Reformationsfest in Sachsen
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Mit Reformationsbrötchen, musikalischen Gottesdiensten und Konzerten
Evangelische Kirchgemeinden laden am Reformationstag (31. Oktober) in ganz Sachsen zu Festgottesdiensten und Konzerten ein. Vielerorts werden Gottesdienste auch ökumenisch gefeiert. Neben Sachsen ist der Reformationstag in weiteren acht Bundesländern ein staatlich geschützter arbeitsfreier Feiertag.
Zum Reformationstag zieht Landesbischof Tobias Bilz einen Bogen von der Reformation in die heutige Zeit: »Wir feiern das Reformationsfest in einer Zeit großer Verunsicherung. In vielen Bereichen kommen unsere Denk- und Handlungssysteme an ihre Grenzen. Reformatorisches Christsein hält Ausschau nach den Wegen, die Gott uns führen will, und gibt Mut sie zu gehen.«
Traditionell predigt der sächsische Landesbischof im Gottesdienst zum Reformationsfest im Dom zu Meißen. Der Gottesdienst beginnt um 10:00 Uhr. Die Domherren des Domkapitels, unter denen auch zwei Domherrinnen sind, kommen am Reformationstag zu ihrem Herbstkapiteltag im Hochstift Meißen zusammen. Im Festgottesdienst tragen sie den Ornat, bestehend aus weißem Chormantel, Soutane und Barett.
Festgottesdienste und Konzerte zum Reformationstag
Viele Kirchgemeinden laden am Reformationstag zu Festgottesdiensten oder besonderen musikalischen Gottesdiensten ein. Ob mit Posaunenchor, Orgelmusik, Kantaten, Reformationsmusik, Gospelchor, Kindermusical oder Rockband – die Vielfalt der Kirchenmusik in Sachsen kommt zum Reformationsfest sowohl in Gottesdiensten als auch in Konzerten am Nachmittag und Abend zum Klingen. Eine schöne Tradition sind in vielen Gemeinden die Reformationsbrötchen, die in den Gottesdiensten oder im Anschluss verteilt werden. In manchen Gemeinden werden am Reformationstag auch Kirchweih- und Gemeindefeste mit Musik und Familienprogramm gefeiert.
So beginnen am Reformationstag um 10:00 ein Gottesdienst zum Kirchweihfest mit Kurrende-Musical in der Thomaskirche Dresden-Gruna und Gottesdienst nach Deutscher Messe/Gospelmesse in der Lutherkirche Radebeul. Zeitgleich wird in der St.-Jacobi-Kirche Neustadt/Sachsen in einem Regionalgottesdienst zum Reformationstag den zahlreichen Ehrenamtlichen gedankt.
Im Erzgebirge sind Familien um 10:00 Uhr zu einer Familienandacht in die Bergkirche Pobershau und im Anschluss zu einem »Mitbringbuffet« eingeladen. Auch in der Kirche Tauscha findet nach dem Reformationsgottesdienst, der um 14:30 Uhr beginnt, ein Reformations-Schmäuschen statt.
Im Vogtland wird es am Reformationstag musikalisch im Gottesdienst zum Bezirksposaunenfest und 100. Chorjubiläum des Lengenfelder Posaunenchores um 14:30 Uhr in der Aegidiuskirche Lengenfeld. Dagegen wird in Nünchritz bei Riesa am Reformationstag traditionell ein Gottesdienst in der Wackersporthalle gefeiert, der um 15:00 Uhr beginnt und das Motto »Feiern wie zu Luthers Zeiten« trägt.
Auf den Dresdner Neumarkt vor der Frauenkirche sind alle Menschen am Reformationstag um 16:00 Uhr zu einem Interreligiösen Friedensgebet unter dem Motto »Angst? Liebe!« mit der Initiative COEXIST Dresden eingeladen, wo es in der Tradition des Teilens von Reformationshörnchen auch Musik, Gebäck, heißen Tee und Austausch gibt.
In der Kreuzkirche Dresden sind in der Vesper am Reformationstag um 17:00 Uhr Dresdner Kantoreien und der Dresdner Kreuzchor gemeinsam zu erleben.
Um 18:00 Uhr ist in der Kirche in Euba ein Jazzgottesdienst »Great Hymns of faith« zu erleben, in den Musikerinnen und Musiker aus der Region und Gemeinde große Glaubenshymnen, Choräle und Gospels im Gewand moderner Jazzmusik zu Gehör bringen. In der pax Jugendkirche Leipzig findet um 19:00 Uhr ein Jugendgottesdienst zum Jugendchortag statt. Zur selben Zeit wird in der Lutherkirche in Freital-Döhlen zum ersten Mal zur ChurchNight eingeladen, die von Jugendlichen gestaltet wird. Spaß, Gemeinschaft, Gesang und Austausch über Glaubensthemen werden Teil des Abends sein.
»Wenn Gott Gemeinde baut…« lautet das Thema des Gemeindebibeltages in Glauchau, der traditionell am Reformationstag in der Sachsenlandhalle Glauchau stattfindet.
Eine Übersicht über Gottesdienste und Konzerte am Reformationstag finden Sie im landeskirchlichen Kalender.
Kollekte für das Gustav-Adolf-Werk in Sachsen
Die in den Gottesdiensten am Reformationstag gesammelte landeskirchliche Kollekte kommt traditionell dem Gustav-Adolf-Werk in Sachsen (GAWiS) zugute. Als Diaspora-Werk der sächsischen Landeskirche unterstützt das Gustav-Adolf-Werk evangelische Christen weltweit. In diesem Jahr wird die Kollekte für die Erneuerung der Küche im Gemeindezentrum der Evangelischen Gemeinde der Böhmischen Brüder in Teplice (Tschechien) erbeten. Teplice ist eine Kurstadt in Nordböhmen am Fuß des Erzgebirges. Die evangelische Gemeinde engagiert sich nicht nur in der kirchlichen Gemeindearbeit, sondern unterstützt auch sozial benachteiligte Familien und bietet Kindern verschiedene Freizeitangebote und Sommercamps an. Damit diese wertvolle Arbeit auch weiterhin möglich ist, braucht die Gemeinde geeignete und funktionstüchtige Räumlichkeiten.
Mit der Kollekte zum Reformationsfest kann dazu beigetragen werden, die Küche zu erneuern und damit einen wichtigen Raum für die vielfältige Arbeit der Gemeinde zu erhalten.
Zum Hintergrund
Am Reformationstag erinnern sich evangelische Christen weltweit an den Beginn der Reformation durch Martin Luther. Als junger Mönch und später als Theologieprofessor benannte Martin Luther die Widersprüche zwischen seiner Glaubenserkenntnis und dem damaligen kirchlichen Leben. Seine Kritik veröffentlichte er 1517 in Wittenberg in Form von 95 Thesen, mit denen er sich gegen den Ablasshandel wandte und eine Reform der Kirche anregen wollte. Die Reformbewegung, die er damit auslöste, ergriff nicht nur das kirchliche Leben, sondern hatte Auswirkungen auf alle Bereiche der Gesellschaft. Heute ist Martin Luther als Reformator und Begründer der evangelischen Kirche weltbekannt. Der Reformationstag erinnert daher auch an eine schmerzliche Spaltung der Kirche.
Luthers Erkenntnisse sind bis heute wichtige Grundlagen der evangelischen Kirchen. Mit der Übersetzung der Bibel in die deutsche Sprache und der Einführung von Deutsch als Gottesdienstsprache ermöglichte er allen Christinnen und Christen, sich die Inhalte des Glaubens selbst anzueignen und sich ein eigenes Urteil zu bilden. Luthers Definition des »Priestertums aller Getauften« findet ihren Ausdruck darin, dass in evangelischen Gemeinden auch Laien (Nicht-Theologen) nach einer Ausbildung Gottesdienste halten sowie Mitglied von kirchlichen Leitungsgremien sein können.
Frauen im Pfarramt sind in evangelischen Kirchen selbstverständlich. Durch seine Heirat mit Katharina von Bora hat Martin Luther das Ende des Zölibates in den Kirchen der Reformation eingeleitet und damit die Tradition des evangelischen Pfarrhauses begründet. Gesellschaftliche Relevanz hatte die Reformation u.a. für Bildung und Sozialpolitik. So geht die Leisniger Kastenordnung von 1523 auf ein Gutachten Martin Luthers für die Stadt Leisnig zurück und gilt als wichtige Bedingung für die Entstehung evangelischer Kirchgemeinden und als Modell lutherischer Soziallehre.