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Dialogforum diskutierte über Corona


01. Oktober 2025

Atmosphäre von Offenheit und respektvollem Zuhören

COSWIG - Die Corona-Pandemie hat tiefe Spuren in der Gesellschaft hinterlassen. Um über diese Brüche und die Lehren für die Zukunft zu diskutieren, hatte die Initiative #VerständigungsOrte am Montag, 29. September, in die Börse Coswig zum Dialogforum „Corona – und jetzt? Konsequenzen für Politik und Zusammenhalt“ eingeladen. Bürgerinnen und Bürger kamen dabei mit prominenten Gästen wie der Sängerin Stefanie Hertel, der sächsischen Justizministerin a. D. Katja Meier (MdL), dem Diakonie-Präsidenten Rüdiger Schuch und dem Rechtsanwalt Christoph Apitz, Vizepräsident der sächsischen Landessynode, ins Gespräch.

Rüdiger Schuch, Präsident der Diakonie Deutschland, hob die Bedeutung der Zusammenarbeit, insbesondere zwischen den in einer Pandemie gefragten Berufsgruppen, hervor: „Entscheidend ist, dass die Fachleute aus unterschiedlichen Professionen künftig enger zusammenarbeiten, um die Gesamtsituation besser einschätzen und bewältigen zu können.“ Mit Blick auf während der Pandemie entstandene und bis heute nachwirkende gesellschaftliche Spannungen betonte Schuch: „Wir müssen stärker beachten, welche Folgen eine solche Ausnahmesituation für Kinder und Jugendliche und ihre Entwicklung hat. Und wir dürfen nicht vergessen, was es für Angehörige bedeutet, wenn sie einen geliebten Menschen auf seinem letzten Weg nicht begleiten dürfen, und was es bedeutet, wenn Menschen allein und ohne Begleitung sterben. Niemand sollte jemals wieder allein sterben müssen.“

Sängerin Stefanie Hertel machte deutlich, wie wichtig gegenseitiges Zuhören ist: „Jeder Mensch hat andere Bedürfnisse. Daher sind auch nicht jedes Gesetz und jede politische Entscheidung für alle gleich richtig. Doch statt nur darüber zu meckern, ist es wichtig, ins Gespräch zu kommen, um die verschiedenen Meinungen zu verstehen. Gegenseitiger Respekt und Akzeptanz spielen dabei eine große Rolle. Lasst uns miteinander reden und einander zuhören. Schweigen und fehlende Gesprächsbereitschaft machen nichts besser. Das Unausgesprochene erschwert jede Chance der Annäherung. Im Dialog können wir so herausfinden, was wir gemeinsam besser machen können.“

Justizministerin a.D. Katja Meier ergänzte: „Die Corona-Pandemie hat alle Teile der Gesellschaft vor besondere Herausforderungen gestellt. In einer solchen Ausnahmesituation ist es wichtiger denn je, dass die Regierung transparent kommuniziert und die Bürgerinnen und Bürger in den Prozess der Entscheidungsfindung einbezieht.“

#VerständigungsOrte seien Räume, „in denen wir ehrlich und respektvoll über gesellschaftliche Brüche und Konflikte sprechen können. Gerade in der Corona-Pandemie haben solche Orte oft gefehlt“, so Meier. Sie warb aber auch um Verständnis, da in dieser Zeit Woche für Woche Entscheidungen hätten getroffen werden müssen, die Schutz ermöglichten und zugleich mit schmerzlichen Einschränkungen verbunden gewesen seien. Es habe so viele Verordnungen gegeben, die wirklich Absatz für Absatz, Komma für Komma durchgegangen worden seien. „Wir haben uns das wirklich nicht einfach gemacht. Es sind Fehler passiert“, sagte die frühere Justizministerin.

Der den Coronamaßnahmen gegenüber kritisch eingestellte Rechtsanwalt Christoph Apitz betonte die Verantwortung des Staates: „Der Staat muss in Gefahrensituationen nüchtern analysieren, statt Panik zu verbreiten und Ängste zu schüren. Er muss die Grundrechte achten, zuhören und vermitteln, statt zu spalten, auszugrenzen und zu diffamieren.“ Er beklagte die Spaltungen in der Gesellschaft, die er auch in der eigenen Familie erlebt habe, und plädierte für mehr Gelegenheiten, unterschiedliche Positionen miteinander ins Gespräch zu bringen. Solche Gespräche miteinander seien unabdingbar.

Der Moderator des Abends, der Theologe und freie Reporter Andreas Roth, brachte die auseinander liegenden Perspektiven der Podiumsgäste in einen aufmerksamen und konstruktiven Austausch. Im Anschluss tauschten sich die Teilnehmenden in einstündigen Kleingruppengesprächen über ihre Erfahrungen während der Pandemie aus und diskutierten, welche Lehren für Politik und Gesellschaft gezogen werden können.

Die Teilnehmenden – von deutlichen Coronakritikerinnen bis dezidierten Maßnahmenbefürwortern, von jungen Menschen bis Senioren – konnten in den darauffolgenden Tischgesprächen in kleinen Runden ihre persönlichen Geschichten erzählen. Trotz deutlicher Meinungsunterschiede war die Atmosphäre von Offenheit und respektvollem Zuhören geprägt.

Am Ende des Dialogforums hielten die Teilnehmenden Wünsche für das zukünftige gesellschaftliche Miteinander auf einer „Hoffnungswand“ fest, zum Beispiel „Mut zum Aushalten“, „Beziehung vor Sache“, „Mehr Gelassenheit“, „Unbedingtes Lernen aus allen Erfahrungen“, „Meinungsfreiheit“, „Mut, Fehler einzugestehen“, „Hilfe und Anerkennung für Betroffene“, „Selbst entscheiden dürfen“, „Allen zuhören wollen“, „Prävention“ und „Mehr miteinander ins Gespräch gehen“.

„Trotz der gesellschaftlich aufgeheizten Stimmung konnten sehr unterschiedliche Perspektiven zur Pandemie zu Wort kommen“, resümierte Dr. Harald Lamprecht, Weltanschauungsbeauftragter der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens und Mitorganisator des Abends. „So entstand ein Raum für offenen und respektvollen Austausch, in dem die Menschen auch weit auseinanderliegende Meinungen aushielten und einander ehrlich zuhörten.“
Der Abend zeigte: Auch bei brisanten Themen sind Dialog und Verständigung möglich.

Zum Dialogforum eingeladen hatten die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), die Diakonie Deutschland, die evangelische Zukunftswerkstatt midi, die Evangelische Akademie Sachsen sowie die Diakonie Sachsen. Das Forum ist Teil der Initiative #VerständigungsOrte, die von EKD, Diakonie Deutschland und der Zukunftswerkstatt midi getragen wird. Ziel ist es, Räume für gesellschaftlichen Dialog zu schaffen und aktuelle Konfliktthemen offen zu diskutieren. 

https://www.mi-di.de/verstaendigungsorte 

Teilnehmende im Gespräch beim Stationenweg
(v. l. n. r.: Stefanie Hertel, Christoph Apitz, Rüdiger Schuch, Katja Meier, Andreas Roth)
Rüdiger Schuch im Gespräch beim Stationenweg

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