Alle Nachrichten

Nachricht

Bereich

Verdienstorden für Harald Bretschneider und Otto Guse


06. Juli 2021

Sie setzten sich uneingeschränkt für das Wohl der Gemeinschaft ein 

DRESDEN – Der Freistaat Sachsen ehrte zwei Persönlichkeiten der sächsischen Landeskirche mit seiner höchsten Auszeichnung. Am letzten Freitag, 2. Juli, erhielt im „DenkRaum Sophienkirche“ in Dresden der frühere Landesjugendpfarrer und spätere Oberlandeskirchenrat Harald Bretschneider (78) die Auszeichnung. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer hob bei der Verleihung die herausragenden Verdienste für den Freistaat und für das friedliche Zusammenleben und für Mitmenschlichkeit hervor.

Der Präsident der 26. und 27. Landessynode der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens, Otto Guse (61), erhielt die Ehrung am heutigen Dienstag im Dresdner Residenzschloss aufgrund seiner langjährigen Arbeit in diesem höchsten Ehrenamt der sächsischen Landeskirche, aber auch über das kirchliche Engagement hinaus u.a. im Präsidium des DRK-Kreisverbandes Auerbach und zuletzt als unterstützendes Mitglied des Freundes- und Förderkreises der Telefonseelsorge Südwestsachsen e.V.

Im Vorfeld sagte Landesbischof Tobias Bilz: „Über die Verleihung des Sächsischen Verdienstordens an Harald Bretschneider und Otto Guse freue ich mich im Namen der sächsischen Landeskirche außerordentlich und gratuliere ihnen für diese hohe staatliche Auszeichnung“. Ihr persönliches Handeln sei geprägt von hohem Einsatz für Recht und Gerechtigkeit für andere.

Harald Bretschneider habe seinen kirchlichen Dienst in der Unterstützung junger Menschen in der Bürger- und Friedensbewegung in der DDR, beim Aufbau einer christlichen Bildungskultur und in der Schärfung des sozialen Gewissens gesehen. Otto Guse stehe in seinem Engagement für das verantwortungsvolle Ehrenamt in der Kirche, das Leitung immer als Dienst nicht über, sondern unter den Menschen verstehe. Dies habe ihn aus tiefer christlicher Überzeugung von der Basis in der Gemeinde bis zur synodalen Leitung der Landeskirche getragen.

„Beide investierten ihre Talente uneingeschränkt in das Wohl der Gemeinschaft und schenkten dem Einzelnen anerkennende Aufmerksamkeit“, würdigte Landesbischof Bilz den Einsatz der beiden Geehrten.

Zur Person Harald Bretschneider:        

Als  theologischer Dezernent im Evangelisch-Lutherischen Landeskirchenamt Sachsens war Harald Bretschneider zehn Jahre lang mit politischen Grundsatzfragen, der diakonischen Arbeit, dem Aufgabenfeld der Evangelischen Jugend, dem Bildungsauftrag der Kirche im Zusammenhang mit evangelischen Kindergärten, Schulen, nichttheologischen Ausbildungsstätten sowie mit der Gemeinde- und Religionspädagogik befasst. 2007 trat er seinen Ruhestand an und engagierte sich danach u.a. in der Bürgerstiftung Dresden und seit 2019 im Vorsitz der Gesellschaft zur Förderung einer Gedenkstätte für die Sophienkirche e.V. (Busmannkapelle).

Harald Bretschneider wurde am 30. Juli 1942 in Dresden geboren und wuchs nach der Zerstörung der Stadt im mittelsächsischen Leisnig auf. Nach der Schulzeit entschied er sich 1960 für ein Theologiestudium an der Universität Leipzig. Vor dem beruflichen Dienst in der Kirche begann er 1965 eine Lehre als Zimmerer und wurde dann zu den Bausoldaten einberufen. Danach arbeitete er wieder als Zimmerer im Spezialbaukombinat Magdeburg auf Großbaustellen, bevor er beschloss, sich auf das Pfarramt vorzubereiten.

Mit Abschluss des Predigerkollegs übernahm Bretschneider 1969 seine erste Pfarrstelle in Wittgendorf bei Zittau. Nach zehnjähriger Gemeindearbeit wurde Bretschneider 1979 zum Landesjugendpfarrer berufen. In der darauf folgenden zwölfjährigen Tätigkeit als Landesjugendpfarrer unterstützte er das gesellschaftliche Engagement junger Menschen, die aus ihrer persönlichen Glaubensentscheidung heraus handelten und war an der Gründung von Friedensgruppen beteiligt.

Auf seine Initiative hin kam es Anfang der 1980er Jahre  zur Herstellung und Verbreitung des Symbols „Schwerter zu Pflugscharen“ als Textilaufnäher. Er engagierte sich auch für die Einführung eines Zivildienstes in der DDR. Im Herbst 1989 hielt Bretschneider die Verbindung zwischen den Aktivitäten der Friedensgruppen in Leipzig und Dresden und kümmerte sich um die Betreuung von inhaftierten Demonstranten.

1991 wurde Bretschneider Direktor des Diakonischen Werkes - Stadtmission Dresden und sorgte in der Dresdner Region für den schnellen Aufbau eines umfassenden Angebots der freien Wohlfahrtspflege in kirchlicher Trägerschaft. Nachdem Harald Bretschneider 1997 durch die Kirchenleitung zum Oberlandeskirchenrat berufen wurde, unterstützte er in seinem Ressort im Landeskirchenamt den weiteren Aufbau von evangelischen Schulen sowie die Einrichtung von evangelischen Kindergärten in Sachsen, setzte sich für den Ausbau des schulischen Religionsunterrichts ein und war mit strukturellen Veränderungen in der Hochschule für Soziale Arbeit (FH), der Evangelische Fachhochschule für Religionspädagogik und Gemeindediakonie und anderen Bildungseinrichtungen der Kirche befasst. 

Er war seit seiner Berufung Mitglied der Kirchenleitung und wurde 1997 als sächsisches Mitglied in die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gewählt. Darüber hinaus war er Stiftungsratsvorsitzender der Evangelischen Schulstiftung der EKD, im Vorstand des Evangelischen Schulverbandes Sachsen und Vorsitzender der Bürgerstiftung Dresden. Bretschneider publizierte in zahlreichen Berichten und Büchern und wurde im Jahre 1999 mit dem Bundesverdienstkreuz und mit dem Goldenen Kugelkreuz der Evangelischen Jugend in Deutschland ausgezeichnet.

Zur Person Otto Guse:     

Otto Guse war von 2002 bis 2019 Mitglied der Landessynode der sächsischen Landeskirche. Guse wurde 2002 aus dem Wahlkreis 3 (Auerbach) in die Landessynode und direkt zum Stellvertreter der damaligen Synodalpräsidentin Gudrun Lindner gewählt. 2008 wählte ihn die 26. Landessynode zu ihrem Präsidenten. Durch die 27. Landessynode wurde er für eine weitere Legislatur in diesem Amt bestätigt. In dieser Funktion war er 12 Jahre lang auch stellvertretender Vorsitzender der Kirchenleitung der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens und hatte zeitweise über mehrere Monate auch den Vorsitz inne (2015 während der Bischofswahl und 2019 nach dem Rücktritt von Landesbischof Dr. Rentzing).

Für Oberlandeskirchenrat Klaus Schurig habe Otto Guse viel für die Landeskirche geleistet. So nahm er in den schwierigen Auseinandersetzungen um die Frage des Schriftverständnisses, als auch in den Debatten um die Strukturreform der Landeskirche immer eine Vermittlerrolle ein und erinnerte an den geschwisterlichen Umgang miteinander. Auch in der Zeit der Krise nach dem Rücktritt von Landesbischof a.D. Dr. Carsten Rentzing habe Guse die kirchenleitenden Entscheidungen mit enormem Einsatz und großer Klarheit kommuniziert.

„Er versteht es in besonderer Weise, Glaubensgewissheit und juristische Kompetenz zu verbinden und in mancher festgefahrenen Debatte mit seinem rheinischen Humor eine Wendung zu geben“, so der juristische Dezernent. „Sein Sachverstand und sein klares Wort haben ein hohes Gewicht in unserer Landeskirche.“

Beruflich ist Otto Guse Partner einer in Falkenstein ansässigen Rechtsanwaltskanzlei. Der gebürtige Rheinländer studierte in Köln Rechtswissenschaften und erhielt nach dem Referendariat und dem zweiten juristischen Staatsexamen 1988 die Zulassung zur Rechtanwaltschaft in Wuppertal. 1993 kam er nach Sachsen und engagierte sich in der Kirche ehrenamtlich. Er ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder.

Otto Guse - Ministerpräsident Michael Kretschmer, Harald Bretschneider (Foto l. Christoph Seele; r. Pawel Sosnowski)

Teilen Sie diese Seite