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Kunstprojekt „Lichtkreuze“ startet in Bautzen


07. März 2019

Begleitprogramm bis Pfingsten mit über 80 Veranstaltungen

BAUTZEN – Mit einem Ökumenischen Abendgottesdienst am 6. März haben Landesbischof Dr. Carsten Rentzing und Bischof Heinrich Timmerevers im St. Petri-Dom in Bautzen das Kunstprojekt „Licht bewegt“ eröffnet. Die beiden Bischöfe haben für das umfangreiche Programm von Aschermittwoch bis Pfingstsonntag (9. Juni) gemeinsam die Schirmherrschaft übernommen. Das Kunstprojekt geht auf den Künstler Ludger Hinse (70) zurück. An 13 wichtigen Orten der Stadt und dem näheren Umland werden dann Lichtkreuze und andere Arbeiten des Recklinghausener Künstlers zu sehen sein.

Im Bautzner Dom, der von beiden Konfessionen über viele Generationen friedlich und gemeinsam als Simultankirche genutzt wird, ist ein Symbol für das Zusammenleben von Kulturen und Konfessionen in der Oberlausitz. So ging die Realisierung des Projektes auf die gemeinsame Initiative der katholischen und der evangelischen Gemeinden des ökumenisch genutzten St. Petri-Doms zurück. „Wir stellen uns in unserem gemeinsamen Dom unters Kreuz“, sagte Bischof Timmerevers zur Begrüßung zu Beginn des Gottesdienstes. Von hier aus gehe es auf den Weg in die österliche Bußzeit in der Gewissheit, dass der Mensch gehalten sei in Gottes grenzenloser Liebe durch Christus. Unsere Einheit führe die Welt zum Licht und zum Kreuz, so der Bischof.   

Für Landesbischof Dr. Rentzing könnte der Kontrast zwischen der gestrigen Ausgelassenheit und der heutigen Schwere nicht größer sein. Dies scheinen auch die Lesungen zum Frühjahrsbußtag zu bestätigen, sagte er in seiner Predigt. Tatsächlich sei der Charakter ehrlicher Buße ein Ausdruck christlichen Ernstes mit der Erfahrung von Schuld und Vergebung. Aus seinem persönlichen Erleben wisse er aber auch vom Gefühl der Entlastung nach dem Schuldeingeständnis durch Beichte und Loslösung. Mit dieser Erleichterung werde die Beschwernis genommen.

Auch heute wisse man von Schuld. Allerdings habe Dr. Rentzing den Eindruck, dass die Schuld nicht bei sich selbst gesucht werde. Vielmehr werde die Schuldfrage nach außen gelenkt. Schuld hätten die da oben, oder, die Migranten hätten Schuld. „Je mehr aber die Schuldfrage nach außen abgewälzt wird, desto größer der Schaden und das Unheil in unserer Gesellschaft“, warnte der Landesbischof. Umso wichtiger seien die Schuldannahme und die Freisprechung.

Im Anschluss an die Feier mit der Spendung des Aschekreuzes im katholischen Teil des Doms ging die Gemeinde in den evangelischen Teil und versammelte sich um den Altar. Hier hielt auch der Künstler Ludger Hinse in einer Meditation ein Gebet zum Kreuz. Durch die Liturgie des Gottesdienstes führten Dompfarrer Veit Scapan (kath.) und Pfarrer Christian Tiede (ev.) und für die musikalische Begleitung sorgten der Katholische Domchor unter Leitung von Kirchenmusikdirektor Friedemann Böhme und Kirchenmusikdirektor Michael Vetter an der Orgel im evangelischen Teil.

Bis Ostern stehen nahezu täglich Veranstaltungen auf dem Begleitprogramm, von Führungen, Vorträgen, einer Werkstatt für Kinder, Friedensgebeten oder Geistlicher Musik bis hin zu Seminaren oder Theateraufführungen. An zahlreichen Terminen wirkt der Künstler persönlich mit. Auch nach Ostern geht das Programm mit verschiedenen Angeboten bis zum ökumenisch begangenen Abschlussgottesdienst am Pfingstsonntag weiter. Veranstaltungsorte der Reihe werden dabei auch die Trauerhalle eines Bestattungsunternehmens, eine Werkhalle und das Klarissenkloster in Bautzen sein.

Bereits vor Monaten hatte Dompfarrer Veit Scapan für die Vorbereitungsgruppe den Kontakt zu Hinse aufgenommen, in dessen Werken die Themen „Kreuz“, „Licht“ und „Farben“ eine zentrale Rolle spielen. Dompfarrer Scapan: „Hatten wir zunächst über einen Einkehrtag für die Pfarrei nachgedacht, wurde im Gespräch mit Ludger Hinse schnell klar: wir machen mehr zusammen.“ So entwickelte sich ein Projekt, über das die Gemeinde auch mit den Einwohnern der Stadt ins Gespräch kommen möchte, so Scapan. Dafür biete das Kunstprojekt vielerlei Anknüpfungspunkte.

Ludger Hinse berichtet, dass er bereits bei seinem ersten Besuch in Bautzen vor rund 15 Jahren vom St. Petri-Dom der Stadt begeistert war. Mit rund 40 seiner Werke wird er nun in der Stadt präsent sein. "Im Dom sind beispielsweise meine Werke 'Labyrinth des Lebens und des Todes', 'Das Buch der Bücher' und 'Menschenkreuze' zu sehen", so Hinse.

Für Pfarrer Dr. Kay Weißflog von der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde St. Petri in Bautzen hat die Ausstellung noch einen weiteren Pluspunkt. "Gerade in dieser Zeit, in der Bautzen heftige Schlagzeilen macht, ist es wichtig, noch einmal neue Perspektiven zu eröffnen. Und diese wunderbaren Kreuze, diese Gebilde aus Licht und warmen, freundlichen Farben, bringen die Ambivalenz dieses Symbols zusammen."

Der Künstler und das Kreuz

Seit 1988 hat Ludger Hinse zahlreiche nationale und internationale Ausstellungen gestaltet. Der gebürtige Recklinghausener lebt und arbeitet in seiner Heimatstadt. Zur künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Kreuz kam er während eines Aufenthalts in Chile. Hier hörte er Berichte, wie Mütter mit den Fotos ihrer verschwundenen Söhne und Töchter gegen die damalige Militärdiktatur demonstrierten. An der Spitze ihrer Protestzüge trugen die Mütter einige Holzkreuze. „Und diese einfachen Kreuze hatten die Militärjunta, die geballte Macht des Staates, davon abgehalten, gegen die suchenden Mütter vorzugehen.“ Ein Erlebnis, das auf Hinse tief beeindruckte.

Über hundert Kreuze hat der Künstler daraufhin geschaffen und an 60 Orten in ganz Europa aufgestellt, darunter in der Berliner St. Hedwigskathedrale. Das Kreuz ist für ihn nicht Zeichen des Todes, sondern des Lichtes und der Auferstehung. "In der Romanik wurde das Kreuz ja noch als Segenszeichen betont. Erst mit der Gotik wandelte sich die Bedeutung zu einem Leidenszeichen", betont Hinse.

Eine Programm-Übersicht unter LICHTbewegt

Spendung des Aschekreuzes im Altarraum
Sammlung am Altar und Segen
Vorstellung des "Sorbischen Kreuzes" durch Ludger Hinse

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