Gottesdienst

Ablauf und Gestaltung eines Gottesdienstes

Die Liturgie: Grundform des Gottesdienstes

Der Ablauf eines Gottesdienstes, die sogenannte Liturgie, ist in der Gottesdienstordnung der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens festgelegt.

Diese offizielle Liturgie ist die Grundlage, bietet aber Möglichkeiten und Varianten, den Ablauf auszugestalten. So kann die Gottesdienstfeier von Gemeinde zu Gemeinde etwas unterschiedlich sein.

Einige Elemente des Gottesdienstes richten sich insbesondere nach dem Kirchenjahr. Auch bei besonderen Anlässen und Gottesdiensten zu Feiertagen verläuft der Gottesdienst oft anders. Wenn es im Gottesdienst eine Taufe gibt, findet diese meist vor der Predigt statt.


1. Eröffnung und Anrufung

Kirchenraum, Glockengeläut, Orgelmusik und Eingangslied – der Beginn des Gottesdienstes ermöglicht es, still zu werden, den Alltag hinter sich zu lassen und sich zu sammeln, um Gott begegnen zu wollen.

Der Liturg (Pfarrer, Prädikant oder Lektor, der durch den Gottesdienst führt) begrüßt die Gemeinde und eröffnet den Gottesdienst „im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ (Votum).

Zur Anrufung gehören:

  • Das Kyrie-Eleison-Gebet: die Bitte um Erbarmen
  • Das Gloria: der Lobgesang auf Gott
  • Das Tagesgebet: die Hinführung auf das Thema des Gottesdienstes

2. Verkündigung und Bekenntnis

Um Gottes Wort zu hören, gibt es zwei bis drei Lesungen, wobei das Evangelium stets gelesen wird:

  • Die erste Lesung aus dem Alten Testament
  • Die zweite Lesung aus den neutestamentlichen Briefen
  • Die dritte Lesung aus dem Evangelium (Neues Testament)

In der Predigt spricht der Pfarrer über seine Gedanken zu einem Bibeltext (der ggf. als vierter Text gelesen wird) und übersetzt damit Gottes Wort in die Gegenwart der hörenden Gemeinde.

Auf die Lesungen oder auf die Predigt antwortet die Gemeinde zur Bestätigung ihres Glaubens mit einem gesprochenen oder gesungenen Bekenntnis.

Außerdem spricht sie als Antwort auf das biblische Zeugnis ein gemeinsames Schuldbekenntnis. Daraufhin erteilt der Pfarrer im Namen Gottes die Absolution (Freisprechung, Sündenvergebung).

Im Fürbittengebet denkt die Gemeinde an Personen und Ereignisse in der Welt, in Land und vor Ort und spricht ihre Anliegen vor Gott aus. Sie bittet Gott um Begleitung und Erbarmen.

Als sichtbares Zeichen für ihre Hilfe in und an der Welt sammelt sie ein Dankopfer für ihre eigene kirchgemeindliche Arbeit oder für darüber hinausgehende Aufgabenbereiche.


3. Abendmahl

Das Abendmahl kann wöchentlich oder in einem regelmäßigen Abstand gefeiert werden.

Bei der Gabenbereitung lobt und dankt der Pfarrer Gott für seine Gnade. Die Gemeinde antwortet mit dem „Dreimalheilig“ (Sanctus) und dem Vater-unser-Gebet.

Der Liturg spricht Worte, mit denen Jesus Christus sein letztes Mahl mit den Jüngern gefeiert und gedeutet hat (Einsetzungsworte). Auf diese Worte antwortet die Gemeinde mit der Bitte um Frieden (Christe, du Lamm Gottes), und sie gibt sich ein Zeichen des Friedens.

Für die Ausspendung des Abendmahles begeben sich die Teilnehmer in den Altarraum, wo Pfarrer und Helfer Brot (Hostien) und Wein austeilen. Sie empfangen Jesus Christus selbst, der in, mit und unter Brot und Wein den Gläubigen gegenwärtig ist. Sie schmecken Gottes Menschenfreundlichkeit. Es folgt eine gemeinsame Danksagung.

In Gemeinden, in denen der Kirchenvorstand des „Abendmahl mit Kindern“ eingeführt hat, können Kinder ab dem sechsten Lebensjahr nach Unterweisung in die Bedeutung des Abendmahls und nach Erlaubnis durch die Erziehungsberechtigten Brot und Traubensaft bzw. Wein empfangen.

4. Sendung und Segen

Nach dem Abendmahl oder vor bzw. nach dem Fürbittengebet informiert ein Gemeindeglied über die Veranstaltungen der Kirchgemeinde in der kommenden Wochen.

Nach oder vor einer Liedstrophe spricht der Liturg die Sendung („Gehet hin in Frieden“) und spendet den Segen (Der Herr segne dich und behüte dich…“).

Mit der Musik zum Ausgang klingt der Gottesdienst aus.

Nach dem Gottesdienst gibt es Gelegenheit zur Begegnung. In vielen Gemeinden wird, regelmäßig oder an einzelnen Sonntagen, Kirchencafé angeboten, wo die Besucher bei Kaffee und Kuchen ins Gespräch kommen können. Es besteht dort auch die Möglichkeit, mit dem Pfarrer zu sprechen.


Liturgie "Willkommen zum Gottesdienst in der Ev.-Luth. Kirche"

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Liturgie "Willkommen zum Gottesdienst in der Ev.-Luth. Kirche"

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Liturgie "Willkommen zum Gottesdienst in der Ev.-Luth. Kirche"

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Mitwirkende

Liturgen: Pfarrer und Prädikanten

Der auffälligste Mitwirkende an einem Gottesdienst ist wahrscheinlich der Pfarrer. Er oder sie trägt besondere Kleidung, einen sogenannten Talar. Ein oder mehrere Pfarrerinnen und Pfarrer  haben die geistliche Leitung der Gemeinde inne und sind damit für die liturgische Gestaltung des Gottesdienstes zuständig.

Weil Pfarrer ein theologisches Studium absolviert und die Berufsbefugnis (das sog. Ordinariat) erhalten haben, dürfen sie die geistlichen Amtshandlungen vollziehen: die Predigt halten und die Abendmahlszeremonie durchführen. In manchen Gemeinden dürfen auch Laien ehrenamtlich Gottesdienst halten. Man nennt sie Prädikanten. Nach einer speziellen Fortbildung sind sie fähig und befugt, einen liturgischen Ablauf zu gestalten und eine Predigt zu schreiben.

Lektor

Ein weiterer Mitwirkender am Gottesdienstablauf ist der Lektor. Er trägt die Lesungen und Fürbitten vor und assistiert dem Pfarrer bei der Austeilung des Abendmahls. Lektoren sind ehrenamtliche Mitglieder der Gemeinde. Es ist keine Ausbildung nötig. Die Landeskirche bietet aber gelegentlich Vortrags-Seminare für Lektoren an.

Kirchenmusiker

Ein Mitwirkender ist vor allem zu hören: der Kirchenmusiker. In den Kirchen spielen Kirchenmusiker oder Kirchenmusikerin meist die Orgel; wo Gottesdienst in Gemeindesälen stattfindet, kommt ein Klavier oder E-Piano zum Einsatz. Oft leiten Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker auch den Kirchenchor oder Instrumentalensembles.

Kirchenmusiker und Pfarrer gestalten gemeinsam die Liturgie, das heißt: Sie suchen Musikstücke und Lieder aus, die dem Thema des Gottesdienstes entsprechen und die Lesungstexte ergänzen. So wird der Gottesdienst zu einem stimmigen Gesamtkunstwerk aus Wort und Musik zum Lob Gottes.

Gemeindepädagoge

Für die Kinder- und Jugendarbeit ist meist ein Gemeindepädagoge zuständig. Ein besonderes Studium in Pädagogik und Theologie befähigt ihn dazu, altersgruppengemäße Aktionen zu entwerfen. Der Gemeindepädagoge gestaltet Kindergottesdienste, die parallel zum Gottesdienst der Erwachsenen angeboten werden, oder Familiengottesdienste, an denen die gesamte Gemeinde teilnehmen kann. Außerdem koordiniert er die ehrenamtlichen Aktivitäten von Eltern aus der Gemeinde.

Weitere Mitwirkende

Und auch „hinter den Kulissen“ gibt es viele  Haupt- und Ehrenamtliche, die zu einem gelungenen Gottesdienst beitragen: sei es der Küster, der die Kirche schmückt und aufräumt; das Team, das für den Kirchenkaffee zuständig ist; der Begrüßungsdienst, welcher die Besucher willkommen heißt und die Gesangbücher ausgibt; oder Familien, Jugendgruppen, Musiker und viele mehr…

Musik

Reformation: Blüte der deutschen Kirchenmusik

Den Gesang der Gemeinde gibt es erst seit der Reformation, denn vorher sangen nur Priester und Chöre. Dabei setzte sich Martin Luther – im Gegensatz zu anderen Reformatoren wie Calvin und Zwingli – stark für die Rolle der Musik im Gottesdienst ein. So führte die Reformation zu einer Blüte der deutschen Kirchenmusik. Orgelmusik zum Ein- und Ausklang; Choralvor- und nachspiele; Liedbearbeitungen und Improvisationen und vor allem: Kirchenlieder. Zu den bekannten Lieddichtern gehören Luther selbst, Paul Gerhardt (1607-1676), Jochen Klepper (1903-1942) und viele mehr.

Heute kann die Kirchenmusik auf diesen Schatz zurückgreifen. Und viele langjährige Gemeindemitglieder verbinden mit bestimmten Liedern nicht nur gegenwärtige Gefühle und Gedanken, sondern Erinnerungen.

Das Evangelische Gesangbuch

Als Gesangbuch nutzen die Gemeinden in der Landeskirche Sachsens das Evangelische Gesangbuch (EG). Es umfasst 535 Lieder. Das Gesangbuch ist in die Themen Kirchenjahr, Gottesdienst, Biblische Gesänge, Glaube-Liebe-Hoffnung, sowie kleinere Rubriken wie Advent und Weihnachten eingeteilt.

2009 kam das Liederbuch „Singt von Hoffnung“ hinzu, herausgegeben von der Landeskirche Sachsens. Es enthält weitere beliebte Lieder, die im EG nicht enthalten sind, und viele  Neukompositionen.

Chöre und Ensembles

Aus dem 19. Jahrhundert stammt die Tradition der Kirchenchöre. Sie pflegen meist das mehrstimmige deutsche Chor-Repertoire. Doch auch zeitgenössische Lieder wie Gospel-Spirituals sind zunehmend zu hören. Singtraditionen, etwa der Taizé- oder Iona-Gemeinden, bereichern ebenfalls das Liedrepertoire in den Gottesdiensten.

Und die Begleitung im Gottesdienst ist nicht auf die Orgel beschränkt. Zu besonderen Anlässen geben vielerorts Posaunenchöre oder Kirchenbands den Ton an.

Predigt

Die Predigt im Sinne der christlichen Theologie beginnt bei Jesus Christus selbst. Im biblischen Evangelium und der Apostelgeschichte wird davon erzählt, wie Jesus auf die Fragen der Menschen antwortete, indem er ihnen das Wort Gottes auslegte. Das bekannteste Beispiel ist die sogenannte Bergpredigt. Die Apostel setzten dies in seinem Sinne fort. So enthält die Bibel etwa die Briefe des Apostels Paulus an die Gemeinde.

Dem entsprechend besteht die Predigt aus zwei Teilen:

  • Verkündigung von Gottes Wort

Die evangelische Kirche hat sechs sogenannte Perikopenreihen im Gebrauch. Jede Reihe entspricht einem Kirchenjahr, also vom 1. Advent bis zum Ewigkeitssonntag, und ordnet jedem Sonn- und Feiertag einen Predigttext zu. Dieser Text wird zu Beginn der Predigt vorgelesen.

  • Auslegung des Predigttextes

Die Pfarrerinnen und Pfarrer (oder Prädikantinnen und Prädikanten) machen sich Gedanken über den Predigttext und teilen sie in ihrer Rede der Gemeinde mit. Was ist die Aussage des Textes? Wie verhält er sich zu den anderen Texten in der Bibel? Was ist den Zuhörern von heute nicht mehr unbedingt verständlich? Wo berührt der Text heutige Fragen? Wo ist er noch aktuell?

Die Predigt ist ein Monolog des Pfarrers. Zwar gibt es auch die Form der Dialogpredigt, wo zwei Prediger miteinander sprechen, und ein Predigtnachgespräch, wo die Gemeinde mit dem Prediger nach dem Gottesdienst in Dialog tritt. Aber normalerweise hört die Gemeinde die Predigt und macht sich ihre Gedanken dazu.

Von Martin Luther sind über 2.000 Predigten erhalten. Zu Luthers Zeiten konnte eine Predigt zwischen ein und zwei Stunden dauern. Heute sind etwa 20 Minuten die Regel.

Abendmahl

Das Abendmahl reicht in die Ursprünge des Christentums zurück. Es erinnert an das letzte Essen von Jesus Christus mit seinen Jüngern, bevor er verhaftet und gekreuzigt wurde. Das letzte Abendmahl ist in drei biblischen Evangelien überliefert worden (Matthäus, Markus und Lukas). Die Darstellung im Gemälde von Leonardo da Vinci ist über den kirchlichen Bereich hinaus bekannt.

Dabei ist das Abendmahl Feier der Auferstehung Jesu Christi. „Das Abendmahl wird in den Kirchen als Sakrament gefeiert und als Höhepunkt christlichen Lebens bezeichnet, als die zentrale Feier schlechthin, in der Hoffnung und Freude sowie die Gemeinschaft der Menschen mit Gott und den Menschen untereinander zum Ausdruck kommen. Für viele Christen ist das Abendmahl zu einem Bestandteil ihrer Frömmigkeit geworden, weil sie darin auch Vergebung der Sünden und den Zuspruch Gottes erfahren.“

All das ist in der Zeremonie enthalten. Der Pfarrer bereitet die Gaben vor: Brot (meist symbolisch: Hostien) und Wein, die Jesus mit den Jüngern am Tisch geteilt hat. In Wechselrede oder -gesang danken Pfarrer und Gemeinde für die Liebe Gottes zu den Menschen.

Es folgt die Austeilung der Gaben. Die Gemeinde versammelt sich im Altarraum und teilt Brot und Wein. Das ist ein besonderer Moment der Gemeinschaft im Gottesdienst.

In vielen sächsischen Gemeinden wird das Abendmahl ca. einmal im Monat gefeiert - in manchen Gemeinden auch jede Woche.

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