmen von PRAXISBAUSTEIN durch. Dabei werden fachtheoretisches Wissen und berufspraktische Fertigkeiten vermittelt. Seit 2017 ist die Diakonie am Thonberg durch die International Certification Group dafür geprüft und zugelassen. Folgende Praxisfelder werden angeboten: Bürodienstleistungen / Holzbearbeitung / Küche + Service / Lager + Logistik + Verpackung / Mediengestaltung / Metallbearbeitung / Gebäudereinigung / Wäscherei.

2019 überreichte die sächsischen Sozialministerin Barbara Klepsch in Leipzig den ersten drei Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Diakonie am Thonberg die Zertifikate der Kammern für die absolvierten Leistungsfeststellungen. Absolventinnen und Absolventen haben mit PRAXISBAUSTEIN gute Chancen auf einen geeigneten Arbeitsplatz in der Werkstatt oder im allgemeinen Arbeitsmarkt. Auftrag- bzw. Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen erhalten konkrete Angaben zur individuellen Leistungsfähigkeit.

Seit 11. Januar 2021 absolvieren zum Beispiel Nicki Liermann, Natalie Grotherr und Maureen Carcione ihren PRAXISBAUSTEIN im Praxisfeld „Küche/Service“ in der Backstube der WENDL GmbH Bäckerei & Konditorei. Teilnehmerin Natalie Grotherr ist sehr stolz und froh über diese Chance: „Ich finde es dort gut, ich mag die abwechselnden Tätigkeiten, dass man immer etwas Neues lernt. Ich möchte selbst meine Grenzen herausfinden und schauen was ich kann und nicht. In der ersten Woche habe ich gedacht, dass schaffe ich niemals. Jetzt bin ich stolz, dass ich das kann. Ich habe mehr Kraft bekommen und schon verschiedene Techniken erlernt, wie es einfacher geht. Wie man die Bleche richtig trägt, verschiedene Geräte bedient. Ich erzähle zuhause immer was ich gemacht habe und kann dies auch zeigen. Wir gehen am Wochenende immer in eine Wendl- Filiale und dann zeige ich: das haben wir gemacht.“

Bereits im November 2020 haben die drei Teilnehmerinnen aus der Diakonie am Thonberg bei WENDL ein Orientierungspraktikum absolviert. Sie haben beispielsweise bei der Herstellung und Verpackung der Weihnachtsprodukte mitgewirkt oder auch Konfitüren hergestellt. Nach dem erfolgreich absolvierten Praktikum ist die Idee einer dualen Qualifizierung mit PRAXISBAUSTEIN zwischen der WENDL Bäckerei und der Diakonie am Thonberg entstanden. Ziel der zweijährigen Qualifizierung ist die Integration in den ersten Arbeitsmarkt. Die Vermittlung von theoretischen und weiteren fachpraktischen Inhalten findet in der Diakonie am Thonberg statt.

Die Kooperation zwischen WENDL und der Diakonie am Thonberg und die damit verbundene duale Qualifizierung mit PRAXISBAUSTEIN ist ein großer Schritt in Richtung Inklusion und Teilhabe von Menschen mit Behinderung am Arbeitsleben.

Zertifizierte Praxisbausteine überreicht

Nicki Sophie Liermann und Natalie Grotherr in der Backstube

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