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Reformationsempfang der Landeskirche im Evangelischen Bildungszentrum Moritzburg


27. Oktober 2026

DRESDEN - Am 26. Oktober 2026 fand im Evangelischen Bildungszentrum in Moritzburg der diesjährige Reformationsempfang der Landeskirche statt. Der Einladung der Kirchenleitung waren ca. 150 Personen aus Kirche, Politik und Gesellschaft gefolgt. 

Nach einer Begrüßung von Landesbischof Tobias Bilz stellte Pfarrerin Sarah Zehme die einzelnen Einrichtungen auf dem Bildungscampus und ihre Geschichte vor. Dazu zählen u.a. das Diakonenhaus Moritzburg, das Theologisch-Pädagogische Institut, die DiAkademie, das Philippus-Institut sowie der Studiencampus des Studiengangs Evangelische Gemeinde- und Religionspädagogik der Evangelischen Hochschule Dresden. 

Alexander Dierks hob in seinem Grußwort die Bedeutung der Kirchen für die Gesellschaft hervor. Es gebe kaum eine Organisation, in der sich vergleichbar viele Ehrenamtliche tagtäglich für andere Menschen und die Gemeinschaft engagierten. Gerade in den kirchlichen Bildungseinrichtungen würden Menschlichkeit und Empathie gelehrt, was wesentliche Fähigkeiten seien in einer Zeit, in der das Recht des Stärkeren wieder als erstrebenswert propagiert werde. 

Synodalpräsidentin Gunda Röstel spricht zur Bedeutung von Religion in Krisenzeiten

In ihrer Rede zum Reformationsempfang betonte Gunda Röstel, dass die Reformation neben Luthers Thesen vor allem eine gewaltige Bildungsbewegung war, die Menschen zur eigenständigen Urteilsbildung befähigen sollte. Diese Notwendigkeit sei heute angesichts von Algorithmen, Fake News und der Reizüberflutung in den sozialen Medien aktueller denn je, da Informationen zunehmend zu Waffen werden können. Gleichzeitig stehe die Gesellschaft unter großem Druck durch Kriege, wirtschaftliche Engpässe und extremistische Bedrohungen der Demokratie, was bei vielen Menschen zu Unsicherheit und einer Sehnsucht nach einfachen, komplexitätsreduzierenden Botschaften führe. Kirchliche Einrichtungen müssten in dieser Zeit Orte sein, an denen Menschen lernen, Widersprüche auszuhalten und echte Orientierung zu finden.

Angesichts sinkender Mitgliederzahlen, fehlenden Ehrenamts und schwindender finanzieller Ressourcen befinde sich die Kirche selbst in einem notwendigen Umbruch, der unter dem Reformvorhaben „Kirche im Wandel“ neue Strukturen erfordere. Röstel machte jedoch deutlich, dass die zentrale Frage nicht der reine Erhalt der Institution um ihrer selbst willen sei, sondern wofür die Gesellschaft die Kirche in diesen unsicheren Zeiten brauche. Der christliche Glaube biete hierbei eine unschätzbare Botschaft: Er verspreche zwar nicht, dass alles einfach werde, sage den Menschen aber zu, dass sie bedingungslos geliebt und auch in schwierigen Zeiten nicht allein seien. Diese Zusage gesellschaftlich erfahrbar zu machen, sei der wichtigste Auftrag der Kirche und der eigentliche Treibstoff für die anstehenden Reformen.

Um als Hoffnungsträger zu wirken, müsse die Kirche zwingend glaubwürdig handeln und ihre eigene institutionelle Realität an ihren verkündeten Werten messen lassen, was auch die ehrliche Aufarbeitung und Reue im Umgang mit den schwerwiegenden Missbrauchsskandalen einschließe. Die Kirche müsse nicht zu jeder politischen Detailfrage Stellung beziehen, dürfe aber bei der Gefährdung christlicher Grundwerte wie Menschenwürde, Gerechtigkeit und dem Schutz der Schwachen nicht schweigen. Röstel warb dafür, die Kirche wieder stärker zu einem Ort des Gesprächs zu machen, an dem über komplexe Themen wie Migration oder Frieden gestritten werden dürfe, ohne sich gegenseitig zu Feinden zu erklären. Letztlich müsse die Kirche nicht für jedes gesellschaftliche Problem die perfekte Lösung haben, sondern den Menschen durch Glaube, Hoffnung und Liebe helfen, die Richtung nicht zu verlieren.

Die gesamte Rede zum Download

Informationen zum Evangelischen Bildungszentrum Moritzburg

Synodalpräsidentin Gunda Röstel bei ihrer Rede zum Reformationsempfang
Pfarrerin Sarah Zehme, Leiterin des Diakonenhauses Moritzburg, stellte die den Bildungscampus Moritzburg vor
Landtagspräsident Alexander Dierks sprach ein Grußwort

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