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Missionare halfen Sprache zu retten


22. Februar 2021

Missionsfund in Leipzig wird australisches Weltkulturerbe

LEIPZIG – Kinderbriefe der australischen Aborigines werden am 26. Februar in das australische Weltkulturerbe-Register eingetragen. An der Zeremonie, die um 5:00 Uhr deutscher Zeit stattfindet, nimmt auch Missionsdirektor Ravinder Salooja teil.

1840 erreichten von Aborigine-Kindern geschriebene Briefe die Dresdner Missionsgesellschaft. Die ersten Missionare der Dresdner, später Leipziger Mission, waren 1838 nach Adelaide in die kurz zuvor gegründete Siedlerkolonie Süd-Australien entsandt worden. Nach ihrer Ankunft gründeten sie in Pirtlawodli am Stadtrand von Adelaide eine Schule für die Kinder der Kaurna-Gemeinschaft. Schülerinnen und Schüler dieser Schule hatten die Briefe (begleitet von Übersetzungen der Missionare) an die Missionsleitung nach Leipzig geschickt. Diese hatten sie in ihr Archiv gegeben.

Am 26. Februar 2021 werden diese Kaurna-Kinderbriefe nun in das australische Weltkulturerbe-Register eingetragen. Sie sind das einzige Archivdokument in der Kaurna-Sprache aus dem 19. Jahrhundert. An der Zeremonie, die um 5:00 Uhr deutscher Zeit stattfindet, nimmt auch der Direktor des Leipziger Missionswerkes Ravinder Salooja teil.

2014 waren die Briefe von Asien/Pazifik-Referent Hans-Georg Tannhäuser und Geschäftsführer Martin Habelt der Kaurna-Gemeinschaft als Dauerleihgabe zurückgegeben worden. Sie werden in der Bibliothek der Universität von Adelaide professionell aufbewahrt.

Cheryl Hoskin, Leiterin der Sondergutsammlung, initiierte im vergangenen Jahr die Registrierung der Kaurna-Kinderbriefe im Rahmen des „UNESCO Australian Memory of the World“-Register.

„Es ist wunderbar zu sehen“, so Direktor Ravinder Salooja, „wie die Mission Früchte trägt: Früchte, die nichts damit zu tun haben, dass Menschen Christen werden, sondern die den Menschen Leben schenkt. Das ist doch das, worum es bei Mission geht.“

In der historischen Geschichtsschreibung galt das Vorhaben als gescheitert: Der englische Gouverneur hatte der Schule seine finanzielle Unterstützung entzogen. Die Kaurna-Gemeinschaft wurde vertrieben und in die Unsichtbarkeit verdrängt. Einen Bekehrungserfolg konnten die Missionare auch nicht nachweisen. So wurde die Australien-Mission eingestellt.

175 Jahre später wurden die Früchte sichtbar: Mit Hilfe der von den Missionaren geführten Vokabellisten sowie Aussprache- und Grammatikbeschreibungen war es Sprachwissenschaftlerinnen und Sprachwissenschaftlern der Universität Adelaide gelungen, die zwischenzeitlich als verloren gegangen geltende Sprache wieder zu beleben. Heute ist Kaurna eine Sprache, die von einigen Aborigines der Kaurna wieder gesprochen wird.

175. Jubiläum der sächsischen Missionsgesellschaft im August 2011

Vor zehn Jahren wurde in einer Abendveranstaltung zum 175. Missionsjubiläum in Dresden auch das Wirken der ersten von Dresden ausgesendeten Missionare nach Australien vorgestellt. 1838 reisten Christian Gottlob Teichelmann und Clamor Wilhelm Schürmann aus, zwei Jahre später August Eduard Meyer und Samuel Gottlieb Klose.

Als Vertreter der Lutherischen Kirche Australiens richtete Dr. Greg Lockwood Grüße und Glückwünsche aus. Als direkter Nachkomme von Missionar Clamor Schürmann betonte er, dass die Arbeit der sogenannten Dresdner 4, kurz D4, keineswegs ein Misserfolg war, wie es in manchen Geschichtsbüchern geschrieben steht. Die Arbeit der Lutherischen Kirche in Australien geht maßgeblich auf sie zurück.

Diese vier Missionare lebten, lehrten und lernten mit den Aborigines 15 Jahre gemeinsam in der Gegend um Adelaide in Südaustralien. Bereits 1846 wurde die Mission eingestellt, da die ursprüngliche Bevölkerung von der englischen Kolonialmacht immer weiter zurückgedrängt wurde und keine „Missionserfolge“ zu verzeichnen waren.

Woran in dieser Veranstaltung vor zehn Jahren zum ersten Mal öffentlich erinnert wurde, waren Wörterbücher verschiedener einheimischer Sprachen durch die Missionare sowie Alltagsgegenstände, die durch sie gesammelt und beschrieben wurden. Damit hätten sie einen äußerst bedeutsamen Beitrag zur Erhaltung der Kultur geliefert.

Wie engagiert die „Dresdener 4“ sich um das Erlernen der Sprache der Aborigines bemüht haben und welche nachhaltigen Erfolge dieses Bemühen bis in die Gegenwart hinein hat, davon berichteten der Linguist Dr. Robert Amery und die Vertreterinnen zweier Aborigines-Gemeinschaften Dr. Alitya Rigney (Kaurna) und Verna Koolmatrie (Ngarrindjeri).

Leipziger Missionswerk

Kaurna-Kinderbrief vor über 180 Jahren geschrieben
Der australische Linguist Dr. Robert Amery referierte über die Sprachforschung
Vertreterinnen zweier Aborigines-Gemeinschaften Dr. Alitya Rigney (Kaurna), Verna Koolmatrie (Ngarrindjeri) und Dr. Greg Lockwood (r.)

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