Gleichstellung, Inklusion und Prävention

Maßnahmen und Hilfe gegen sexualisierte Gewalt

Die Landeskirche Sachsens verurteilt jede Form sexualisierter Gewalt und stellt sich aktiv ihrer Verantwortung als Arbeitgeber und Träger kirchlicher Einrichtungen. Deshalb hat man ein trägerspezifisches Schutzkonzept zur Prävention, Intervention und Hilfe entwickelt.

Verantwortung der Kirche

In der Kirche begegnen sich Menschen – im Gemeindeleben, in evangelischen Kindergärten und Schulen oder in kirchlichen Einrichtungen. Dabei entstehen persönliche Nähe und Machtkonstellationen, etwa im Verhältnis von Vorgesetzten, Mitarbeitern und Kollegen oder von Betreuern und den ihnen anvertrauten Kindern und Jugendlichen. Und obwohl die gute Absicht der Institutionen unstrittig sein dürfte, ist leider nicht gänzlich auszuschließen, dass es zu Grenzüberschreitungen kommen kann.

Die Landeskirche Sachsens verurteilt jede Form sexualisierter Gewalt und stellt sich aktiv ihrer Verantwortung als Arbeitgeber und Träger kirchlicher Einrichtungen. Deshalb unterstützt die Landeskirche die Initiative "Kein Raum für Missbrauch" der Bundesregierung und hat ein Schutzkonzept zur Prävention, Intervention und Hilfe entwickelt.

Schutzkonzept gegen sexualisierte Gewalt

Das trägerspezifische Schutzkonzept der Landeskirche Sachsens soll

  • sexualisierter Gewalt in der Kirche vorbeugen (Prävention)
  • Betroffenen und Dienststellen die Möglichkeit zu Anzeige und Untersuchung aufzeigen (Intervention),
  • Hilfs- und Seelsorgeangebote bereitstellen (Hilfe).

Prävention

Im Jahr 2010 wurde eine ständige Ansprechstelle für Fälle sexualisierter Gewalt eingerichtet. Die Gleichstellungsbeauftragte Frau Kathrin Wallrabe steht für Anfragen zur Verfügung und koordiniert die Präventionsmaßnahmen der Landeskirche.

Bei Neueinstellungen von Pfarrern und Haupt-und Nebenamtlichen im Verkündigungsdienst wurde die Vorlage des erweiterten Führungszeugnisses verbindlich. Bei Mitarbeitenden der freien (geförderten) Jugendhilfe schließen die örtlichen Jugendämter mit den freien Trägern Vereinbarungen (§ 72 a SGB VIII).

Die Evangelische Jugend Sachsen hat einen Verhaltenskodex erarbeitet, dessen Kenntnis und Einhaltung die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter mit ihrer Unterschrift bestätigen.

In den Kirchbezirken der Landeskirche werden regelmäßig Basisschulungen aller hauptamtlichen Mitarbeiter zum Thema „Grundwissen zur Prävention sexueller Gewalt“ durchgeführt. Zudem bietet das Landesjugendpfarramt Weiterbildungen für Mitarbeiter in der Kinder- und Jugendarbeit an.


Kathrin Wallrabe
Gleichstellungsbeauftragte

Lukasstraße 6
01069 Dresden

Telefon: 0351 4692-106
Fax: 0351 4692109
E-Mail:

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Intervention

Menschen, die sich sexualisierter Gewalt ausgesetzt fühlen, können sich an die Kontakt- und Informationsstelle für Fälle sexuellen Missbrauchs wenden.

Sie bietet an:

  • Beratung zum Beschwerde- und Verfahrensweg
  • Weiterleitung an Dienststellenleitung zur Einleitung einer Anhörung
  • Benennung von Fachstellen zur Beratung

Zugleich ist der Vorwurf sexualisierter Gewalt ein sensibles Thema für die zuständige kirchliche Dienststelle. Die Landeskirche bietet ihren Mitarbeitern einen „Handlungsleitfaden bei Verdachtsfällen von sexualisierter Gewalt“, der ihnen helfen soll, den Fall zu prüfen und weitere Maßnahmen zu ergreifen. Zur Beratung und Kooperation stehen den Kirchenmitarbeitern erfahrene Fachkräfte zur Seite.


Hilfe

Die Hilfsangebote der Landeskirche richten sich an Geschädigte gegenwärtiger wie auch zurückliegender sexueller Straftaten. Die Aufarbeitung des Themas „Sexueller Missbrauch“ in den letzten Jahren brachte viele Opfer z.T. bereits juristisch verjährter Fälle dazu, sich zu öffnen.

Beratungs- und Seelsorgeangebote

Psychologische Beratung vermittelt der Fachverband im Diakonischen Werk Sachsens. Die Kontaktstelle hilft bei der zeitnahen Terminvergabe und unterstützt die Akteneinsicht.

Ein Seelsorgenetzwerk versteht sich als Ergänzung zu den therapeutischen Angeboten. Sexuelle Gewalt kann sich auch auf Glaubensfragen auswirken. „Warum hat Gott mir nicht geholfen?“, „Bin ich eine schlechte Christin, wenn ich nicht ohne Weiteres verzeihen kann?“ Gewalterlebnisse im Bereich Kirche werfen eine Reihe von Fragen auf, die einer besonderen theologischen bzw. seelsorgerlichen Kompetenz bedürfen, um belastende Erfahrungen aufzuarbeiten.

Die Erfahrung, dass Gott zur Seite steht und stärkt, dass Gott ein Interesse am gelingenden Leben hat und mitleidet, wenn Menschen leiden, muss neu sichtbar gemacht werden. Seelsorgerlich Tätige können mit Opfern von sexualisierter Gewalt nach neuen Glaubenszugängen suchen, die sich von den gewaltfördernden und einschüchternden Glaubensinhalten der Täter unterscheiden.

Auch seelsorgerlich Tätige, etwa Pfarrer und Pfarrerinnen, die für ihre eigenen Seelsorgegespräche zu diesem Thema Unterstützung suchen, können sich an das Seelsorgenetzwerk wenden.

Finanzielle Hilfe

Im Jahr 2013 wurde ein Fonds „Sexueller Missbrauch“ eingerichtet. Betroffene von sexuellem Missbrauch (Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung) können Sachleistungen bis zu max. 10.000 Euro beantragen.

Antragsberechtigt sind Menschen, die als Kinder oder Jugendliche sexuell missbraucht wurden, also zum Tatzeitpunkt minderjährig waren. Zeitliche Voraussetzung ist, dass der sexuelle Missbrauch nach der Gründung der BRD (23. Mai 1949) – auch auf dem Gebiet der ehemaligen DDR – und vor Inkrafttreten des Gesetzes zur Stärkung  der Rechte von Opfern sexuellen Missbrauches (StORMG) am 30. Juni 2013 begangen wurde.

Zu den Leistungen, die unter bestimmten Bedingungen gewährt werden können, gehören unter anderem psychotherapeutische Hilfen, Kosten der individuellen Aufarbeitung des Missbrauchs, Unterstützung bei Weiterbildungs- und Qualifikationsmaßnahmen sowie sonstige Unterstützung in besonderen Härtefällen. Anträge für Hilfeleistungen aus dem Fonds können bis zum 01.12.2019 gestellt werden.

Informationen zum Antrag und alle Anlauf- und Beratungsstellen sind unter www.fonds-missbrauch.de zu finden. Über ein kostenloses und anonymisiertes Infotelefon werden Fragen zum Fonds und zur Antragstellung gegeben: Telefon (0800) 400 10 50.

Broschüre

Informationen zum Umgang mit sexuellem Missbrauch

Die Broschüre enthält neben Aussagen über Gegenstand und Auswirkungen sexuellen Missbrauchs an Mädchen und Jungen sowie Belästigungen Erwachsener auch Hinweise wie solche Tatbestände erkannt und wie damit umzugehen ist. Weiterhin werden in der Publikation rechtliche Zusammenhänge aufgezeigt sowie Anlauf- und Beratungsstellen benannt.

Datei: pdf 312 KB

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