Alle Nachrichten

Nachricht

Bereich

Talk im Café Dreikönig


06. Februar 2021

Kosmos Kirche - zwischen Kanzel, Krise und Kundenorientierung

DRESDEN – Eine TV-Diskussionsrunde aus Dresden geht der Frage nach der verbliebenen gesellschaftlichen Innovationskraft der Kirchen nach. Beim „Talk im Café Dreikönig“ stellen sich Landesbischof Tobias Bilz, Synodalpräsidentin Bettina Westfeld, eine engagierte Katholikin aus Leipzig sowie der Sprecher des Dresdner Nachtcafé-Koordinierungskreises den Fragen in einer neuen Ausgabe im SACHSEN FERNSEHEN.

Die vorfindliche Situation in Deutschland geht von gut der Hälfte der deutschen Bevölkerung aus, die entweder der evangelischen oder der katholischen Kirche angehören. Die Kirchen betreiben Kindergärten, Altenheime, Schulen, Jugendtreffs und viele weitere soziale Einrichtungen, die in der Gesellschaft unverzichtbar erscheinen. Begleitet wird dies aber mit Unzufriedenheit unter den Gläubigen und mit zunehmenden Akzeptanzproblemen in der öffentlichen Meinung.

Fehlt es der Kirche an Innovationskraft und Lebensweltbezug? Sind die Kirchen ein notwendiger stabilisierender Faktor in einer sich verändernden Gesellschaft oder doch nur überholte Institutionen aus vergangenen Tagen?
Landesbischof Bilz spricht zunächst über die Folgen der Corona-Pandemie und die Zumutungen für den Vollzug und das Erleben von Gemeinschaft. Kirche versuche bei den Menschen zu sein in ihren ganz unterschiedlich Situationen der Betroffenheit.

Da sei persönliches Gespräch wichtig. Er führe zahlreiche Telefonate, die sonst nicht so möglich seien, auch Social Media sei dabei eine erweiterte Form der Kommunikation. Die Pandemie sehe Bilz als Wegstrecke und empfinde sie als spannende Situation. Verantwortliche würden dies im Blick auf die nächsten zehn Jahre aufgreifen und unter dem Titel „Kirche die weitergeht“ neue Wege suchen. „Letztlich sind wir eine Weggemeinschaft auf großem Marsch zu Gott“, so seine Überzeugung.

Die Präsidentin der sächsischen Landessynode, Bettina Westfeld aus Dresden, könne sich ein Christsein ohne Gemeinschaft nicht vorstellen. Schließlich sei ein Austausch wichtig und hilfreich von Perspektiven über die eigene Begrenzung hinaus. Sie geht auf ihre persönlichen Eindrücke aus der synodalen Arbeit ein. So schätze sie besonders die unterschiedlichen Facetten der synodalen Persönlichkeiten. Es werde daher nach fast 20-jähriger Mitarbeit in der Synode auch angesichts der Themenvielfalt nicht langweilig.

Aufgrund der finanziellen Unterstützung anderer Kirchen aus dem Finanzausgleich müsse sehr verantwortlich mit dem Geld umgegangen werden. Die Synode prüfe und schaue genau, wohin das Geld gehe. Westfeld bestätigt ein Lernen von der Jugend hinsichtlich digitaler Zusammenkünfte und Konferenzen auch für zukünftige Synoden. Als Vision sehe sie und wünsche sich, dass sich mehr Gemeindeglieder für die Kirche verantwortlich fühlen und mit Engagement für die Gemeinschaft nach innen und außen wirken. Man solle sich aber nicht unter Druck setzen, da dies die Gefahr von Vergeblichkeitserfahrungen in sich berge.  

Stephanie Hauk aus Leipzig nehme auch in der katholischen Kirche Aufbrüche wahr, wie beispielsweise im derzeitigen Synodalen Weg. Der Jugend bescheinigt sie, dass sie gut ihre Anliegen selbst vortragen und vertreten könne. Sie sei als Katholikin stark von Familie und der Gemeinde geprägt. Bezogen auf die Mitgliederentwicklung sehe sie die Kirche im Umbruch, aber sie halte an der Hoffnung und Aufgabe fest, an einer lebendigen und strahlenden Kirche mitzuarbeiten.  

Gerd Grabowsky aus Dresden engagiert sich seit langer Zeit für die Nachtcafés in der Wohnungslosenarbeit und ist zugleich Kirchvorsteher. Ihn sporne die Liebe zum Menschen an, jenen zu helfen, die nichts haben und nicht wissen wohin. Wichtig sei diesen Menschen vorbehaltlos zu begegnen. Hilfe müsse unabhängig sein, was auch für die Werbung von Helfern und Helferinnen gelte. So arbeiten Christen mit unterschiedlichen Hintergründen und Motivationen mit. Der Sprecher des Nachtcafé-Koordinierungskreises wünsche sich mehr Kommunikation und Austausch zwischen den Gemeinden und dieser Projekte. Das setze mehr Offenheit und kürzere Entscheidungsprozesse voraus.

Diese Sendung und  Diskussion in der Moderation von Anja Polenz und Jan Witza wird in den Regionalprogrammen von SACHSEN FERNSEHEN ausgestrahlt. Die Erstausstrahlung war am 6. Februar mit Wiederholungen am So., 7. Februar, 8:00 Uhr; Sa., 13. Februar, 9:00 Uhr und So., 14. Februar, 21:00 Uhr.
Sachsen Fernsehen ist zu empfangen über Kabel, DVB-T (Digital Video Broadcasting - Terestrian) und als TV-Livestream.

Synodalpräsidentin Bettina Westfeld
Stephanie Hauk und Gerd Grabowsky

Teilen Sie diese Seite