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Universitätsgottesdienst


30. Mai 2018

Gott und Welt lassen sich nicht trennen

LEIPZIG – Im Gedenk- und Dankgottesdienst im Paulinum – Aula und Universitätskirche St. Pauli am 30. Mai in Leipzig anlässlich des 50. Jahrestags der Sprengung der Universitätskirche St. Pauli begrüßten die Rektorin der Universität Leipzig, Prof. Dr. Beate Schücking, und Universitätsprediger Prof. Dr. Peter Zimmerling die zahlreichen Besucher des Universitätsgottesdienstes.

Für die Rektorin Dr. Schücking sei es ein besonderer Moment der Feier an diesem Tag. Sie betonte den Dankgottesdienst, weil man den Raum seit der Indienstnahme genießen und gestalten könne. Hinsichtlich der Nutzung lägen schon vielfältige und gute Erfahrungen vor. Die Aula sei ein Ort des Miteinanders.
Für Prof. Zimmerling sei es ebenfalls ein Tag der Freude, aber auch ein Tag der Trauer, denn dieser Ort erinnere an den dunkelsten Tag der Geschichte. Immerhin sei „die Seele der Stadt Leipzig verletzt worden“ als die damalige Begräbnisstätte berühmter Universitätsangehöriger und vornehmen Bürger nach Jahrhunderten zerstört worden sei. Jetzt stehe aber die Freude über die neue Universitätskirche im Vordergrund.

Musikalisch begleitet wurde der Gottesdienst durch den Universitätsorganisten Daniel Beilschmidt (Orgel), den Thomanerchor Leipzig unter Leitung von Thomaskantor Gotthold Schwarz, die Leipziger Universitätskantorei unter Leitung von Universitätsmusikdirektor David Timm sowie durch die Sopranistin Maria Küstner.

Während der Predigt (Psalm 130,1–8) von Landesbischof Dr. Carsten Rentzing erklang das „Aus der Tiefe rufe ich zu Dir“ von Heinrich Kaminski für vier bis sechsstimmigen gemischten Chor und Sopran-Solo. Für Dr. Rentzing werfe der Dank einige Fragen auf. Der große Dank erfülle alle Herzen, gleich einer Wallfahrt zu Kirche und Aula. Es sei ein Pilgerweg zur Charakter- und Herzensbildung als Grundlage der Bildung für alles. Der in den Psalmen beschriebene Pilgerweg zum Tempel sei unterbrochen gewesen im Rückblick auf sündhaftes Verhalten. Sünde sei aber nicht mit Tun und Moral gleichzusetzen, vielmehr gehe es um die Verfehlung der eigenen Bestimmung und die Trennung von Gott. Der Gläubige solle nicht die Sünde bei anderen suchen, sagte der Landesbischof. An diesem Tag und Ort werde ein Lernprozess sichtbar, dass sich Gott und die Welt nicht trennen lasse. „Wir sollten nicht töricht sein, Glaube und Wissen voneinander zu trennen“, sagte er.

Der Vorsitzende des Paulinervereins, Dr. Ulrich Stötzner, erinnerte anschaulich an die Zerstörung Paulinerkirche, die er persönlich erlebte. Es sei der kommunistischen Herrschaft geschuldet gewesen, die im 1968-Jahr vor dem Hintergrund des Prager Frühlings ihre Macht demonstrieren wollte. Somit war es nicht nur Kulturbarbarei, sondern ein politischer Gewaltakt. Das Haus sei noch nicht ganz fertig, da noch einige Versatzstücke fehlten. Dr. Stötzner zitierte die alttestamentliche Bibelstelle mit dem Klagen über den verlorenen Tempel und das Jauchzen mit Freude über den Tempelneubau. „Wir sollten aufhören zu klagen“, sagte er versöhnend und er wies in die Zukunft mit der weiteren Nutzung von Kirche und Aula. Er hoffe, dass der antichristliche Geist nicht das letzte Wort behält.
Prof. Zimmerling übermittelte der Festgemeinde an diesem Tag herzliche Grüße von der schwedischen Königin Silvia, die sich über den Neubau der Universitätskirche freue. Immerhin war ihr Onkel Ernst Sommerlath ein bekannter Theologieprofessor in Leipzig, den sie als Kind häufig besuchte.

Landesbischof Dr. Rentzing predigt
Paulinum – Aula und Universitätskirche St. Pauli war zum Universitätsgottesdienst bis auf den letzten Platz gefüllt

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