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Trauer um ehemaligen Superintendenten Thomas Küttler


09. Dezember 2019

„Ein Mann, der in Plauen Geschichte geschrieben hat“ 

LEIPZIG – Die Trauerfeier des am letzten Mittwoch, 4. Dezember 2019, verstorbenen früheren Plauener Superintendenten Thomas Küttler findet am 13. Dezember um 13:00 Uhr in der Marienkirche in Leipzig-Stötteritz statt. Anschließend ist die Beerdigung auf dem Stötteritzer Friedhof. Nach seinem Eintritt in den Ruhestand im Jahre 2002 lebte er mit seiner Frau in Leipzig. 

Der im Alter von 82 Jahren verstorbene Theologe war 23 Jahre Superintendent im Kirchenbezirk Plauen und Wegbereiter der Friedlichen Revolution in der Vogtlandstadt. So ergriff er auf der ersten Großdemonstration in der damaligen DDR am 7. Oktober 1989 in Plauen auf dem Höhepunkt der Konfrontation das Mikrofon und sprach vor dem Rathaus zu den rund 15.000 Demonstranten und kündigte einen Dialog mit dem Oberbürgermeister an. „Er sei ein Mann gewesen, der in Plauen Geschichte geschrieben hat, würdigt Landesbischof i.R. Volker Kreß für die Landeskirche Küttlers Rolle. Er sei ein hervorragender Theologe gewesen, der in Synode und Kirchenleitung wichtige Impulse gegeben habe. Unter den sächsischen Superintendenten sei er eine „herausragende und führende Persönlichkeit“ gewesen, so Kreß. 

Nach dem friedlichen Verlauf der Demonstrationen war er Mitbegründer der „Gruppe der 20“ und leitete nach der Grenzöffnung den Runden Tisch in Plauen. Der spätere Ehrenbürger der Vogtlandstadt war über fünf Legislaturen Mitglied der Ev.-Luth. Landessynode Sachsens (1972-2001). Von 1978 an war er zudem viermal in Folge theologischer Vizepräsident der Synode und stand seit 1996 der damaligen Präsidentin der Landessynode, Gudrun Lindner, zur Seite. „Thomas Küttler war ein Schnelldenker, Stratege und geschliffener Redner und er war immer Lehrer und Meister“, schreibt Frau Lindner in ihrem Nachruf. „In verfahrenen Debatten, in verzwickten Rechtsangelegenheiten, in gefahrvollen Situationen sei er in der Lage gewesen, Weitblick zu beweisen, klar und rechtssicher zu formulieren und natürlich auch das von ihm als richtig Erkannte durchzubringen“, beschreibt sie dessen langjähriges Wirken. 

Sein bewegtes Leben war gekennzeichnet von wegweisenden Entscheidungen. Thomas Küttler wurde am 26. Oktober 1937 im erzgebirgischen Schwarzbach geboren, wuchs in Hannover auf.  Nach dem Theologiestudium in Göttingen und Münster trat er 1962 das Vikariat an, u.a. in London, sowie mehrere Praktika. 1965 entschied er sich nach der Ordination (Kloster Loccum) aus einer Pfarrstelle in Nienburg heraus, wegen seiner späteren Frau in die DDR überzusiedeln.  

Im mittelsächsischen Marbach bei Nossen übernahm er 1965 für neun Jahre die erste Pfarrstelle in der sächsischen Landeskirche. Von 1974 wurde Thomas Küttler als Studieninspektor an das Prediger-Kolleg St. Pauli in Leipzig abgeordnet, bevor er 1979 von der Kirchenleitung zum Superintendenten von Plauen berufen wurde. Von 1990 bis 2003 gehörte er der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) an, zuletzt ab 2001 als deren Vizepräsident.
Neben anderen Ehrungen erhielt er das Bundesverdienstkreuz I. Klasse.

Thomas Küttler auf der 24. Landessynode (1996-2001)
Superintendent Küttler vor dem Rathaus in Plauen zwischen Polizeikette und Demonstranten am 7. Oktober 1989

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