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02. April 2020

Neue Kirchgemeindeaktivitäten in Zeiten von Corona 

DRESDEN – In vielen Kirchgemeinden der sächsischen Landeskirche wird in der sich ausbreitenden Corona-Pandemie nach Wegen gesucht, um den Kontakt zu den Menschen aufrecht zu erhalten und sie in dieser Zeit zu begleiten. Wenn Kirchen nicht mehr für Gottesdienste und Andachten, Gemeindehäuser und Bildungseinrichtungen nicht mehr für Gemeinschaftsveranstaltungen zur Verfügung stehen können, fehlen wichtige Orte der gemeinsamen Glaubenspraxis, Treffpunkte für feste Gruppen einer Kirchgemeinde sowie die gewohnte Gemeinschaft mit vertrauten Gesprächspartnern. 

Um neben den Hörfunk- und Fernsehgottesdiensten auch Gottesdienste aus einer vertrauten Kirche anzubieten, haben viele Kirchgemeinden eigene Livestream-Gottesdienste angeboten oder Gottesdienste in Kooperation mit lokalen und regionalen Fernsehsendern übertragen. Darüber hinaus bieten Pfarrerinnen und Pfarrer kleine Video-Andachten an oder haben sogar einen eigenen YouTube-Kanal eingerichtet.

Auch die Landeskirche selbst hat ihre Verkündigungsformate erweitert. Neben den sonntäglichen Livestream-Gottesdiensten bietet Landesbischof Tobias Bilz jeden Abend um 18:00 Uhr eine Abendandacht an, die auf YouTube und Facebook übertragen und regelmäßig von mehreren hundert Menschen mitgefeiert wird. Neben jungen Menschen erreichen diese Angebote auch viele ältere Personen, die im Internet aktiv sind. Als neuer Landesbischof ist Tobias Bilz zudem auch mit einer eigenen Präsenz in den sozialen Medien (Facebook, Instragram, Twitter) vertreten, über die er mit Menschen ins Gespräch kommen möchte.

Der Paulus-Chor der Ev.-Luth. Kirchgemeinde Königswartha hat sein erstes Online-Lied produziert. Da sich die Chormitglieder derzeit nicht zur gemeinsamen Probe treffen können, haben Sängerinnen und Sänger des Chores mit Hilfe ihres Handys oder Computers ein Lied aufgenommen. Chorleiter Norbert Binder hat aus diesen vielen einzelnen Aufnahmen dann ein Online-Mutmachlied in der Reihe „NICHT:abgesagt“ produziert. Das Ergebnis ist unter https://www.youtube.com/watch?v=8FoaSTpBI3I nachzuhören.

Die eigentliche und besondere Herausforderung aber ist für viele Kirchgemeinden der Kontakt zu Menschen, die nicht über Online-Angebote erreichbar sind. Hier bemühen sich die Mitarbeitenden der Kirchgemeinden, über das Telefon oder über Briefe den Kontakt zu ermöglichen. Insbesondere für ältere und einsame Menschen, die durch die aktuelle Situation zusätzlich verunsichert sind, können solche Anrufe und Briefe Hilfe und Trost bieten. In vielen Kirchgemeinden bieten  Pfarrerinnen und Pfarrer Seelsorge und Unterstützung am Telefon an. Sie nennen es „Sorgentelefon“ oder „Telefon fürs Seelenwohl“ und vermitteln damit: Ihr seid zu Hause nicht allein. Darüber hinaus sind derzeit viele Mitarbeitende aktiv, um sich mit Anrufen über die jeweiligen Situation und das Wohl zu erkundigen und Hilfen anzubieten.  

Die Dresdner Laurentiuskirchgemeinde nimmt Gebetsanliegen aus der Gemeinde entgegen, vermittelt Telefonpatenschaften und lässt Kinder Osterbilder für ältere Gemeindeglieder malen.  Neben seelsorgerlichem Beistand organisieren die Kirchgemeinden auch praktische Hilfe, so beispielsweise Fahrdienste, Einkäufe oder häusliche Hilfe.  

Um die Angebote der Kirchgemeinden zu verbreiten, kommt in diesen Tagen den klassischen Verteilwegen über Briefkästen und kirchgemeindlichen Schaukästen eine besondere Bedeutung zu. Derzeit werden über 2.000 Schaukästen in Sachsen neu gestaltet, Osterbriefe und Osterbotschaften, Handzettel oder Ergänzungen zum Gemeindebrief direkt zugestellt. Pinnwände in und an den Kirchen nehmen Anliegen und Botschaften von Menschen auf. Wiederum per Telefon können wöchentliche Kurzandachten abgerufen werden, beispielsweise in der Kirchgemeinde Dresden-Ost unter 0351/ 828 70 218 oder in Leipzig unter der Hotline 0341/ 999 999 0. 

Neben unzähliger Initiativen und kreativer Ideen vor Ort, haben Seelsorgerinnen und Seelsorger sowie Beraterinnen und Berater der Ev.-Luth. Landeskirche, des Bistums Dresden-Meißen und der Diakonie Sachsen ein ökumenisches „Corona-Seelsorgetelefon“ organisiert. Die geschulten Seelsorger sind derzeit mit einer zentralen Telefoneinwahl von montags bis freitags von 9:00 bis 18:00 Uhr erreichbar. Sie wollen mit diesem Angebot den Dienst der bestehenden TelefonSeelsorge ergänzen und auf Fragen eingehen, die möglicherweise in den Tagen und Wochen der Corona-Pandemie aufbrechen und unruhig machen. Unter der Rufnummer 0351/ 89692890 finden die Anrufer ein offenes Ohr.

Erfahrungsgemäß ist die Umstellung von der analogen zur digitalen Welt mittlerweile für Kinder, aber besonders für Jugendliche unkompliziert bzw. sie bewegen sich sowieso schon zwischen diesen „Welten“. Deshalb ist es naheliegend, die Arbeit gerade mit älteren Kindern und heranwachsenden Jugendlichen zu intensivieren.  

Die Christenlehre und der Konfirmandenunterricht in den erprobten Formaten ruht, nicht aber der Kontakt zu den Gruppen. Das Theologisch-Pädagogische Institut der Landeskirche in Moritzburg hat auf attraktive Angebote hingewiesen. Neben kreativen Bastelideen und biblischen Geschichten zum Zuhören gibt es auch verschiedene Kindergottesdienste, die an jedem Sonntag auf YouTube Familien zum gemeinsamen Gottesdienstfeiern einladen. 

Die Corona-Pandemie trifft die Kirchenmusik in der Passionszeit, in der üblicherweise eine Vielzahl an Konzerten in den Kirchen stattfinden. Neben den Kirchenchören und Kantoreien, welche sich bereits lange auf diese Konzerte vorbereitet haben, trifft die Absage aller Veranstaltungen auch die freischaffenden Musiker und Solisten hart. Dennoch findet auch die Kirchenmusik derzeit kreative Formate, um Menschen musikalisch zu erreichen. So werden Konzerte auf YouTube angeboten oder in Kooperation mit lokalen Fernsehsendern übertragen, wie die Vesper in der Dresdner Kreuzkirche sonnabends um 17:00 Uhr oder die Mottete aus der Leipziger Thomaskirche um 15:00 Uhr. In Kooperation mit dem Dresden-Fernsehen wird am 4. April ein Orgelkonzert mit Domkantor Albrecht Koch an der Silbermannorgel aus dem Freiberger Dom übertragen.  

Hinweis: Am Sonntag Palmarum, 5. April, wird um 11:00 Uhr ein Livestream-Gottesdienst aus der Dresdner Dreikönigskirche übertragen. Es predigt Oberlandeskirchenrätin Margrit Klatte.

"Wir sind füreinander da!" mit konkreten Hinweisen im Schaukasten
Abendgebet mit Landesbischof Tobias Bilz
In der Reihe "NICHT:abgesagt" erscheinen vom Paulus-Chor der Ev.-Luth. Kirchgemeinde Königswartha weitere Online-Lieder.

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