Was bleibt, bewegt!
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Der Friedhof ist ein Ort, an dem sich die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verbinden. Wie ein Geschichtsbuch bewahrt er die Erinnerung an einzelne Menschen, die Lebensgeschichten ganzer Familien und die Geschichte des Ortes. Mit seinen liebevoll gestalteten Grabanlagen, kunstvollen Grabmalen und den Gräbern vieler besonderer Persönlichkeiten spiegelt der Friedhof auch die Kunst- und Kulturgeschichte wieder und macht sie für alle Menschen gleichermaßen zugänglich.
In besonderer Weise ist der Friedhof ein Ort für die Lebenden, mit denen er sich stetig verändert, der bewegt. Für Trauernde ist er ein Ort, der tröstet und berührt. Wie sich das Laub der oft uralten Bäume und die Bepflanzung der Gräber im Jahreslauf wandeln, so bietet jeder Friedhof die Möglichkeit, sich ändernden Gedanken und Gefühlen einen geschützten Raum zu geben. Er ist Ruheoase und Begegnungsstätte. Und mit den Menschen und ihren Bedürfnissen verändern sich auch der Friedhof und die Bestattungskultur. Was bleibt, ist der Friedhof als ein offener Ort, der für alle Menschen zugänglich ist.
Für Christinnen und Christen ist der Friedhof auch ein Ort der Hoffnung. Nach christlichem Glauben endet das Leben nicht an den Gräbern. Deshalb heißt der letzte Sonntag im Kirchenjahr auch "Ewigkeitssonntag". Danach beginnt mit dem Advent das neue Kirchenjahr. In der Adventszeit leben wir in der Hoffnung auf das neue Leben, das mit Jesus Christus beginnt.
Zu dem Materialien (wird ständig erweitert).
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Friedhöfe in Sachsen
Eine Besonderheit Sachsens ist, dass hier die Mehrzahl aller Friedhöfe in kirchlicher Hand ist. So befinden sich über 1.200 Friedhöfe in Sachsen in der Trägerschaft innerhalb der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens. Das sind etwa 65 % aller im Freistaat Sachsen vorhandenen Bestattungsplätze. Hinzu kommen Friedhöfe im Bereich der anderen evangelischen Kirchen sowie der katholischen Bistümer auf dem Gebiet des Freistaates. Etwa 25 % der sächsischen Friedhöfe sind in kommunaler Trägerschaft.
In Sachsen gibt es in fast allen Dörfern, Städten und Stadtteilen einen Friedhof, der für jede und jeden gut erreichbar ist. Diese Friedhöfe stehen allen Menschen offen und sind sieben Tage in der Woche geöffnet. Jeder Friedhof ist individuell gestaltet. Für eine Beisetzung kann man sich einen Friedhof frei wählen. Für eine Beisetzung auf einem kirchlichen Friedhof ist keine Zugehörigkeit zur Kirche erforderlich.
Der Friedhof ist ein Ort des Lebens. Er ist ein Ort für die Lebenden, für ihre Trauer und zu ihrem Trost. Er bietet Raum für Menschen in schweren Lebenssituationen. Zum Leben gehört auch die Erinnerung, an die Generationen die vorher an diesem Ort gelebt haben.
Der Friedhof ist ein Ort, der für Trauernde da ist. Hier kommen Menschen zusammen, um in Würde von einem Verstorbenen Abschied zu nehmen. Aber hier kann auch jede/r Einzelne für sich den Raum und die Ruhe zum individuellen Trauern finden.
Die Friedhöfe sind auf vielfältige Weise ein Zeugnis der sächsischen Kultur. Auf ihnen sind Gräber von vielen bedeutenden Persönlichkeiten zu finden: Schriftsteller, Musiker, Komponisten, Künstler. Friedhöfe sind Orte, an denen auch die Familien- und Ortsgeschichte lebendig wird. Die oft kunstvoll gestalteten Gräber, Grabanlagen und Denkmäler sind Zeugnisse der jahrhundertealten Handwerkskunst in Sachsen.
Friedhöfe liegen oft direkt neben der Kirche oder inmitten von Ortschaften. So sind sie ein zentraler Platz für Begegnungen. Im geschützten Raum trifft man auf Menschen in einer ähnlichen Situation. Begegnung kann aber auch unabhängig von einem Trauerfall gelingen, bei einer ornithologischen Führung, bei einem Konzert oder an Gedenk- und Feiertagen.
Friedhöfe halten die Erinnerung an Verstorbene und ihre Zeiten lebendig. Sie erinnern an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft oder an lokale Ereignisse, die für eine Gemeinde oder eine Region von Bedeutung waren und bleiben. Sie sind damit Bestandteil einer würdigen Erinnerungskultur.
Gerade in lärmenden Großstädten ist der Friedhof eine grüne Oase der Ruhe. Hier können Menschen zwischen uralten Bäumen und gepflegten Grabanlagen die Natur genießen. Aber auch im ländlichen Raum ist der Friedhof ein besonderer Ort, herausgenommen aus der ihn umgebenden Geschäftigkeit.
Inmitten des allgegenwärtigen schneller – weiter – höher ist der Friedhof ein Ort, der zum Verweilen, zur Innerlichkeit, zum konzentrierten Betrachten und Nachdenken einlädt. Er bietet Raum hineinzugehen. Man kann ihn aber auch wieder verlassen: getröstet, gestärkt, unfertig und verletzlich.
Der Friedhof ist Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Ruhige Nutzung und Schutz durch Umfriedung machen ihn zu einem wichtigen Trittstein im Naturverbund. Insbesondere für Vögel und Insekten ist er ein geschützter Lebensort. Gerade in unseren Städten haben Friedhöfe mit ihrem Baumbestand eine wichtige Funktion für das Stadtklima.