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Richtfest Landeskirchenarchiv


13. Dezember 2019

Erweiterungsplanungen für das Archiv kamen in den Blick 

DRESDEN – Im Gewerbegebiet in Dresden-Coschütz/Gittersee (Stuttgarter Straße 16) konnte am 13. Dezember nach gut fünf Monaten Bauzeit seit der Grundsteinlegung der Rohbau des Landeskirchlichen Archivs mit einem Richtfest beendet werden. Vor einem Monat machte die Landessynode mit der Änderung des Haushaltplans (2020) den Weg frei für einen Erweiterungsbau, um den Schwung aus dem gegenwärtigen Baugeschehen mitzunehmen und kostengünstiger die baulichen Umsetzungen zu realisieren. 

Der dem derzeitigen Bau zugrunde liegende Entwurf stammt vom Architekturbüro O+M Architekten aus Dresden, die das Vorhaben vorbereitet haben. Die Einweihung des Landeskirchlichen Archivs ist für Frühjahr 2021 geplant.

Das Landeskirchliche Archiv wird auf der Grundlage eines Beschlusses der Landessynode vom 13. November 2016 für die Unterbringung von zehn laufenden Kilometern Archivgut errichtet und soll nun aufgrund der gestiegenen und zu erwartenden Nachfrage auf Abgabe von Archivgut aus den Kirchgemeinden um weitere 13  laufende Kilometer erweitert werden. Die Zusatzkosten werden auf sechs Millionen veranschlagt. 

Es ist insbesondere für die Archivbestände des bisherigen Landeskirchenarchivs im Landeskirchenamt, von Ephoralarchiven sowie von zahlreichen Kirchgemeinden gedacht, die keine geeigneten Bedingungen für eine fachgerechte Unterbringung vor Ort aufweisen können. Neben der Aufbewahrung soll eine bessere Benutzbarkeit der Bestände gewährleistet werden.  

Der Präsident des Landeskirchenamtes, Hans-Peter Vollbach, begrüßte die Festgäste zum Richtfest und dankte den Bauleuten, aber auch den im Landeskirchenamt mit dem Bau des Landeskirchenarchivs beauftragten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für die bisherige Arbeit. „Schneller hat es nicht gehen können“, lobte der Präsident die bisherige Planerfüllung und die Einhaltung der bisher veranschlagten Kosten.  

Ein Archiv sei wegen des Bestands vor Ort, wegen einmaliger Schriften sowie der Bestandssicherung für die „Ewigkeit“ nicht mit einer Bibliothek gleichzusetzen. Das Archiv sei das Gedächtnis der Landeskirche, der Kirchgemeinden und Kirchenbezirke. Der Bedarf steige rasant. Die Ausbaukapazität würde von der Strecke her mit 23 Kilometern quer über die Stadt zum Blauen Wunder (Loschwitzer Brücke) und zurück reichen. Das stelle auch die Traglast des Gebäudes vor besondere Herausforderungen. 

Das Geistliche Wort zum Richtfest sprach Oberlandeskirchenrätin Margrit Klatte, die auf den Widerspruch zwischen christlichem Anspruch auf Vollkommenheit und unvollkommener Welt hinwies. Ein Archiv könne nur ein Zeichen des Imperfekten sein. Ein „tolles Haus“ aufgrund menschlicher Leistung, vergleichbar der Arche Noah, werde es aber unvollkommen bleiben. Auf die zu bewahrenden Inhalte komme es an: Da werde man manches finden können, manches nicht. Menschen bräuchten die Erinnerung um Gegenwärtiges zu verstehen. Suchende müssten mit offenen Fragen und mit Unvollkommenen umgehen. Wie die Bedeutung der Bibel für das Heute, messe sich auch der historische Bestand im Archiv mit der Gegenwart. Das Archiv sei ein geistliches Zeichen gerade im Advent: „Das Beste kommt noch und das Heil steht noch aus. Wir erwarten, dass Gott zu den Menschen kommt, zu jeder Zeit anders“, verwies sie auf das nahe Weihnachtsfest.  

Archivleiterin Kristin Schubert deutete in ihrem Grußwort auf den Standort hin, nur eine Etage höher, über dem Grundstein auf der Bodenplatte des jetzigen Sockelgeschosses. Im späteren Lesesaal sprach auch sie den Dank gegenüber allen aus, die den Bau bis hier mit „sauberer und präziser Arbeit“ umgesetzt hätten. Sie spreche aus Sicht des zukünftigen Nutzers, sagte die Archivleiterin. Sie habe im Vorfeld der Feier nach früheren Richtfesten im Archivbestand gesucht und so manche Bilder und Beschreibungen zu Kirchgemeindehäusern, Kirchen und anderen Gebäuden gefunden. In Dresden beispielsweise vom Bau der Bethlehemskirche in Dresden-Tolkewitz 1951, eines der letzten offiziellen neuen Kirchenbauten in der Anfangszeit der DDR. Für sie sei das Richtfest wie ein vorgezogenes Weihnachtsfest. Mit dem Decken des Notdaches sei der Bau jetzt äußerlich geschlossen. 

Ein Richtfest sei ein Tag der Bauleute und der Bauherren, sagte Architekt Carsten Otto. Seit dem heißen Tag im Juli habe sich viel geändert. Heute stehe dieses mehrstöckige Bauwerk. Jetzt sei Erstes greifbar und erlebbar und das Ergebnis der Planungen erkennbar, ablesbar und überprüfbar. Die Idee sei gewesen, dem Thema des Schützens und Bewahrens folgend, das Gebäude als schweren, massiven steinartigen Baukörper zu konzipieren, der Beständigkeit und Dauerhaftigkeit ausstrahlt und gewährleistet. Er sei von der Straßenseite zurückgesetzt, abgewendet vom Trubel der Welt, mit Außenblick ins Grüne. So sei der Blick aus dem Lesesaal „phänomenal“. Als Architekt freue er sich über die Einhaltung der Termine und der Kosten. Er zollte Respekt der Baufirma Rommel und allen anderen Gewerken sowie den Ansprechpartnern im Landeskirchenamt, insbesondere Baureferentin Katrin Tauber.

Anschließend fand eine Führung durch das Bauwerk statt, das im Sockelgeschoss die technischen und sanitäre Einrichtungen und Arbeitsräume beherbergen wird, im Erdgeschoss die öffentlichen Räume und in den beiden oberen Geschossen die Magazinräume mit geschützten und stabilen Flächen für das Archivgut.

Baureferentin Katrin Tauber schwingt den Hammer beim Richtfest
Ein exzellentes Bläserquartett aus Dresden-Strehlen erzeugte festliche Stimmung Bau
Archivleiterin Kristin Schubert und Präsident Hans-Peter Vollbach sprechen zu den Festgästen
Die Richtkrone über dem Rohbau des Hauptgebäudes Landeskirchenarchiv

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