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Viele Christen auf der Unteilbar-Demonstration


26. August 2019

Kirche, Diakonie und Caritas waren mit eigenem Block dabei

DRESDEN - Christen verschiedener Konfessionen versammelten sich am vergangenen Sonnabend in einem gemeinsamen Demonstrationsblock innerhalb der Großdemonstration ‚Unteilbar‘ in Dresden.

Unter dem Motto „Glaube statt Misstrauen. Herz statt Hetze. Hoffnung statt Angst.“ hatten Kirchen, Diakonie Sachsen und Caritas Dresden-Meißen sowie die Evangelische Jugend in Sachsen und die Landesarbeitsgemeinschaft der Katholischen Jugend im Freistaat Sachsen einen eigenen Block „Kirche, Diakonie & Caritas“ angemeldet und zur Teilnahme an der Demonstration eingeladen.

Mit mehr als 400 anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen wollten sie damit ein Zeichen für eine offene und freie Gesellschaft setzen. Insgesamt beteiligten sich nach Zählung der Organisatoren ca. 40.000 Menschen an der Demonstration.

Über 800 Menschen folgten der Einladung der kirchlichen Gruppen und liefen gemeinsam im Block der Kirchen mit. Von einem Lastwagen erklangen abwechselnd Klänge des Posaunenchores und fröhliche Rhythmen aus aller Welt, die die nachfolgenden Demonstranten und am Wege stehende Passanten zum Tanzen brachten. Zu sehen war überall das Lila der Diakonie-Fahnen und das Rot der Caritas. Junge Christen aus der Evangelischen und Katholischen Jugend verteilten Aufkleber und Postkarten an Umstehende. In kurzen Statements äußerten sich die Dresdner Superintendenten Christian Behr und Albrecht Nollau sowie der Diakonie-Vorsitzende Dietrich Bauer vom Lastwagen aus.

Die Motivation von Christen zur Beteiligung an der Demonstration erläuterte Oberlandeskirchenrat Burkart Pilz, Dezernent für Kinder, Jugend, Bildung und Diakonie im Evangelisch-Lutherischen Landeskirchenamt Sachsens: „Die Gedanken der Nächstenliebe, Solidarität, Gemeinschaft und Toleranz sind Kernbestand des christlichen Glaubens. Als engagierte Christinnen und Christen in den Kirchen, in der Diakonie und in der Caritas wollen wir deutlich machen, dass auch wir für eine unteilbare Gesellschaft, für ein weltoffenes und menschenfreundliches Sachsen stehen."

Auch Diakonie-Chef Dietrich Bauer hat sich mit vielen weiteren Mitarbeitenden der Diakonie Sachsen an der Demonstration beteiligt und erklärte: „Die Diakonie Sachsen tritt für die einzigartige Würde jedes Menschen und die Gleichheit aller Menschen vor Gott ein. Deshalb sind wir natürlich bei Unteilbar dabei."

Georg Zimmermann, Landesjugendpfarrer der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens, sprach auf der Abschlusskundgebung auf der Cockerwiese vor vielen tausenden Demonstranten:

„Es ist ein großartiges Bild: In großer Vielfalt und doch vereint. Heute geht von dieser Stadt ein starkes Zeichen aus. Nein, nicht nur ein Zeichen. Es ist eine Haltung, die von hier ausgeht: Wir lassen uns nicht spalten. Von niemandem. Wir lassen uns nicht auseinanderbringen. Auch wenn wir in vielen Fragen unterschiedlicher Meinung sind: Wir erheben die Stimme, wenn Menschen in unserer Gesellschaft von Gewalt, Hass, Armut und Ausgrenzung bedroht sind. Und wir tun das gemeinsam.

Und wir werden das auch in unserem Alltag umsetzen: Wir werden bei den Menschen sein, die unsere Solidarität brauchen. Wir werden hinter ihnen stehen. Und neben ihnen. Und wir werden uns, wenn es sein muss, auch vor sie stellen. Miteinander.

Ich empfinde es als ein großes Privileg, heute hier dabei sein zu können und zu spüren, dass wir einander zuhören. Deshalb kann ich darüber sprechen, was mich persönlich beschäftigt:

Es gibt in der Bibel eine Geschichte, die Jesus erzählt, aber nicht nur unter Christinnen und Christen bekannt ist. Es ist eine Geschichte über Barmherzigkeit. Dieses Wort verbindet alle großen Religionen. Es ist die Geschichte von einem Menschen, der überfallen wird und halbtot am Straßenrand liegt. Und allerlei Passanten gehen an diesem Menschen vorbei. Sie schauen weg. Nur ein Mensch, ein einziger Mensch schaut hin, kümmert sich, nimmt sich Zeit, hilft ihm wieder auf die Beine. – Wer will, kann diese Geschichte im Lukasevangelium nachlesen. –

Diese Geschichte hat Jesus als ein Beispiel dafür erzählt, wie Nächstenliebe praktisch aussehen kann. Der eine Mensch macht es vor. Und es ist so einfach: Hinsehen. - Hingehen. - Unterstützen. - Dran bleiben.

Ich finde es unerträglich, dass sich heutzutage Menschen in Europa dafür rechtfertigen müssen, dass sie anderen das Leben retten. Ich finde es unerträglich, dass wir einerseits „unterlassene Hilfeleistung“ als Straftatbestand verfolgen lassen und andererseits ungestraft die Augen vor der Not anderer verschließen können. Ich finde es unerträglich, dass Menschen sich beschimpfen lassen müssen, wenn sie sich auf die Seite von Minderheiten stellen. Ich finde es auch unerträglich, wenn Menschen die Religionsfreiheit nur ausgewählten Religionen zugestehen. Hier in Deutschland und überall auf der Welt.

Hinsehen. Hingehen. Unterstützen. Dran bleiben. - Jede und jeder von uns weiß, dass es manchmal sehr schwer ist, das umzusetzen. – Abseits einer Demonstration. Abseits der großen Bühne. Jede und jeder weiß, wie schnell in uns persönlich Angst, Misstrauen und Hass aufsteigen.

Wir dürfen dem Rassismus in uns selbst und in unserer Gesellschaft keinen Platz lassen.“

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