Kirche und Kultur

Kirchenglocken

Jede Kirchenglocke erzählt eine Geschichte: über ihre Herstellung, den Glockengießer, das Jahr des Gusses und ein religiöses Thema. Derzeit befinden sich auf dem Gebiet der Landeskirche 3.700 Glocken in 1.222 Kirchen. Diese zu restaurieren und zu erhalten, ist eine wichtige landeskirchliche Aufgabe.

Die Kirchenglocke als Kulturgut

Seit Jahrhunderten rufen die Glocken in den Kirchen der sächsischen Landeskirche zum Gottesdienst und zum Gebet. Sie läuten zu freudigen und traurigen Anlässen, zu Taufen, Trauungen und Beerdigungen und begleiten somit den Lebenslauf der Gemeindeglieder. Sie sind ein öffentlich hörbares, identitätsstiftendes Bindeglied zwischen den Kirchgemeinden.

Und wie keine Glocke der anderen gleicht, so gleicht kein Geläut dem anderen. Es sind je eigene Klangstärken, Klangfarben und Klangmischungen, die der sächsischen Glockenlandschaft ihr eigenes Gepräge geben. Jede Glocke ist im Grunde ein Unikat und eine „Persönlichkeit“ mit Namen, Gesicht (Zier) und Klang.

Die Kirchgemeinden in der sächsischen Landeskirche tragen mit der Nutzung ihrer Gebäude und Kunstgegenstände eine hohe, dem Gemeinwohl dienende Verantwortung. Dazu gehören auch die Geläute, deren liturgischer Gebrauch, Wartung und Pflege die beste und zeitübergreifende Denkmalpflege darstellt.


Die Glockenweihe - Ein großes Ereignis

Besonders der Neuguss von mehreren Glocken ist immer ein großes Ereignis für einen Ort. Da wird geplant, gesammelt, der Glockenguss in der Gießerei mit verfolgt und die Glocken schließlich in einem Festumzug , manchmal sogar mit dem Pferdefuhrwerk, zur Kirche begleitet.

Glockenweihe, Glockenaufzug und das erste Läuten sind dann weitere Höhepunkte. Häufig wird zudem ein stählernes Glockengestühl nach altem Vorbild mit einem hölzernen ersetzt und der Turm saniert.


Besondere Kirchenglocken in Sachsen

In Sachsen gibt es einen Bestand von über 2.187 Bronzeglocken, darunter klangschöne Glocken der bekannten sächsischen Gießerfamilien Hilliger, Weinhold und Herold, die eine mehrere Generationen währende Tradition begründet haben.

Die ältesten Glocken in Sachsen sind die sogenannten „Zuckerhutglocken“ aus dem 12. Jahrhundert. 327 Glocken stammen aus der Zeit vor der Einführung der Reformation.

Die schwerste Bronzeglocke in Sachsen hängt in der Dresdner Kreuzkirche, welche über das zweitgrößte Geläut in Deutschland verfügt. Die zweitschwerste Bronzeglocke besitzt der Dom zu Meißen. Sie trägt die reichste Glockenzier aller Glocken in Deutschland. Der Entwurf stammt von Prof. Emil Paul Börner, dem Leiter der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meißen. Sie wurde 1929 gegossen.

Das Geläut mit der größten Anzahl von Glocken ist das neue Geläut der Frauenkirche zu Dresden mit einer historischen Glocke und sieben neuen, reichverzierten Bronzeglocken (1518/2003). Zur Glockenweihe 2003 kamen etwa 100 000 Menschen. Die Glockenweihe war ein Fest für Dresden und viele Gäste aus dem In- und Ausland.


Bildergalerie

Ersatz und Erhalt der Glocken

Im Bereich der Landeskirche wurden in den beiden Weltkriegen 3.258 Bronzeglocken zu Kriegs- und Rüstungszwecken beschlagnahmt und eingeschmolzen. Die Zahl verdeutlicht die unersetzlichen Verluste kultureller Werte.

Der Ersatz dieser Glockenverluste erfolgte in großen Umfang durch minderwertige Stahlglocken. Gegenwärtig gibt es rund 1.648 Stahlglocken bzw. Eisenhartgussglocken.

Die historischen Glocken und Glockenstühle zu erhalten und die minderwertigen Glocken durch neu gegossene Bronzeglocken zu ersetzen, ist eine besondere Herausforderung für Kirchgemeinden und Landeskirche.

Die Kirchgemeinden bemühen sich, ihren Glockenbestand zu sichern und in eine nachhaltige Nutzung für Gottesdienst und Gebet zu führen.

Ihnen stehen für diese Aufgaben Baupfleger, angestellte Bauingenieure und Architekten, sowie ehrenamtliche Glockensachverständige der Landeskirche beratend zur Seite. Im Landeskirchenamt ist für diesen Arbeitsbereich der Beauftragte für Geläute und Turmuhren im Baureferat tätig. Es gibt 3 ehrenamtliche Sachverständige und 2 Gebietsbeauftragte für Geläute und Turmuhren.

Ergebnisse:

  • Mehr als 100 historische Holzglockenstühle wurden saniert. 430 neue Bronzeglocken wurden eingebaut und dafür Eisenhartgussglocken ausgebaut. Über 118 historische Bronzeglocken konnten restauriert werden.
  • 1996 wurden alle mechanischen Turmuhrwerke im Bereich der Landeskirche erfasst und unter Denkmalschutz gestellt. Die denkmalgerechte Instandsetzung historischer Uhrwerke, oft kombiniert mit dem Anbau denkmalverträglicher elektrischer Uhrwerk-Aufzüge, wurde gefördert. Seit 1990 wurden mehr als 235 denkmalgeschützte Uhrenanlagen generalüberholt.
  • Seit 1990 sind in der Landeskirche ungefähr 300 Bronzeglocken neu gegossen worden, die in den meisten Fällen alte Eisenhartguss- und Stahlglocken ersetzt haben.
Christian Schumann
Fachbeauftragter für Glocken und Turmuhren

Lukasstraße 6
01069 Dresden

Telefon: 0351 4692-162
Fax: 0351 4692109
E-Mail:


Literatur-Tipps

Rainer Thümmel
Glocken in Sachsen. Klang zwischen Himmel und Erde
432 Seiten [18 x 27 cm] zahlreiche Abb.
HC/FH
EUR 38,00 [D]
ISBN 978-3-374-02871-9

Bestellbar über Evangelische Verlagsanstalt Leipzig

 

 

Rainer Thümmel / Roy Kreß / Christian Schumann
Als die Glocken ins Feld zogen ... Die Vernichtung sächsischer Bronzeglocken im Ersten Weltkrieg
256 Seiten [18 x 27 cm] zahlr. Abb.
HC/FH
EUR 30,00 [D]
ISBN 978-3-374-05203-5

Bestellbar über Evangelische Verlagsanstalt Leipzig

 

 

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