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Pilgerweg für Klimagerechtigkeit gestartet
26. September 2025
Dem Auftrag zur Bewahrung der Schöpfung verpflichtet
DRESDEN - Nach einem Aktionstag und einem Entsendegottesdienst am 25. September in der Dresdner Kathedrale startete heute der 9. Ökumenische Pilgerweg seine 300 Kilometer lange Route. Sie führt über 13 Etappen bis zum 10. Oktober über Bischofswerda und Görlitz bis ins polnische Walbrzych (Waldenburg). Der Pilgerweg wird vom Polnischen Ökumenischen Rat und der Pilgerbasis Paris 2015 gemeinsam mit regionalen Partnern organisiert und von katholischen und evangelischen Kirchen in Deutschland und Polen unterstützt.
Im abendlichen Ökumenischen Festgottesdienst mit Bischof em. Joachim Reinelt in der Kathedrale wurden u.a. zehn Jahre Ökumenischer Pilgerweg für Klimagerechtigkeit und das damalige Pariser Klimaschutzabkommen gefeiert sowie Christinnen und Christen für ihr Engagement und Einsatz gedankt. Im Gottesdienst, an dem auch Landesbischof Tobias Bilz teilnahm, wurden die Pilger auf den am 26.September beginnenden Weg feierlich entsendet. Altbischof Reinelt begrüßte die Pilger und verwies auf die Schönheit der grünen Stadtlandschaft und der grünen Umgebung mit der Sächsischen Schweiz. Diese Betrachtung führe zum Wunsch und Anliegen, die Natur zu erhalten.
Synodalpräsidentin Bettina Westfeld, Schirmherrin des diesjährigen Pilgerwegs, ermutigte in ihrem Grußwort die Teilnehmenden, sich auf den Weg zu machen, was auch für jeden persönlich neue Perspektiven eröffne. Viele Hoffnungen hätten sich mit dem Pariser Klimaabkommen verbunden, aber die Themen seien weiterhin auf der Tagesordnung. Mit dem Pilgerweg für Klimagerechtigkeit seien wir verbunden mit den Geschwistern weltweit. Für sie sei es eine Ehre, die Schirmherrschaft für den Pilgerweg zu übernehmen. Sie verwies auf das Anliegen der Ökumenischen Versammlung nach Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung, das gerade heute besonders wichtig sei. Sie plädierte weiter voranzugehen, um in der gemeinsamen Suche nach Gott, die Bewahrung seiner wunderbaren Schöpfung aufzunehmen und seine Hoffnung für die Welt wachzuhalten.
Landesbischof Tobias Bilz zeigte sich in seiner Predigt berührt von der Ausdauer der Organisatoren des Pilgerwegs, aber auch traurig über die derzeitigen Verhältnisse in der Welt. Vieles werde heutzutage verschoben in Richtung Wirtschaftswachstum. Klimaziele würden kritisch hinterfragt, obwohl nach einer neuen Studie sieben von neun Belastungsgrenzen für die Welt überschritten seien. Angesichts dessen rufe er zur Umkehr auf. Wenn etwas nicht mehr so laufe, wie es sein sollte, dann sehe er eine Botschaft Gottes darin. Gott halte Segen zurück, wenn der Gottesbezug verloren ginge und Menschen auf Kosten anderer leben würden. Somit sei der Weg der Pilger auch ein Weg der Umkehr. Die Mahnung richte sich immer gegen den Trend, aber das Notwendige müsse auch gegen eine Mehrheit gesagt werden. Es sei für ihn daher wichtig zu schauen und zu hören, was Gott den Menschen in der Schöpfung zeigen wolle. Berge und Winde zeigten etwas von der Macht der Schöpfung und man solle darauf achten, wenn sich die Schöpfung verdunkelt. Daher sei es notwendig, die Schöpfung neu zu sehen, so der Landesbischof.
Als Vertreter der Pilgerbasis Paris 2015 übergab Dr. Christian Seidel eine Dresdner Erklärung mit Forderungen zu Klimaschutz und Klimagerechtigkeit an die Bischöfe sowie an Pfarrer Fabian Brüder als Vertreter der ACK Sachsen. Diese Erklärung werde auch vor Beginn des Pilgerweges einem Vertreter der Staatskanzlei u.a. mit den Forderungen übergeben, die Transformation zu unterstützen und dazu zu ermutigen, Veränderungen und Anliegen für eine gerechtere Welt zu unterstützen.
Dr. Seidel hatte zudem ausführlich über die Ursprünge und die Zielsetzung des Klimawegs für Klimagerechtigkeit berichtet. Insbesondere verwies er darauf, welche öffentliche Wirkung die auf Paris (2015) zulaufenden Pilgerwege erzeugt und auch Entscheidungen der damaligen Konferenz beeinflusst hätten.
Hintergrund:
Im Jahr 2015 fand auf Einladung eines breiten Bündnisses katholischer Bistümer, evangelischer Landeskirchen und kirchlicher Werke der erste Ökumenische Pilgerweg für Klimagerechtigkeit von Flensburg nach Paris zur UN-Klimakonferenz COP 21 statt. Die Resonanz unter den Teilnehmenden sowie die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit war groß. Seither gab es drei weitere Pilgerwege zu den Konferenzen in Bonn, Katowice und Glasgow.
Der Ökumenische Pilgerweg für Klimagerechtigkeit wurde im Jahr 2022 mit dem Ökumenischen Förderpreis Eine Welt ausgezeichnet und 2023 mit der Laudato si-Plakette des Bistums Augsburg geehrt.
Die Klimapilgerinnen und -pilger fühlen sich dem Auftrag zur Bewahrung der Schöpfung verpflichtet und stellen sich der Herausforderung, die Spiritualität eines Pilgerweges mit politischen Aktionen und Forderungen zu Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Klimagerechtigkeit zu verbinden. Sie suchen das Gespräch mit Menschen auf dem Weg und in den besuchten Gemeinden, ebenso wie mit Politikerinnen und Politikern, um zu mehr Öffentlichkeit für Klimagerechtigkeit beizutragen.
In der sächsischen Landeskirche konnte bis Herbst 2024 ein Klimaschutzkonzept nach einem Beteiligungsprozess fertiggestellt werden. Auf ihrer Herbsttagung dankte die 28. Landessynode dem Landeskirchenamt für die Erarbeitung des Klimaschutzkonzeptes und würdigte es als eine Grundlage für effizientes Wirtschaften. Die Synode ermutigte alle Kirchgemeinden, Werke und Einrichtungen, das Konzept umzusetzen.
In der Umsetzung sind bereits die Einführung des Grünen Datenkontos in allen Kirchgemeinden der Landeskirche mit Überblick über die Verbrauchsdaten als Grundlage für Anpassungen. In die Probephase geht ein neues Punktesystem zur Verpachtung von landwirtschaftlichen Flächen in kirchlicher Hand.
Für die 2018 veröffentlichte Beschaffungsrichtlinie der Landeskirche gab es eine Neuauflage.
Insbesondere die Würdigung von kirchgemeindlichen Engagements, die dem Klimaschutzkonzept lange voraus sind, kommt wegen des Ideenreichtums und ihres beispielhaften Charakters eine besondere Bedeutung zu. Auf den Weg machen bedeutet in diesem Zusammenhang nicht fortlaufen, sondern da zu bleiben und vor Ort etwas gemeinsam zu bewegen.