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Kirche als Zentrum


20. Mai 2020

Multifunktional und attraktiv die Gemeinschaft im Alltag begleiten

In wärmer werdenden Corona-Zeiten fällt der Wechsel vom „Winterquartier“ in große Kirchen leichter, zumal für Gottesdienste Raum mit genügendem Mindestabstand zwischen den Besuchern zur Verfügung steht. Zu Christi Himmelfahrt stellt sich die Raumfrage generell anders, denn vielfach kommt die Gemeinde in Pfarrgärten oder an vertrauten Versammlungsplätzen auf Waldlichtungen oder Hügelplateaus zusammen. In überschaubaren Rahmen wird dies auch unter den derzeit besonderen Bedingungen am 21. Mai sowie zum Pfingstfest 31.Mai/1. Juni so sein. Allerdings werden auch regionale Open-Air-Gottesdienste abgesagt, wenn sie erfahrungsgemäß an eine derzeit nicht organisierbare Großveranstaltung heranreichen. Hier fangen die Kirchen mit zum Teil mehreren knapp gehaltenen Gottesdiensten die Besucher auf und laden in ihre Kirchen ein.

Die große Kirche in der Kleinstadt multifunktional

Im mittelsächsischen Hainichen steht zwar eine große Kirche, aber man wird sich zu Christi Himmelfahrt in einem Freiluftgottesdienst in Bockendorf mit anderen Gemeindeteilen treffen und zusammen feiern. Die Trinitatiskirche in Hainichen ersetzte vor 100 Jahren eine ältere kleine Kirche. Mit ursprünglich 2.000 Sitzplätzen, wurde der hintere Bereich unter der Orgelempore für Ausstellungen und für andere Aktivitäten freigeräumt, aber es stehen derzeit von den 1.600 Plätzen im imposanten Kircheninneren coronabedingt immerhin bis zu 120 Plätze für Gottesdienstbesucher zur Verfügung. Die Trinitatiskirche ist ein Zentralbau aus Backstein mit dem Grundriss eines griechischen Kreuzes mit einer Nordsüdausdehnung von 33 Metern und  Ostwestausdehnung von 34 Metern.

Die Größe, aber auch die bauliche Gestalt brachte die Kirchgemeinde auf die Idee, mehr aus dem sanierten und restaurierten Kirchenraum zu machen. Anlass dazu gab für die jetzt vereinigte Kirchgemeinde Hainichen-Bockendorf-Langenstriegis mit ihren zahlreichen Gebäuden und Liegenschaften das sanierungsbedürftige Diakonat - eines der Pfarrhäuser - in Hainichen. Der Sanierungsstau des Hauses mit den Gemeinderäumen beziffere sich mittlerweile auf mindestens 400.000 Euro, ohne Aussicht auf Barrierefreiheit, sagt Pfarrerin Diemut Scherzer. Worauf solle man sich nun zukunftsweisend konzentrieren? Da die Kirche bleibe, sei ein Projekt in Erwägung gezogen,  Gemeinderäume unter die ausladenden Seitenemporen der Kirche zu integrieren und das Diakonatsgebäude zu veräußern. Gebraucht würden ein Probenraum für den Chor und ein Mehrzweckraum mit ca. 50 Sitzplätzen mit Küchentrakt, formuliert die Ortspfarrerin die Bedürfnisse der Gemeinde.

Diese Vorstellung floss in einen Ideenwettbewerb ein, der gerade abgeschlossen wurde. Der Kirchenvorstand wird sich nun mit einem Entwurf vertieft beschäftigen und ausloten lassen, wie sich das Unternehmen finanziell und baulich umsetzen lässt. Das Pfarrerehepaar Scherzer habe sich bereits im Vorfeld der Planung von vergleichbaren Projekten in Schweden inspirieren lassen. Auch in England gebe es Beispiele. Wenn das Vorhaben umgesetzt wird, dann dürfte die Kirche über Gottesdienste, Konzerte und besondere Veranstaltungen hinaus, Anlaufpunkt im Alltag für diverse Gruppen und Kreise sein, die das integrative Raumkonzept nutzen werden. Hainichen ist ein typisches Beispiel für sächsische Kleinstädte, die jahrzehntelang einen Bevölkerungsrückgang zu verzeichnen hatten. Die Kirchen sind als Bauwerke des Bevölkerungswachstums während der Industrialisierung geblieben.

Die Kirche in unserem Dorf

Nicht nur in Klein- und Mittelstädten, sondern auch der ländliche Raum steht ebenso in einem Transformationsprozess. „Diese Entwicklung macht auch vor Dorfkirchen nicht halt, die in vielen kleinen Gemeinden das Ortsbild prägen. Sie sind wichtige Symbole für ein gemeinsames Erbe, zugleich aber auch Gebäude und Orte, an denen der gesellschaftliche Wandel und seine Auswirkungen deutlich erkennbar werden,“ heißt es in einer Broschüre der Wüstenrot Stiftung. Die Publikation „Land und Leute – Die Kirche in unserem Dorf“ stellt Preisträger und Projekte der engeren Wahl vor, die an einem Wettbewerb teilnahmen. In einer öffentlichen Preisverleihung im Rahmen des 29. Evangelischen Kirchbautages 2019 in Erfurt erhielt auch die evangelische Kirche in Sora der St.-Bartholomäus-Kirchgemeinde Röhrsdorf (Gemeinde Klipphausen) bei Meißen eine Auszeichnung.

Die 1168 erstmals urkundlich erwähnte und im 18. Jahrhundert um einen massiven Turm erweiterte Kirche wird schrittweise restauriert und mit ergänzenden Funktionen versehen. Ziel war es, in der Kirche einen multifunktional nutzbaren Raum zu schaffen, der ebenerdig und barrierearm zugänglich ist. Er soll auch für weltliche Veranstaltungen wie Konzerte, Versammlungen und Ausstellungen genutzt werden. Der Umbau erfolgte unter aktiver und breiter Beteiligung der Bevölkerung; finanzielle Unterstützung gab es sowohl von der politischen Gemeinde als auch von der Landeskirche, die das Vorhaben als Modellprojekt anerkannt hat. Die Einweihung soll zum 250. Kirchweihjubiläum des jetzigen Nachfolgebaus am 15. November erfolgen. Aus dem damaligen Barock ist nur noch eine Taube als Symbol des Heiligen Geistes erhalten.

Das Soraer Vorhaben, das einzige aus Sachsen, kam auf den zweiten Platz. „Darüber freuen wir uns sehr. Es ist eine hohe Anerkennung für die Kirchgemeinde, für das Dorf Sora und die Gemeinde Klipphausen“, sagt Pfarrer Christoph Rechenberg. Denn in ganz Deutschland wird jetzt das Soraer Vorhaben bekanntgemacht und anderen zur Nachahmung empfohlen.
Zunächst wurde die Empore in der Kirche um etwa vier Meter in das Kirchenschiff verlängert. Der Vorteil ist zweifach: Einmal entstand mehr Platz auf der Empore, etwa 40 Stühle lassen sich dort künftig stellen. Nicht nur Posaunenbläser und Kirchenchor werden davon profitieren. Zum Beispiel könnten dort auch Orgelkonzerte stattfinden, bei denen die Besucher rings um den Organisten sitzen und so einen guten Einblick haben.

Doch das Wichtigste ist der neue separate multifunktionale Raum für 50 bis 60 Leute unterhalb der Empore. Er wird beheizt und mit einer Glasfaltwand zum Kirchenschiff abgegrenzt sein, die bei größeren Veranstaltungen geöffnet werden kann. Vorgesehen ist der Raum für Zwecke der Kirchgemeinde - für Christenlehre, Chor- und Posaunenprobe, Gottesdienste im Winter, Versammlungen und anderes. Zugleich eröffnet der multifunktionale Raum noch ganz andere Möglichkeiten für das Dorf mit seinen über 200 Einwohnern: Ein Ort für Konzerte, Ausstellungen, Gesprächsabende, Feiern und Hochzeiten. Zudem will die Evangelische Oberschule Klipphausen dort Projektunterricht mit den Schülern machen.
Zu Christi Himmelfahrt am 21. Mai trifft sich die Gemeinde um 9:30 Uhr zu einer Andacht in der Lehmannmühle in Klipphausen, eine der vielen Mühlen im Triebischtal.

Ausstellung der Wüstenrot Stiftung derzeit in Dresden

Seit letzter Woche ist im Zentrum für Baukultur (Kulturpalast Dresden) die Ausstellung „Kirchgebäude und ihre Zukunft“ der Wüstenrot Stiftung in Zusammenarbeit mit der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens noch bis Monatsende zu sehen. Die Ergebnisse des Wettbewerbs „Kirchengebäude und ihre Zukunft“ der Wüstenrot Stiftung machen deutlich, dass es andere, bessere Alternativen als die Schließung und den Abbruch von Kirchengebäuden geben kann. Die Ausstellung möchte die gesammelten herausragenden Ideen und Strategien einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen.

Die von einem Park umgebende Trinitatiskirche und ihr imposanter Innenraum
Empore mit der größten zweimanualigen pneumatischen Orgel der Firma Sauer
Die eine Seite mit dem Raum unter der Empore soll ausgebaut werden
Kirche von Sora außen und innen

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