Geschichte

Die sächsischen Bischöfe

Ludwig Ihmels (1922-1933)

Am 29. Juni 1858 in Middels/Ostfriesland geboren, studierte Ludwig Ihmels ab 1878 evangelische Theologie in Leipzig, Erlangen und Göttingen. 1881 dient er ein Jahr lang als Hilfsprediger in Westrhauderfehn und ist nach seiner Ordination als Pfarrer auf Baltrum sowie in Nesse und Detern tätig.

1894 wurde Ihmels Studiendirektor des Predigerseminars Loccum, 1898 Ordentlicher Professor für Systematische Theologie in Erlangen.

1901 erlangte er die Promotion zum Dr. theol. an der Universität Rostock. Im gleichen Jahr lehnte er die Berufung zum Generalsuperintendenten von  Aurich ab.

Ab 1902 lehrte Ihmels als Ordentlicher Professor für Systematische Theologie in Leipzig. Des Weiteren war er Vorsitzender der Allgemeinen Evangelisch-Lutherischen  Konferenz - Lutherisches Einigungswerk (1907-1933).

1909 lehnte er die Berufung zum Oberhofprediger der Ev.-Luth.  Landeskirche im Königreich Sachsen ab.

1922 wurde Ludwig Ihmels zum ersten Landesbischof der Ev.-Luth. Landeskirche im Freistaat Sachsen.

Die ersten Jahre seiner Amtszeit waren von Auseinandersetzungen der nun staatsunabhängigen Landeskirche mit der sächsischen Landesregierung geprägt. 1923 versetzte man sogar den Konsistorialpräsidenten Dr. Franz Böhme und den Landesbischof  als Vizepräsidenten unter einem Vorwand in den Ruhestand.

1924 hob das Reichsgericht dieses Urteil auf. Ihmels wurde wieder in das Amt eingesetzt und blieb Landesbischof bis zu seinem Tod am 7. Juni 1933.

Friedrich Coch (1933-1945)

Friedrich Coch war kein gemäß der Kirchenverfassung der sächsischen Landeskirche gewählter Landesbischof. Die nationalsozialistische sächsische Landesregierung nutzte die mit dem Tod Landesbischofs Ihmels‘ eingetretene Vakanz. Gemäß dem nationalsozialistischen Führerprinzip übertrug sie am 30. Juni 1933 Pfarrer Coch, der u.a. Gaufachberater für kirchliche Angelegenheiten bei der Gauleitung Sachsen der NSDAP war, die Rechte und Befugnisse des Landesbischofs, des Landeskonsistoriums, des Landeskirchenausschusses und des Ständigen Synodalausschusses.

Die neu gewählte Synode bestimmte im August 1933 Coch zum Landesbischof. Er übernahm die Führung der für Sachsen gegründeten Organisation der „Glaubensbewegung Deutsche Christen”.

Sein Regiment währte bis zur Einsetzung des Landeskirchenausschusses 1935, dem auch Mitglieder der Bekennenden Kirche angehörten. Diese Phase eines um Befriedung bemühten Kirchenregiments wurde 1937 beendet, als der Landeskirchenausschuss mit Waffengewalt aus dem Landeskirchenamt vertrieben wurde. Maßgeblich für den weiteren Kurs war dann als Leiter des Landeskirchenamts Johannes Klotsche.

Friedrich Coch floh nach dem Bombardement Dresdens im Februar 1945 nach Bad Elster. Dort geriet er in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Im Gefangenenlager in Kulmbach besuchte ihn der Bayreuther Dekan Heinrich Riedel. Ihm übergab Coch das Amtskreuz der sächsischen Landesbischöfe. Coch verstarb am 9. September 1945 in Hersbruck.

Der bayerische Landesbischof Hans Meiser übergab 1946 Landessuperintendent Lic. Franz Lau in Dresden das Amtskreuz zur Verwahrung. 

Franz Lau (1945-1947)

Franz Lau wurde am 18. Februar 1907 in Leipzig geboren. Von 1925 bis 1930 studierte er Philosophie und Geschichte, ab 1926/27  evangelische Theologie in Wien und Leipzig.

Von 1930 an war Franz Lau Pastor der Lutherkirchgemeinde in Regis – Breitingen. Ab 1933 engagierte er sich in Pfarrernotbund und Bekennender Kirche gegen die nationalsozialistisch geprägten Deutschen Christen. Von 1936 - 1938 war er Studiendirektor des Predigerseminars Lückendorf, von 1939 bis 1946 Pfarrer der Martin-Luther-Kirchgemeinde in Dresden.

Nach Kriegsende wirkte Franz Lau während der Bischofsvakanz (1945-1947) als Leitender Geistlicher der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens. Zudem nahm er in Dresden mehrere Superintendenten-Ämter wahr: ab November 1945 als Landessuperintendent; von 1945 bis 1946 als kommissarischer Superintendent der Kirchenbezirke Dresden-Stadt und Dresden-Land; von 1946 bis 1947als Superintendent des Kirchenbezirks Dresden-Stadt. In der zerstörten Kreuzkirche war Lau als Pfarrer tätig.

Franz Lau war Professor für Kirchengeschichte an der Universität Leipzig (1947-1970). Außerdem Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für sächsische Kirchengeschichte und Vorsitzender der Vereinigten Arbeitsgemeinschaft für  Kirchengeschichte der Ev. Kirche in der DDR. Die Ev.-Theol. Fakultät Rostock verlieh ihm 1952 ein Ehrendoktorat. 

Weitere Ämter waren Präsident des Gustav-Adolf-Werkes (1952-1971), Dechant des Hochstifts Meißen (1957-1972) und Mitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaften (1965-1973). Franz Lau starb am 6. Juni 1973 in Leipzig.  

Hugo Hahn (1947-1953)

Hugo Hahn wurde am 22. September 1886 in Reval (heute Tallinn) geboren. Er studierte ev. Theologie in Leipzig, Dorpat (Tartu) und Berlin.

Von 1910 bis 1919 war Hahn als Pfarrer in Risti und Nissi, Estland tätig. 1919 übersiedelte er, nach der Erschießung  seines Bruders und weiterer baltischer Pfarrer, nach Deutschland und leistete Hilfsdienst in Sarstedt. Ab 1919 war er Pfarrer in Worbis /Eichsfeld, an der Thomaskirche in Leipzig, an der Frauenkirche in Dresden (1930- 1934) und  Superintendent der Ephorie Dresden Land.

Ab 1933 setzte Hahn den Nationalsozialisten und den parteinahen Deutschen Christen Widerstand entgegen und wirkte am sächsischen Pfarrernotbund  und der Bekenntnisgemeinschaft der Landeskirche Sachsens mit. 1934 wurde er verhaftet und  durch die Kirchenleitung seines Amtes enthoben. 1935 wurde er wiedereingesetzt, doch ein Dienststrafverfahren schloss mit seiner Entlassung aus dem  Amt. 1938 wurde Hahn auf Weisung  des Reichskirchenministers Kerrl aus Sachsen ausgewiesen.

Hahn fand Dienst in der Ev.-Luth. Kirche Württemberg. Nach Kriegsende 1945 bemühte sich die Landeskirche Sachsens intensiv um Hahns Rückkehr und sah ihn als Landesbischof vor.

1947 konnte Hugo Hahn das Amt des Landesbischofs annehmen, das er bis 1953 ausübte.

Von  1945 bis 1954 war er zudem Mitglied des Rates der Ev. Kirche in Deutschland und Ehrendoktor  der Theologischen Fakultät der Universität Leipzig. Hugo Hahn starb am 5. November 1957 in Dresden.

Gottfried Noth (1953-1971)

Gottfried Noth wurde am 26. Januar 1905 in Dresden geboren. Nach dem Abitur in Dresden begann er ein Studium der ev.  Theologie in Leipzig und Erlangen. Nach dem Ersten Theologischen Examen in Leipzig, dem Licentiat der Theologie in Erlangen und der 2. Theologische Prüfung in Dresden wurde er als Hilfsgeistlicher Diakonissenanstalt Dresden ordiniert.

Von 1932 bis 1936 wirkte Gottfried Noth als Pfarrer in Zethau, Kirchenbezirk Freiberg. 1933 trat er dem Pfarrernotbund und der Bekennenden Kirche bei. Nach einem Jahr Dienst als Referent („Theologischer Hilfsarbeiter“) im  Landeskirchenamt kehrte er 1937 in seine Pfarrstelle in Zethau zurück, die er bis 1942 innehatte. Dann wurde er Pfarrer der Trinitatiskirchgemeinde Dresden.

1944 wurde Noth als Sanitätssoldat eingezogen. Er geriet in Kriegsgefangenschaft, arbeitete als Lazarettpfarrer und nach der Freilassung als Religionslehrer in Rheydt/ Niederrhein. Nach seiner Rückkehr nach Dresden 1946 war er wieder in der Trinitatiskirchgemeinde und zugleich als Oberlandeskirchenrat im Landeskirchenamt (bis 1950 kommissarisch) tätig.

Noth war Träger von Ehrendoktorwürden der Theologischen Fakultät der  Universität Erlangen und der Capital University Columbus/Ohio. Er wirkte als Mitglied des Zentralausschusses des Ökumenischen Rates  der Kirchen und weiterer wichtiger ökumenischer  Gremien.

1953 wurde Gottfried Noth zum Landesbischof der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens gewählt und übte das Amt bis zu seinem Tod 1971 aus.

Johannes Hempel (1971-1994)

Am 23. März 1929 in Zittau geboren, studierte Johannes Hempel von 1949 bis 1952 evangelische Theologie in Heidelberg und Westberlin. 1952 kehrte er in die DDR zurück und schloss sein Erstes Theologisches Examen in Leipzig ab. 1955 wurde er als Hilfsgeistlicher in Gersdorf (Kirchenbezirk Glauchau) ordiniert. 1956 absolvierte er sein Zweites Theologisches Examen in Dresden und war bis 1958 als Pfarrer in Gersdorf tätig.

Von 1958 bis 1966 war Hempel Pfarrer in Leipzig an der Thomas-Matthäi-Kirchgemeinde. Gleichfalls wurde er als Studieninspektor am Leipziger Predigerkolleg St. Pauli abgeordnet. 1963 erlangte er seine Promotion zum Dr. theol.

Weitere Stationen waren: Studentenpfarrer an der Universität Leipzig (1963 – 1966), Pfarrer der Studentengemeinde Leipzig (1966-1967); hauptamtlicher Studiendirektor am Leipziger Predigerkolleg St. Pauli (1967-1971).

Hempel wirkte als stellvertretender Vorsitzender der Konferenz der Kirchenleitungen in der DDR (1973 – 1977) und Mitglied des Zentral- und Exekutivausschusses des Ökumenischen Rates der Kirchen. Von 1983 bis 1991 war er einer der sieben Präsidenten des Ökumenischen Rates der Kirchen; von 1982 bis 1986 Vorsitzender der Konferenz der Kirchenleitungen in der DDR, sowie Stellvertretender Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (1991 – 1997).

Johannes Hempel ist Träger mehrerer theologischer Ehrenpromotionen: der Karl-Marx-Universität Leipzig, der University of Kent at Canterbury (Großbritannien) sowie des Muhlhouse College/Allentown (USA).

Volker Kreß (1994-2004)

Volker Kreß wurde am 25. Juli 1939 in Dresden geboren. Nach dem Dresden absolvierte er eine Lehre als Industriekaufmann im elterlichen Handwerksbetrieb und arbeitete als kaufmännischer Angestellter in einem metallverarbeitenden Betrieb in Beierfeld / Erzgebirge. 1962 begann er ein Studium der evangelischen Theologie in Leipzig.

Nach der Ordination wirkte Kreß von 1969 bis 1973 als Pfarrer in Stollberg / Erzgebirge. Von 1973 an 1979 war er Landesjugendpfarrer der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens, bevor er 1979 Superintendent des Kirchenbezirks Bautzen wurde. Dieses Amt hatte er bis 1989 inne.

Kreß war von 1990 bis 1991 Mitglied der Synode des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR und von 1991 bis 1994: Mitglied der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland.

In mehreren Gremien wirkte als Vorsitzender: im Kuratorium der Stiftung „Evangelische Fachhochschule für Soziale Arbeit“, Dresden, in der Jugendkammer der EKD und im Kuratoriums der Stiftung Frauenkirche Dresden.

Von 1997 bis 2003 war er Stellvertretender Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland; von 2000 bis 2003 Mitglied im Kontaktgesprächskreis zwischen dem Rat der EKD und der katholischen Deutschen Bischofskonferenz.

1994 wurde Volker Kreß feierlich in das Amt des Landesbischof der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens eingeführt, das er bis ins Jahr 2004 innehatte.

Jochen Bohl (2004-2015)

Jochen Bohl wurde am 19. April 1950 in Lüdenscheid/Westfalen geboren und studierte von 1968 bis 1974 Evangelische Theologie an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal, der Philipps-Universität Marburg/Lahn und der Ruhr-Universität in Bochum. Sein Erstes und Zweites Theologisches Examen legte er in der westfälischen Kirche ab. Seinen zweijährigen Vorbereitungsdienst (Gemeindevikariat) absolvierte er (1974-1976) in Brüninghausen bei Lüdenscheid. 1977 wurde Bohl ordiniert und war dann nach dem Probedienst in der westfälischen Kirche von 1978 bis 1986 Pfarrer in der Evangelischen Kirchengemeinde Aplerbeck im Kirchenkreis Dortmund-Süd.

Jochen Bohl lebt seit 1995 in Sachsen, als er zum Direktor des Diakonischen Amtes des Diakonischen Werkes der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens berufen wurde. Er leitete neun Jahre das Amt in Radebeul, das die Interessen der Diakonie in der Liga der sächsischen Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege vertritt. Zuvor wurde Bohl in ein Dienstverhältnis als sächsischer Pfarrer aus der Evangelischen Kirche im Rheinland übernommen. Er hatte dort neun Jahre das Evangelische Jugendwerk an der Saar geleitet.

Am 26. Juni 2004 wurde Bohl in der Kreuzkirche zu Dresden feierlich in das Bischofsamt eingeführt.
Er war Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung Frauenkirche Dresden und von 2010 - 2015 Stellvertretender Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Am 29. August 2015 wurde Landesbischof Jochen Bohl nach elf Dienstjahren im Gottesdienst in der Dresdner Kreuzkirche feierlich verabschiedet. 

Carsten Rentzing (seit 2015)

Carsten Rentzing stammt aus Berlin (West), wo er am 27. September 1967 im Stadtteil Spandau geboren wurde. Nach der Schulzeit studierte er Rechtswissenschaften und Philosophie an der Freien Universität Berlin und begann nach seiner Glaubensentscheidung das Studium der Evangelischen Theologie (1989). Rentzing schloss das Studium der Theologie und Philosophie in Berlin, Frankfurt/M. und Oberursel mit dem Ersten Theologischen Examen ab und bewarb sich um ein Vikariat in Sachsen. Von 1997 bis 1999 absolvierte er die Vorbereitungszeit mit Gemeindepraktikum in den Kirchgemeinden Oelsnitz und Zwota.

Nach dem Zweiten Theologischen Examen (1999) in Dresden wurde er im ergebirgischen Annaberg-Buchholz ordiniert und begann seinen dortigen Pfarrdienst. In der Anfangszeit promovierte Rentzing an der Universität Leipzig über das Thema „Die Rede vom Bösen bei Karl Barth und Martin Luther“, bevor er 2010 ins vogtländische Markneukirchen wechselte. Pfarrer Dr. Rentzing war Mitglied der 26. Landessynode, sächsischer Vertreter in der 11. EKD-Synode und Vizepräsident der 11. Generalsynode der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD). Er gehörte der derzeitigen 27. Landessynode an und vertritt die sächsische Landeskirche in der 12. EKD-Synode und der 12. Generalsynode der VELKD.

Dr. Rentzing war Vorsitzender des Vereins für Gemeindediakonie Markneukirchen und als solcher ehrenamtlicher Geschäftsführer ihrer verschiedenen Einrichtungen.

Am 29. August 2015 wurde Rentzing in der Kreuzkirche zu Dresden, seiner neuen Bischofskirche, feierlich in das Bischofsamt eingeführt.

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