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Lebendige Geschichte: Ein Abend über die lesenden Nonnen von Freiberg


10. Februar 2026

DRESDEN - Dass Bibliotheken Orte lebendiger Geschichte sind, bewies der vergangene Freitagabend eindrucksvoll. Bis auf den letzten Platz gefüllt war die neugestaltete Bibliothek der Landeskirche auf der Lukasstraße in Dresden. Anlass war der Vortrag »Schätze und Geschichten aus der Klosterbibliothek des Magdalenerinnenklosters in Freiberg«.

Einblicke in eine vergangene Welt

Die Referentin Dr. Johanna Liedke, die Kunstgeschichte, Theologie und Bibliothekswissenschaft studiert hat, nahm das Publikum mit auf eine Zeitreise in das 15. und 16. Jahrhundert. Im Mittelpunkt standen die erhaltenen Bücher des Freiberger Magdalenerinnenklosters. Liedke machte deutlich: Das Kloster war für Frauen damals eine der wenigen Möglichkeiten, Bildung zu erwerben und unabhängig von einer Ehe versorgt zu leben. Die Nonnen durchliefen eine fünf- bis siebenjährige Klosterschule, beherrschten Fremdsprachen und setzten sich intensiv mit theologischen Inhalten auseinander.

Bücher als Zeugen der Reformation

Von den einstigen Beständen befinden sich heute 49 Bände in der Bibliothek der Landeskirche. Anhand von siebenOriginal-Exponaten zeigte Dr. Liedke, was die Frauen bewegte: Predigtreihen, Scholastik und kirchenrechtliche Abhandlungen gehörten ebenso dazu wie theologische Streitfragen, etwa zur unbefleckten Empfängnis Marias. Handschriftliche Vermerke in den Büchern belegen, dass die Texte nicht nur gelesen, sondern teils lautstark bei Tisch diskutiert wurden.

Auch die politischen Umbrüche der Reformationszeit spiegeln sich in der Geschichte des Konvents wider. Während einige Nonnen, wie Ursula von Münsterberg, spektakulär flohen, standen viele vor der existenziellen Frage: Konversion zum evangelischen Glauben oder Landesverweis? Da ein Leben ohne Ehe oder Beruf kaum Absicherung bot, blieben die meisten.

Bildung damals wie heute

Der Abend machte das Landeskirchenamt für kurze Zeit selbst zu einem »Frauenort«. Er zeigte, dass Bildung, das »Selber-Lesen« und »Selber-Denken« damals wie heute entscheidend für die eigene Urteilsbildung sind. Die Veranstaltung bildete den Auftakt einer Reihe, die im Laufe des Jahres an verschiedenen Orten das Leben und Wirken von Frauen in den Fokus rücken wird.

Weitere Termine der Veranstaltungsreihe.

Foto: Kathrin Wallrabe
Foto: Kathrin Wallrabe

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