English site
Alle Nachrichten

Nachricht

Bereich

Begegnungstag für Aussiedler in Werdau


14. September 2025

Leitspruch: „Ich singe Dir mit Herz und Mund“

WERDAU - Die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens hatte am gestrigen Sonnabend, 13. September, zum Begegnungstag für Aussiedler ins westsächsische Werdau im Kirchenbezirk Zwickau eingeladen. Deutlich über 600 Teilnehmende versammelten sich in der Werdauer Marienkirche, die musikalisch vom Chor der Marienkirche Werdau mit „Danket dem Herrn“ sowie von der Ortspfarrerin Maria Grüner, von Superintendent Harald Pepel (Zwickau) und vom Werdauer Oberbürgermeister Sören Kristensen begrüßt wurden.

Der Aussiedlertag sei ein wichtiger Tag für die Landeskirche, sagte Superintendent Pepel. Nach dem Verlust der Heimat solle dieser Anlass die Menschen zusammenführen. So wie er, der ursprünglich aus Rumänien ausgesiedelt war, verstünde er das Gefühl von zwei Heimaten. Aber, der Glaube verbinde einander und Gott begleite die Wege von Heimat zu Heimat. Er dankte der Kirchgemeinde und allen Unterstützern für die Vorbereitung dieses Tages.

Oberbürgermeister Sören Kristensen freute sich über den Tag vor der fast 700-jährigen Geschichte der Stadt Werdau, in der es seit den ersten slawischen Siedlern immer Zuzüge gegeben habe. Jetzt lebten Menschen aus 68 Nationen in der Stadt. Durch die Begegnung mitten in der Stadt, sei an einem solchen Tag das Wichtigste der Austausch von Menschen untereinander. Zudem verwies er auf die Ausstellung im Rathaus, die über die Vergangenheit und das Schicksal der Russlanddeutschen Auskunft gebe.

Oberlandeskirchenrat Dr. Thilo Daniel aus Dresden bezog sich in seiner Predigt auf den Kolosserbrief im dritten Kapitel und griff die Analogie des Apostels Paulus zur Kleidung auf. Menschen trügen an diesem Tag entweder eine Tracht, oder seien sportlich oder festlich gekleidet. Die antike Kleidung seien weite Gewänder gewesen, zeitlos und bequem. Zu dieser Kleidung passe Herzlichkeit und Erbarmen, Demut, Freundlichkeit und Geduld zueinander. „Wenn sich das durchsetzen würde, wäre es leichter für uns“, sagte er. Dann bräuchte es kein „drängeln, kein Streit, kein Krieg“.

Einander zu ertragen, sich einander zu vergeben und Toleranz zu üben, sei anstrengend, aber das könne in der Verbindung zu Jesus Christus gelingen, wenn die Liebe über das Miteinander liege. Ziehet an die Liebe und seid dankbar. Denn das könne vor gegenseitigen Verletzungen bewahren. „Lasst uns in der Kirche anfangen und in die Gesellschaft wirken, gerade in einer Zeit der Kriege, wo häufig der Angriff gesucht wird“, sagte Dr. Daniel. Jesus wolle keine Gewalt. Denn es heißt im Bibeltext: „Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen. Lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit; mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern…“   

Anschließend wurde nach einem Chor- und Gemeindelied die Referentin für Ökumenische Beziehungen der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens, Monika Schweikart, vorgestellt, die an der Vorbereitung auf den Aussiedlertag beteiligt war. Während des Liedes wurde die Kollekte für die Arbeit der Gustav-Adolf-Werkes eingesammelt, dass Christen in Mittel- und Osteuropa in baulichen und sozialen Projekten unterstützt.
Nach dem Segen leitete der Kalinka-Chor, ein Aussiedlerchor aus Weißwasser, zu weiteren Grußworten über. So stellte sich Dr. Jens Baumann, Beauftragter für Vertriebene und Spätaussiedler des Freistaats Sachsen, vor.

Er dankte der Landeskirche für die lange vertrauensvolle Zusammenarbeit in der Aussiedlerarbeit und den vielen Besuchern für ihr Kommen. Er wisse darum, dass viele Steine in den Verfahren bei der Eingliederung in den Weg gelegt worden waren. „Aber, Sie haben trotzdem etwas daraus gemacht“, sagte er. Trotzdem blieben Schwierigkeiten, wie die Frage von Altersarmut. Er hoffe, auf bessere Regelungen, denn „Sie seien Vorbild für viele, die heute herkommen und Mitgestalter der Gesellschaft“. So sehe er sie auch als „Brücke“ zu den Menschen in östlichen Ländern. Er verwies darauf, dass mittlerweile zwischen 100.000 und 150.000 Spätaussiedler in Sachsen leben würden.

Karl-Heinz Wohlgemuth als Vertreter des Zwickauer Landrats Carsten Michaelis hieß die Aussiedler auf dem Begegnungstag willkommen, der zum zweiten Mal im Landkreis stattfindet. Auch er finde es gut, dass die Kirche ein solches Treffen mit Menschen in der Gegenwart begleitet, die eine gemeinsame Vergangenheit hätten. So habe es inzwischen in verschiedenen Orten Sachsens solche Treffen gegeben, was mittlerweile Tradition habe. Den Gottesdienstbesuchern sprach er Mut zu durch „Gott als unsere Zuversicht und Stärke“. Wohlgemuth und Dr. Baumann nahmen nach dem Gottesdienst offenbar mit großem Interesse an den zahlreichen Angeboten auf dem Markt teil und verfolgten das Programm auf der zentralen Bühne.

Vielfältiges Programm an mehreren Orten

Wie in der Vergangenheit gab es auch in diesem Jahr ein vielfältiges Programm für Kinder und Erwachsene auf dem Markt. Dort war auch die Bühne zu finden, der Markt der Möglichkeiten mit verschiedenen Ständen von Initiativen und Vereinen sowie das Festzelt u.a. für die Verpflegung der teilnehmenden Gäste.
Zudem konnte im Rathaus eine Ausstellung über das religiöse Leben der Russlanddeutschen besucht werden. Das Bühnenprogramm auf dem Markt mit Chören und Tanzgruppen begann mittags. Gleichzeitig wurden Rathausturmbesteigungen sowie Stadtführungen angeboten.

Schon während des Essens in den beiden Verpflegungszelten mit Bortsch oder Kürbissuppe sowie Schaschlik begann das Bühnenprogramm mit dem Chor Expression (Kreativzentrum OMNIBUS Dresden) unter Leitung von Irina Schilling. Die Programmvielfalt war dichter als sonst und am Ende tanzte die Gruppe des Zusammenleben e.V. aus Torgau auf heißen Kohlen, weil sie noch einen Anschlusstermin im fernen Lippstadt hatten. Ebenso traditionell war auch wieder der Chor Rjabinuschka aus Markkleeberg und der Kalinka-Chor Weißwasser e.V. Dem schlossen sich Kinder- und Jugendensembles und mehrfach die Kindergruppe Wolschanka an. Eine Besonderheit und damit eine Öffnung des Programm stellte der Besuch des Chores der südkoreanischen Evangelischen Gemeinde aus Dresden dar. Die professionellen Instrumentalisten, Sängerinnen und Sänger begeisterten das Publikum. Zum ersten Mal stand ein Gesangsensemble von der ukrainischen Gemeinschaft in Werdau (Verein WDA UA e.V.) auf der Bühne, die ebenfalls mit Beifall bedacht wurde. Kirchenmusikdirektor Hannes Sonntag stellte das Projekt der Landeskirche, „Singend im Glauben wachsen“ vor und die Bedeutung der Kirchenmusik in Sachsen mit ihren zahlreichen Gruppen und Kreisen.

Nach einem gemeinsamen Abschluss mit Reisesegen an der Bühne auf dem Markt endete am Nachmittag der Begegnungstag. Viele PKW und neun Busse machten sich wieder auf die Heimreise in verschiedene Orte Sachsens.
Die Kirchgemeinde, die Stadt Werdau, der Landkreis Zwickau, die Diakonie und der Kirchenbezirk unterstützten den Begegnungstag als Kooperationspartner. Der Freistaat Sachsen förderte diese öffentliche Veranstaltung.

Zum Hintergrund: Begegnungstag und Aussiedlerarbeit

Der Begegnungstag für die in Sachsen lebenden Spätaussiedler hat eine lange Tradition. Seit 1996 fand einmal im Jahr ein solches Treffen an unterschiedlichen Orten auf dem Gebiet der sächsischen Landeskirche statt – nur während des Hochwassers 2002 und während der Coronapandemie wurde er jeweils abgesagt. Der Begegnungstag im letzten Jahr fand im mittelsächsischen Roßwein statt, zu dessen Auftakt auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer gekommen war.

Seit der Friedlichen Revolution 1989 sind über 2,5 Millionen Aussiedlerinnen und Aussiedler, vorwiegend aus der ehemaligen Sowjetunion, nach Deutschland gekommen. Über 43 Prozent gaben an, evangelisch zu sein.

Dabei lagen die Hauptzuzugsjahre in den 1990er und zu Beginn der 2000er Jahre. Danach gingen die Zahlen der Zuzüge nach Sachsen bei den Spätaussiedlern deutlich zurück und lagen zwischen 100 und 350 Personen pro Jahr.

Aussiedlerarbeit der sächsischen Landeskirche:  https://www.evlks.de/handeln/migration-und-integration/aussiedler 

vier Frauen in traditionellen Trachten
Pfarrerin und Superintendent bei einem Gottesdienst
Pfarrerin Grüner und Superintendent Harald Pepel begrüßten die Besucher
volle Kirchenbänke in einer Kirche
Oberlandeskirchenrat Dr. Thilo Daniel hält eine Predigt
Oberlandeskirchenrat Dr. Thilo Daniel predigt
drei Besucher des Gottesdienstes
Karl-Heinz Wohlgemuth; Dr. Jens Baumann; Sören Kristensen
zehn Chorsängerinnen in einer Kirche
Kaffeeausschank und Grillstation
der Chor Expression aus Dresden
Zuschauer vor einer Bühne auf dem Markt
Kindertanzensemble und eine Sängerin auf der Bühne
Kindertanz-Ensemble und Ukraine-Sänger auf der Bühne
koreanischer Chor auf einer Bühne
Magnifica Tanzgruppe
Chor Kalinka wartet auf Auftritt und ein Mann und eine Frau laufen mit Bauchladen durch die Menschenmengen
Chor Kalinka wartet auf Auftritt und Kirchenbezirk Zwickau im Bauchladen

Teilen Sie diese Seite