Kirchenmusik

Geschichte der Kirchenmusik in Sachsen

Sachsen gilt als Mutterland der evangelischen Kirchenmusik. Ihre Geschichte ist mit einer Reihe bedeutender Persönlichkeiten verbunden, deren Wirken weit über Sachsen hinausstrahlt.

Eine 500-jährige Tradition evangelischer Kirchenmusik

Komponisten und Lieddichter

Seit Martin Luther vor 500 Jahren mit dem befreundeten Kantor Johann Walter in Torgau eine evangelische Kirchenmusik begründete, ist Sachsen mit dem Wirken großer Kantoren, Komponisten und Lieddichter verbunden.

Zahlreiche wichtige Textdichter oder Melodisten haben bekannte und beliebte geistliche Lieder des evangelischen Gesangbuches geschaffen.

Kantoreien und Chöre

Kantoreigesellschaften einiger sächsischer Kirchenchöre (z.B. Oschatz, Grimma oder Leisnig) können auf eine über 475-jährige Geschichte zurückblicken. Bedeutende Chöre und Kantoreien musizierten geistliche Musik und prägten damit entscheidend das Leben der Kulturlandschaft Sachsen.

Tradition pflegen und fortsetzen

Eine Tradition, die gepflegt und fortgesetzt wird: Heute singen rund 26.000 Mitglieder in mehr als 700 Kirchenchören und Kantoreien und über 500 Kurrenden und Kinderchören. Und nach wie vor gibt es viele Kirchenmusiker, die komponieren, arrangieren, Lieder dichten und sich um die Wiederentdeckung vergessener Kostbarkeiten kümmern .

Eine Auswahl sächsischer Kirchenmusiker

Johann Walter (1496–1570)

Johann Walter war der Gründer der ersten evangelischen Kantorei überhaupt (in Torgau). Als Hofkapellmeister wirkte er für einige Jahre in Dresden und weihte die Schlosskapelle im Dresdner Residenzschloss mit ein. Walter schuf gemeinsam mit Martin Luther das erste deutsche Gesangbuch. Lieder von ihm sind bis heute im Evangelischen Gesangbuch zu finden.


Die Dresdner Schlosskapelle, in der u.a. Johann Walter und Heinrich Schütz wirkten, verlor durch die Konversion von August dem Starken zum Katholizismus ihren Nutzen und wurde im 18. Jahrhundert umgebaut. Seit mehreren Jahren wird an der Rekonstruktion gearbeitet. 2013 wurde das Schlingrippengewölbe wieder eingezogen.


Cornelius Becker (1561-1604)

Cornelius Becker, Pfarrer & Liederdichter aus Leipzig („Wohl denen, die da wandeln“ EG 295)


Heinrich Schütz (1585–1672)

Heinrich Schütz, der „Vater der deutschen Musik“,  wirkte mehr als 50 Jahre am Dresdner Hof, der damals als Zentrum des deutschen Protestantismus galt. Schütz hob die Qualität der Kirchenmusik auf eine neue Stufe. Seine Werke werden bis heute aufgeführt – auch von Kantoreien und Kirchenchören (z.B. Motetten aus der Geistlichen Chormusik 1648).


Paul Gerhardt (1607-1676)

Paul Gerhardt, Liederdichter aus Grimma („Befiehl du deine Wege“ EG 361; „Geh aus mein Herz und suche Freud“ EG 503; „Wie soll ich dich empfangen“ EG 11; „Ich steh an deiner Krippen hier “ EG 37)


Johann Sebastian Bach (1685–1750)

Johann Sebastian Bach ist der wahrscheinlich bekannteste Kirchenkomponist schlechthin. Er  wirkte über 25 Jahre als Thomaskantor in Leipzig. Seine Kantaten, Oratorien, Passionen, Orgelwerke usw. gehören bis heute zu den eindringlichsten Werken überhaupt und berühren auch Menschen, die nicht gläubig sind.


Graf Nikolaus Ludwig von Zinzendorf (1700-1760)

Graf Nikolaus Ludwig von Zinzendorf aus Herrnhut, Gründer der Herrnhuter Brüdergemeine, Dichter („Jesu geh voran“ EG 391)


Gottfried August Homilius (1714–1785)

Gottfried August Homilius, vermutlich ein Schüler von Johann Sebastian Bach, war als   Kreuzkantor und Musikdirektor der drei Dresdner Hauptkirchen in Dresden tätig. Wegen der Zerstörung der Kreuzkirche im Siebenjährigen Krieg wirkte er vor allem in der heute wiederaufgebauten Frauenkirche. Seine Kompositionen (Motetten, Oratorien u.v.m.) waren lange Zeit in Vergessenheit geraten, erfahren aber derzeit eine Renaissance.


Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809–1847)

Felix Mendelssohn-Bartholdy ist besonders als Wieder-Entdecker der Werke Johann Sebastian Bachs und als Komponist großer romantischer Oratorien in die Geschichte der Evangelischen Kirchenmusik eingegangen. Er war Kapellmeister am Leipziger Gewandhaus und gründete 1843 das Leipziger Conservatorium als erste Musikhochschule in Deutschland.


Karl Straube (1873–1950)

Karl Straube, ein bedeutender Chorleiter und Organist, war ab 1918 Thomaskantor in Leipzig. 1919 rief er das Kirchenmusikalische Institut am Leipziger Conservatorium ins Leben und legte damit den Grundstein für die umfassende kirchenmusikalische Ausbildung in Sachsen. Die heutige Hochschule für Kirchenmusik Dresden wurde 1949 gegründet.


Die Brüder Mauersberger: Erhard (1903–1982) und Rudolf (1889–1971)

Aus der reichen kirchenmusikalischen Tradition des Erzgebirges (aus Mauersberg) stammend, übernahm  Rudolf Mauersberger 1930 den Dresdner Kreuzchor und sein Bruder Erhard 1961 den Thomanerchor in Leipzig. Die Aufführung von Rudolf Mauersbergers weihnachtlicher Christvesper und Christmette in der Dresdner Kreuzkirche zieht alljährlich tausende Besucher an.

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