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Ökumenische Bahnhofsmission in Dresden eröffnet


23. August 2019

Ökumenische Bahnhofsmission in Dresden eröffnet

DRESDEN - Nach mehreren Anläufen, zahlreichen Gesprächen und jahrelanger Vorarbeit konnte Mitte Juli in Dresden wieder eine Bahnhofsmission öffnen. Die mietfrei zur Verfügung gestellten Räumlichkeiten am Dresdner Hauptbahnhof befinden sich auf der Südseite der Bayrischen Straße. Heute wurde diese mit namhaften Gästen offiziell eröffnet. Die Diakonie-Stadtmission als Träger der Bahnhofsmission und Organisator für Personal und Konzept hatte dazu eingeladen. Die ökumenische Bahnhofsmission ist ein  Gemeinschaftsprojekt von Deutscher Bahn, Landeshauptstadt Dresden, Diakonie, Caritas sowie evangelischen und katholischen Kirchgemeinden in Dresden. 

Nach musikalischer Einstimmung durch eine Bläsergruppe begrüßte Thomas Siesazeck vom Vorstand Diakonisches Werk – Stadtmission Dresden e.V.  die Besucher und Gäste in der Kuppelhalle des Hauptbahnhofs. Er verwies auf die lange Tradition des Begriffs der Bahnhofsmission und übersetze ihn mit „geschickt sein und unterwegs zu anderen Menschen sein“. Genau dies würde nun unter modernen und neuen Bedingungen passieren.

Oberbürgermeister Dirk Hilbert, der maßgeblich an den Gesprächen zum Wiederaufbau einer Bahnhofsmission beteiligt war, freute sich, dass das freundliche Gesicht des Dresdner Hauptbahnhofs mit dem heutigen Tag noch freundlicher würde.

Der Leiter des Bahnhofsmanagements Dresden Heiko Klaffenbach wünschte der Leiterin Elvira Ploß und ihren aktuell 32 ehrenamtlichen Mitarbeitern viel Kraft für ihre Arbeit. 

Klaus Dieter Kottnik verwies als Vertreter der Kirchlichen Bahnhofsmission Deutschland auf das diesjährige 125. Jubiläum deutscher Bahnhofsmissionen, in denen heute  2.000 Ehrenamtlichen tätig sind und freudig auf die langersehnte hiesige Eröffnung schauen.  „In der Theologie nennen wir es Kairos, wenn von etwas die Rede ist, was den richtigen Zeitpunkt braucht. Offenbar sind jetzt die richtigen Leute zum richtigen Zeitpunkt zusammengekommen“, sagte er. Auch das Datum der Eröffnung habe eine besondere Bedeutung, denn heute vor 71 Jahren wurde der ökumenische Rat der Kirchen gegründet. Dessen Leitmotive „Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“ träfen auch für die Arbeit der ökumenischen Bahnhofsmission zu. Dorthin kämen Menschen, die oft schon Ungerechtigkeit erfahren hätten, mit der Sehnsucht nach Frieden und auf der Suche nach warmherzigem Beistand.

Superintendent Christian Behr, der zuvor den musikalischen Rahmen unterstützt und sich mit viel Energie für das Projekt der Bahnhofsmission eingesetzt hatte, äußerte seine große Freude über die Eröffnung.. Zu einem früheren Zeitpunkt hatte er die Bahnhofsmission bereits als Kirche am besonderen Ort bezeichnet.

Als symbolischen Startschuss überreichte Thomas Siesazeck der Leiterin der Bahnhofsmission Elvira Ploß eine Signalkelle, wie sie vor Anfahrt der Zuges zum Einsatz kommt. Im Anschluss trafen sich alle Gäste in den Räumlichkeiten zu einem kleinen Imbiss und individuellen Gesprächen. Frau Ploß konnte bereits von einige Erfahrungen der letzten Wochen berichten: „Einmal wurde ein junger Mann im Zug ausgeraubt, während er eingeschlafen war. Nach seiner Anzeige bei der Polizei, bat er uns um Hilfe. Wir konnten ihm einen Fahrschein aushändigen, damit er zur Kirchenbezirks-Sozialarbeit fahren konnte. Dort konnte er das Internet nutzen, seine Frau informieren und über sie ein Flixbus-Ticket erhalten, mit dem er dann die Heimreise antreten konnte. Abends kam er noch einmal kurz zu uns und bedankte sich herzlich. Ein schönes Beispiel, wie das Arbeiten Hand in Hand gut funktioniert“, berichtete Elvira Ploß.

Die Räumlichkeiten der Bahnhofsmission dienen als Rückzugsort und Vermittlungsstelle. Schlafstellen gibt es nicht, aber bei Bedarf kann mit dem Sozialamt Kontakt aufgenommen oder zur Notfallschlafstelle in Dresden Pieschen vermittelt werden. Die Zusammenarbeit mit anderen Beratungsstellen ist ebenfalls gegeben. 

Bahnhofsmissionen gibt es in Sachsen bisher in Leipzig, Chemnitz und Görlitz. In Dresden wurde 2011 eine vorübergehende Lösung für die Zeit des Deutschen Kirchentags geschaffen. Erste Anläufe für eine dauerhafte Bahnhofsmission gibt es seit 2016.

Zum Weiterlesen: ein ausführliches Interview mit der Leiterin der Bahnhofsmission Elvira Ploß.

Überreichen der Signalkelle als symbolischen Startschuss für die Bahnhofsmission
Klaus Dieter Kottnik (Vors. Konferenz für Kirchliche Bahnhofsmission Deutschland)
Superintendent Christian Behr (Kirchenbezirk Dresden Mitte)
Leiterin der Bahnhofsmission Elvira Ploß mit Oberbürgermeister Dirk Hilbert und Referentin Gemeindeaufbau und missionarische Dienste Manja Erler (von links)
Bläsergruppe vor den Räumlichkeiten der Bahnhofsmission

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