Landesbischof

Rumänienreise des Landesbischofs 2019

12. – 17. Mai 2019

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Ankunft in Siebenbürgen

Erste Station in Hermannstadt (Sibiu)

Landesbischof Dr. Carsten Rentzing startete am gestrigen Sonntag, 12. Mai, eine Reise nach Rumänien. Eine Woche wird er mit einer vierköpfigen Delegation aus Sachsen die Evangelischen Kirche A.B. und deren Vertreter sowie Projekte und Initiativen an verschiedenen Orten besuchen.

Einige sächsische Kirchgemeinden, aber auch die Evangelische Jugend in Sachsen unterhalten seit langer Zeit Kontakte zu Orten und Gemeinden insbesondere in Siebenbürgen. Anfänglich standen Hilfstransporte im Vordergrund. Heute kommen stärker Partnerschaften und die Unterstützung der Roma-Kirche in den Blick.

So wurden in der Vergangenheit durch die Hilfsaktion „Hoffnung für Osteuropa“ Bildungsprojekte unterstützt, durch die Evangelische Jugend Sommercamps in Transsilvanien für deutsche, ungarische und rumänische Jugendliche organisiert und durch das Gustav-Adolf-Werk in Sachsen (GAWiS) Unterstützungsleistungen für benachteiligte Kinder am Rande des sozialen Gefüges bereit gestellt.

Am Sonntagmittag, 12. Mai, startete der Flug nach Rumänien. Am Nachmittag traf die Delegation in Hermannstadt (Sibiu) ein und sie wurde durch Pfarrer Stefan Cosoroaba, Verantwortlicher für Außenbeziehungen) abgeholt und zum Bischofssitz begleitet.
Nach dem Bezug der Gästezimmer begrüßte Bischof Reinhart Guib Landesbischof Dr. Carsten Rentzing im Hof seines Dienstsitzes und lud zum Abendessen ein.

Begleitet wird der Landesbischof von dessen Persönlichen Referenten, Pfarrer Matthias Fischer, vom Referent für ökumenische Beziehungen, Oberkirchenrat Friedemann Oehme, und von Superintendent Harald Pepel (Zwickau), der gebürtig aus dem rumänischen Mediasch stammt, u.a. in Hermannstadt Theologie studierte und dann bis 1998 Pfarrer in der dortigen evangelischen Kirche war.

Nachdem es am Vorabend noch einen abendlichen Spaziergang durch Hermannstadt gab, begann der Montag mit einer Andacht, die Landesbischof Dr. Rentzing hielt. Nach dem Frühstück begannen die offiziellen Gespräche mit einem Treffen im Büro von Bischof Guib.

Der Bischof und die Vertreter der Kirchenleitung sprachen über ihre Erfahrungen von Projekten in der Partnerschaft mit der evangelischen Kirche in Rumänien sowie über  mögliche Projekte einer zukünftigen Zusammenarbeit beraten. So ging es beispielsweise um ein Kontaktstudium in Hermannstadt, Ökumene Semester in Hermannstadt und um Werbung für den Sprachkurs zum Erlernen der deutschen Sprache für Studenten der lutherischen Kirche in Russland.

Die Kirche in Siebenbürgen hat 12.000 Mitglieder in 240 Gemeinden. Allerdings ist nur in 30 von ihnen jeweils ein Pfarrer und viele Gemeinden haben nur um die 20 Mitglieder, die von Kuratoren betreut werden.

Nach diesem Treffen ging es ins Theologische Institut, die Ausbildungsstätte der Kirche AB in Rumänien. Dort hielt der Bischof einen Vortrag über Das „Lutherische Spezifikum und die Ökumene“ vor einem gut besuchten Auditorium. Hinterher gab es ein intensives Echo der Teilnehmenden. Dr. Rentzing schilderte die konfessionellen Schwerpunkte als Gaben Gottes in der Ökumene, die wir miteinander teilen können. Dabei bezog er sich besonders auf die lutherischen Spezifika Rechtfertigung und Realpräsenz. Gerade durch die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre vor 20 Jahren sei es gelungen, diese Gabe lutherischer Erkenntnis zu teilen.

Im anschließenden Gespräch wurde das künftige Projekt Kompetenz-Zentrum Evangelische Theologie vorgestellt. Hier sollen die Aus- und Weiterbildung, die Beschäftigung mit der Orthodoxie und die Integration in die Zivilgesellschaft Schwerpunkte sein. Insbesondere auch ausländische Theologiestudierende sind hier noch Hermannstadt eingeladen.

Am Nachmittag führte die Leiterin des Friedrich-Teutsch-Bildungs- und Kulturzentrums, Dr. Gerhild Rudolph, durch die Altstadt von Hermannstadt. Im Kulturzentrum besuchte die Gruppe eine Ausstellung zur Geschichte der Siebenbürger Sachsen sowie das Landeskirchenarchiv, in dem nahezu alle Akten der Kirchgemeinden aufbewahrt werden.

Am Abend gab es einen Empfang im Bischofsamt. Hier gab es wieder vielfältige Gelegenheit zum Gespräch und Austausch. Ökumene-Referentin Elfriede Dörr berichtete beispielsweise über Fridays for future in Sibiu.

Drei Mädchen haben es geschafft, mit ihren Forderungen für eine entschlossenere Klimapolitik in den streng bewachten abgesperrten Ring einzutreten und diese "an den Mann" zu bringen.

Machen Sie das Klima zur Priorität!

Legen Sie verbindliche Ziele für Europa fest, um der Klimakrise zu begegnen!

Handeln Sie für unsere Zukunft!

Das forderten Anuna De Wever (17) aus Belgien, Paula Dörr (13) aus Rumänien, Luisa Neubauer (23) aus Deutschland (v.l.n.r.). Sie vertraten Schüler und Studierende der "Fridays for Future" Bewegung aus mehreren Ländern, die zum informellen EU-Gipfel der europäischen Staatschefs am 9. Mai 2019 in Hermannstadt eintrafen, um sich Gehör zu verschaffen, mit einem Streik und einem Offenen Brief mit 17.000 Unterschriften. 

Beachtlich war, dass diese jungen Menschen das Streikverbot zwar hingenommen, dann aber hartnäckig Alternativen ausgelotet haben, um ihre Anliegen zu vertreten:

Als "Fridays for Future"-Bewegung haben sie sich dem (genehmigten) Protest von Greenpeace angeschlossen; sie haben ihre Anliegen am Großen Ring gesungen; sie haben durch eine virtuell geführte basisdemokratische Entscheidungsfindung eine dreiköpfige Delegation bestimmt, die die Anliegen schließlich im Gespräch mit 9 der 27 Staatspräsidenten (im Bild mit Emmanuel Macron aus Frankreich) noch einmal "nach vorne" bringen konnte.


Fahrt nach Kronstadt (Brașov) über Freck und Kerz

Nach dem Frühstück ging die Fahrt am Dienstag unter Begleitung von Hauptanwalt (HA) Friedrich Gunesch nach Kronstadt (Brașov) im Südosten Siebenbürgens. Auf dem Wege, gleich hinter Sibiu wurde eine Pause in der Brukenthal’schen Sommerresidenz in Freck (Avrig) eingelegt. Es ist ein touristischer Wirtschaftsstandort, an dem in einer Stiftung auch die Kirche beteiligt ist. Das Anwesen wurde wieder der evangelischen Kirche überschrieben, das sie Anfang des 20. Jahrhunderts erwarb.

Nächste Station ist das Kloster Kerz, eine ehemalige Zisterzienserabtei in Siebenbürgen liegt ebenfalls noch unweit von Hermannstadt und ist heute eine Ruinenanlage.

Vom östlichsten Zisterzienserkloster zu einem orthodoxen Kloster schon in der Nähe von Brașov bedeutete auch eine Fahrt von der lateinischen Welt zur Orthodoxie. Hier im Kloster Sâmbăta de Sus im Fogarascher Land, dem wohl wichtigsten rumänisch-orthodoxe Wallfahrtsort in Siebenbürgen wurde die Gruppe vom Abt des Klosters empfangen. Das Kloster hatte eine wechselvolle Geschichte und musste nach dem Verfall neu errichtet werden. Die Wiedereinweihung erfolgte 1993.

Die Fahrt ging weiter in Richtung in Kronstadt.  Im Burzenland bezog die Delegation in Begleitung von Hauptanwalt Friedrich Gunesch im Erholungsheim Wolkendorf Quartier.

Das am Fuß der Karpaten gelegene Wolkendorf ist mit knapp hundert Seelen eine eher kleine Gemeinde. Von Wolkendorf aus werden jedoch auch die beiden Kirchengemeinden Weidenbach und Neustadt im Burzenland betreut.
In dem ruhig gelegenen Ort befindet sich das landeskirchliche Erholungsheim. Hier finden in entspannter Atmosphäre Seminare oder Gruppenaufenthalte statt. Hier werden täglich aus der eigenen regionalen Küche angeboten. Neben den Gästezimmern befindet sich im hinteren Bereich ein Neubau mit Tagungssaal und Foyer.


Roma-Kirche, Projekte, Kirchenburg und ein Zentrum der Reformation

Am Mittwoch, 15. Mai, stand der Besuch bei der Volkskirche der Roma in Sacele bei Kronstadt auf dem Programm. Der Vormittag diente dem gegenseitigen Kennenlernen. In einem ausführlichen Gespräch stellte der Leiter, Pastor Vasile Ghica, seine Kirche vor. Neben den vielen praktischen Projekten der Zusammenarbeit wurden auch theologische Fragen besprochen. Seit vielen Jahren unterstützt der Verein Projekt Leben e.V. Lauterbach bei Stolpen diese Kirche. Am Nachmittag wurde die Romasiedlung in Budila und das dortige Projekt Hausaufgabenhilfe besucht.

Für dieses Projekt wurde gerade in der sächsischen Landeskirche wiederholt gesammelt, zuletzt  im Rahmen von „Hoffnung für Osteuropa“ 2017/18. Die Kinder werden nachmittags von Lehrerinnen der Schule und weiteren Mitarbeiterinnen betreut. Viele, die vorher nur selten oder nie ihre Hausaufgaben erledigten, arbeiten deutlich besser mit in der Schule. Sie erleben Lernerfolge, die sie zu weiteren guten Leistungen motivieren, ist der Besuchergruppe erzählt worden.

Der größte Teil der Roma-Minderheit lebt materiell und sozial am Rand der Gesellschaft. Für die Kinder sind gute Leistungen sehr wichtig, um später den Kreislauf aus mangelnder Bildung, Armut und Chancenlosigkeit verlassen zu können. Die Spenden werden auch weiterhin benötigt, um das Personal und die Betriebskosten für die Räume zu bezahlen.

Von dort aus ging es weiter zur berühmten und gut erhaltenen Kirchenburg Honigberg mit ihren sieben Wehrtürmen. Der Mauergürtel umfasst eine alte Kapelle aus dem frühen 14. Jahrhundert mit der Kapellenausmalung des Turms.
Nach dieser Besichtigung stand die Schwarzen Kirche in Kronstadt auf dem Programm. Dieser große gotische Hallenbau war und ist Zentrum nach der Reformation für die siebenbürgische Bevölkerung und der Kirche A.B. in Rumänien.   

Nach einer Stadtbesichtigung von Kronstadt ging es zurück nach Wolkendorf.

Schäßburg, Diakonie und Strukuren in Stadt und Land

Am Donnerstag widmete sich die Reisegruppe mit jeweils kurzen Stippvisiten mehreren Handlungsfeldern der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien. Zum Thema Diakonie wurde dem Altenheim in Schweischer (Fișer), das von der Landeskirche betrieben wird, ein Besuch abgestattet. Danach führte die Reise nach Schäßburg (Sighișoara). Dort konnte mit dem Besuch einer stationären Altenpflege, die den Namen "Pflegenest" trägt, ein Projekt des dortigen Kirchenbezirks besucht werden.

Ebenfalls in Schäßburg führte der Landesbischof mit Dekan Bruno Fröhlich ein Gespräch zu Leitungsaufgaben und Strukturen der Kirche sowie zur Situation der Ökumene in Rumänien. Im kleinen Dorf Trappold (Apold) kam es zu einer Begegnung mit dem Ortspfarrer Johannes Halmen und dem Denkmalpfleger Sebastian Bethge von der Stiftung Kirchenburgen. Dabei wurde die dortige Kirchenburg besichtigt, die derzeit im Rahmen eines  EU-Projektes saniert wird. Hier konnte die Arbeit der Stiftung an einem guten Beispiel wahrgenommen werden.

In dieser Region (Harbach-Tal) gibt es viele Kleinstgemeinden mit unter 50 Gemeindegliedern. Den Abschluss der Tagestour bildete dort ein Besuch in der 35 Kilometer vor Hermannstadt gelegenen Gemeinde Alzen (Alțâna). Dort stand das Thema "Leben in der dörflichen Diaspora" auf dem Programm. Die Kuratorin Rosemarie Müller berichtete eindrucksvoll vom Leben der kleinen Dorfgemeinde.

Mit hohem Engagement wird hier das gottesdienstliche Leben gepflegt. Die Kuratorin ist zugleich Lehrerin an der örtlichen Schule. Sie bindet auch Roma-Kinder in dieses Leben mit ein. In einem gemischten Kinderchor werden zum Beispiel die Weihnachtsgottesdienste gestaltet. Damit stellt sich auch die Frage, inwieweit sich die evangelische Kirche Siebenbürgens der Mehrheitsbevölkerung von Rumänen und Roma öffnen kann.

Das fünftägige Besuchsprogramm endete mit einem gemeinsamen Abendessen mit Bischof Reinhart Guib, Ökumenereferentin Elfriede Dörr und Hauptanwalt Friederich Gunesch. Bei diesem Essen wurden die Eindrücke der Reise ausgewertet und über die Weiterentwicklung der partnerschaftlichen Beziehungen gesprochen. Die Ideen sollen in den jeweiligen Gremien der beiden Kirchen beraten und in einen "letter of intent" (Absichtserklärung) festgehalten werden.

Dabei ist das, was an Partnerschaftsaktivitäten teils schon seit vielen Jahren geschieht, zu würdigen. Neue Projekte, beispielsweise Studium und Ausbildung, sollen im Rahmen der partnerschaftlichen Beziehungen gefördert werden. Landesbischof Dr. Rentzing brachte seine Hochachtung für die gastgebende Kirche zum Ausdruck und dankte für die herzliche Gastfreundschaft. Das Vertrauen in den lebendigen Gott sei die entscheidende Motivation, um mit Hoffnung und Mut in die Zukunft zu gehen. Der Herr wird seine Kirche führen, so der Landesbischof. 

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