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Rückkehr der Figur des Ecce-Homo-Christus in die Busmannkapelle


29. Januar 2019

Die Figur ist ein erstrangiges Werk der europäischen Kunstgeschichte

DRESDEN – Die Figur des Ecce-Homo-Christus kehrt am morgigen Mittwoch, 30. Januar, von der Dresdner Kreuzkirche zurück in die Busmannkapelle, wo sie seit 1834 bis April 1943 stand. Im Zuge einer Luftschutzsicherungsmaßnahme im damaligen Dresden gelangte die Figur in die Grabkammer unter Tür A der Frauenkirche. Die dort eingelagerten Kunstwerke konnten 1946 geborgen werden. Nur die Figur des Ecce-Homo-Christus war so sehr verschüttet, dass sie erst bei der Enttrümmerung zur Vorbereitung des Wiederaufbaues der Frauenkirche hervorgeholt werden konnte.

Mit Unterstützung des Dresdner Zonta-Clubs konnte die Figur restauriert und am 1. Sonntag im Advent 1998 in der Kreuzkirche aufgestellt werden. Die Kreuzkirche wurde ausgewählt, weil sich dort bereits andere Kunstwerke der 1963 auf Anweisung der Staatsorgane beseitigten Sophienkirche befinden. Die Sophienkirche wurde in Nachfolge der Schlosskapelle 1737 evangelische Hofkirche (bis 1918) und Predigtstätte der Oberhofprediger und dann der Bischöfe.

Die Figur ist auf der Sockelplatte mit „ECCE HOMO“ (Seht, welch ein Mensch!) beschriftet und stellt damit Christus dar, der nach der Geißelung, Dornenkrönung und Verspottung in Erwartung des Urteils vor Pontius Pilatus steht. Der Schmerzensmann hingegen ist eine Darstellungsform Christi, die nicht zur Chronologie des Leidensweges gehört, sondern den durch die Wunden der Kreuzigung ausgewiesenen Erlöser der Menschheit zeigt.

Die Skulptur des Ecce-Homo-Christus ist wahrscheinlich ein Werk des Sebastian Walther (1576-1645), der Mitarbeiter in der von Giovanni (Johann) Maria Nosseni als Unternehmer betriebenen Bildhauerwerkstatt war. Der 1544 in Lugano geborene und in Deutschland zur evangelisch-lutherischen Kirche übergetretene Nosseni hatte Kontakt zum bedeutendsten Bildhauer seiner Zeit Giovanni da Bologna gehabt. Nosseni verstarb am 20. September 1620 in Dresden.

Ganz in dessen Formgefühl, aber bereits an der Schwelle vom Manierismus zum frühen Barock hat Sebastian Walther mit der Skulptur ein erstrangiges Werk der europäischen Kunstgeschichte geschaffen. Obwohl durch die rückwärtige Drapierung des Mantels eine bestimmte Ausrichtung der Figur vorgegeben ist, ist die Körperhaltung so kompliziert hin und her gewunden, dass man wechselnde, gleichermaßen gültige Standpunkte zur Betrachtung einnehmen soll. Trotz des Themas voller Schmerz und Leid sieht man einen fast unversehrten, muskulösen Körper im Sinne des humanistischen Ideals vom vollkommenen Menschen.  So überwiegt noch die Geisteshaltung der Renaissance gegenüber den drastischen Schilderungen tief empfundener Gefühle in der barocken Kunst.

Am Dienstag, dem 12. Februar 2019, wird um 16:30 Uhr in einer Feierstunde der Busmannkapelle unter Anwesenheit von Christopher Cocksworth, Bischof von Coventry, ein Nagelkreuz als Zeichen der Versöhnung verliehen.

Busmannkapelle

Ecce-Homo-Christus noch in der Kreuzkirche
Ecce-Homo-Christus noch in der Kreuzkirche
„ECCE HOMO“ (Seht, welch ein Mensch!)
Bezeichnung und Beschriftung auf dem Sockel

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